Wo man schöne Exemplare kaufen kann und ein kleiner Ausflug in die Geschichte


Von der Steppe auf die Straße: Der Cowboystiefel ist zurück auf dem Pflaster der Metropolen. Was einst ein Arbeitsschuh war, ist heute modisch heiß begehrt. Die wenigsten wissen jedoch, dass seine Erfindung auch mit deutscher Qualitätsarbeit zu tun hat. 

Nach dem Bürgerkrieg in den USA verdienten viele ehemalige Soldaten ihren Lebensunterhalt als Cowboys. Sie trieben Viehherden über Hunderte Meilen durch die Weiten der (wieder) Vereinigten Staaten von Amerika. Ziemlich beeindruckend, so ganz ohne Google Maps. Ein Problem trugen die Männer damals an ihren Füßen, nämlich ihre alten Militärstiefel.

Vor allem die runde Zehenpartie und der kleine Absatz der Wellington-Armeestiefel, die sie aus ihrem alten Job mitgebracht hatten, sorgten für Probleme bei ihrer neuen Tätigkeit. Durch die Rundung an der Schuhkappe war es schwierig, die Steigbügel des Sattels zielsicher und schnell zu treffen. Zudem fand der flache Absatz kaum Halt in den Steigbügeln – es gab durchaus schönere Dinge, die man sich vorstellen konnte, als kopfüber von einem Pferd mitgezogen zu werden.

Cowboystiefel sind das Ergebnis deutschen Erfindergeists

Man mag es kaum glauben, aber die Lösung für das Problem hatten der Legende nach zwei Männer mit deutschen Wurzeln. Sie waren die Söhne eines Schusters, der Anfang der 1850er-Jahre aus Hannover in die USA ausgewandert war und sich im Bundesstaat Illinois niedergelassen hatte. Ihr Vater hatte sie die Schusterei gelehrt. Die zwei Brüder eröffneten 25 Jahre später in Kansas ihr eigenes Schuhgeschäft. So weit, so unaufregend.

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Die Looks des Wilden Westens: John Russel und Scott Brady als waschechte Cowboys im Film „The Gal Who Took the West“ (1949) von Frederick de Cordova

Die Looks des Wilden Westens: John Russel und Scott Brady als waschechte Cowboys im Film „The Gal Who Took the West“ (1949) von Frederick de CordovaRonald Grant/Imago

Bis zu jenem Tag, als ein unbekannter Cowboy ins Geschäft kam und von seinem Problem berichtete. Er schilderte den beiden Männern, was er an seinem Schuhwerk bei seiner Arbeit bemängelte. Die Brüder nahmen die Herausforderung sowie seinen Auftrag für neue Schuhe an, die sich für das Viehhüten eignen sollten.

Das neue Stiefelmodell hatte eng zulaufende Schuhspitzen, die an den neuralgischen Stellen mit zusätzlichem Leder bezogen waren. Das stabilisierte den Arbeitsschuh nicht nur, die kunstvoll geschnittenen Lederpartien verzierten ihn auch. Außerdem hatten die neuen Schuhe einen höheren Absatz als die Militärstiefel, so wurde das Herausrutschen aus den Steigbügeln verhindert. Der hinten abgeschrägte Teil des Absatzes verhinderte ein Abbrechen unter hoher Belastung. Die breiten Kanten oberhalb des Absatzes dienten zur Befestigung der Reitsporen. Mehrere Lederschichten am Schaft schufen zusätzliche Stabilität. Die kunstvollen Muster der Nähte sind bis heute ein Charakteristikum der Cowboyboots, und sicher waren sie auch ein Beschleuniger auf ihrem Weg in die Welt der Mode.

Achtung Sale! Das türkisfarbene Modell von Ganni hat einen hohen Schaft und ist gerade für 347 Euro zu haben. Rechts, der Boot Dries Van Noten, ist derzeit auf 585 Euro reduziert.

