Zum Tod von Hans Magnus Enzensberger – Vielseitig, streitbar und produktiv


Der Lyriker, Schriftsteller, Essayist und Herausgeber Hans Magnus Enzensberger ist am Donnerstag mit 93 Jahren in München gestorben. Das teilen der Hanser-Verlag und der Suhrkamp-Verlag mit. Enzensberger galt als einer der einflussreichsten deutschen Intellektuellen.

Vor Beginn seiner schriftstellerischen Tätigkeit arbeitete er als Hörfunkredakteur beim Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart. Großes Aufsehen erregte er 1957 mit seinem Gedichtband “Verteidigung der Wölfe”, der wie ein Wirbelwind in den stickigen Mief der Adenauerära hineinfuhr.

Durch die Herausgabe der Zeitschrift “Kursbuch” und durch seine politischen Essays wurde er ab Mitte der 1960er-Jahre zu einer Orientierungsfigur der Studentenbewegung und der außerparlamentarischen Opposition, zu der er aber immer Distanz hielt. Er verfasste zahlreiche Essays zu Fragen der Gewalt, der Macht der Medien, der Mathematik und Intelligenzforschung. 

Enzensbergers Positionen zum US-geführten Irak-Krieg 2003, zur Europäischen Union oder etwa zur Rechtschreibreform sorgten auch für viel Widerspruch.

Kennzeichen vieler seiner Prosawerke war sein gekonntes Jonglieren mit Primär- und Sekundärliteratur. Für sein Schaffen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Georg-Büchner-Preis im Jahr 1963 und zuletzt den Frank-Schirrmacher-Preis 2015.



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