Achtung Sale! Das türkisfarbene Modell von Ganni hat einen hohen Schaft und ist gerade für 347 Euro zu haben. Rechts, der Boot Dries Van Noten, ist derzeit auf 585 Euro reduziert.Ganni/Dries Van Noten

Das Modell der beiden Brüder überzeugte im Wilden Westen durch Qualität und Funktionalität – und verbreitete sich damals wie ein Sandsturm in der Steppe. Der Rest ist Modegeschichte, denn irgendwann sah man das Schuhwerk der ehemaligen Kuhjungen an prominenten Füßen. Und schon entstanden Trendwellen: In den 80er-Jahren wurden die Cowboyboots von Stars wie Axl Rose, Slash, Robert Plant oder James Hetfield wortwörtlich gerockt. Irgendwann flaute die Welle ab, was die Boots zwar nicht verschwinden ließ, sie aber auch nicht gerade als angesagt erscheinen ließ.

Dieser Tage sind sie wieder zurück, und zwar prächtiger und vielfältiger als je zuvor; auch an vielen Frauenfüßen: Rihanna, Emily Ratajkowski, Dua Lipa, Kendall Jenner sind heute die Fans des Ikonenschuhwerks. Bei den Männern sind es Asap Rocky und Bad Bunny, die sich derzeit gerne in den Westernstiefeln zeigen.

Wie man Cowboystiefel trägt

Egal ob Alltagslook, Festivaloutfit oder Instagramposting – kaum ein Anlass scheint falsch, die Kombinationsmöglichkeiten sind endlos. Wer sich den Cowboystiefeln dennoch erst mal vorsichtig annähern will, der reitet mit Denim und Leder auf einem sicheren Pferd. Eine konsequente Denim-Denim-Kombination, eine Fransenlederjacke oder Boot-Cut-Pants erwecken definitiv den inneren Lassoschwinger. Asphalt-Cowgirls oder -Boys, denen der historische Stil missfällt, können es mit Rock, Shorts, Top, Oversized-Shirt, Trainingsjacke, Anzug oder Kleid versuchen. In diesem Sommer wird der Stiefel von Frauen gern zum Mini und von Männern oft zu Shorts kombiniert.

Aber Achtung: Anders als ein weißer Turnschuh ist der Stiefel ein echtes Statement-Piece, mit dem man die Blicke auf sich zieht. Die Boots sind nichts für modische Mauerblümchen – und sie bringen, wie jedes gewagtere Kleidungsstück, auch einige No-Gos mit sich: Leggins und eng geschnittene, in den Schaft gesteckte Hosen zum Beispiel. Abgesehen vom aktuellen Zeitgeist, der eher ein weites Bein auf die Straßen bringt, schreibt übrigens auch die Historie des Wilden Westens ein weit geschnittenes Beinkleid vor – schlicht um das Eindringen von Staub in den Schaft der Stiefel zu verhindern. Was sagt uns das? Mit diesem Look sind wir sowohl aus historischer als auch aus heutiger Sicht auf der sicheren Seite.

Zeitgemäßer Look bei den Männern: Cowboystiefel und eine weit geschnittene Hose, die wohlgemerkt <em>über</em> dem Schaft getragen wird.

Zeitgemäßer Look bei den Männern: Cowboystiefel und eine weit geschnittene Hose, die wohlgemerkt über dem Schaft getragen wird.Luis Murua-Burhorn

Wo kann man Cowboystiefel kaufen?

  • Second Hand: Auf dem Second-Hand-Markt tauchen immer wieder Modelle auf. Brauchbare Exemplare sind zwar nicht leicht zu finden, dafür aber auch in den meisten Fällen günstig zu ergattern. Das Online-Flohmarkt-Portal Vinted eignet sich zum Stöbern. Hier ist zu empfehlen, die Suche unter dem Begriff „Stiefel“ zu starten, da sie oft nicht mit den richtigen Begriffen gelistet werden.
  • In lokalen Stiefel- und Westernläden: Für alle Berliner und Berlinerinnen ist das Kreuzberger Geschäft „Saloon Boots u. Stuff“ zu empfehlen. Dort findet man eine große Auswahl an Westernstiefeln in vielen Modellen und Farben.
  • In den Online-Shops der Stiefelhersteller: Tophersteller, die Qualität versprechen, sind zum Beispiel Twisted X Boots, Rancho Boots und Mayura Boots.
  • Fast Fashion: Auch hier ist der Trend angekommen. Bei Asos bekommt man einige Varianten der Stiefel bereits ab 55 Euro. Qualitativ kann man von diesen Produkten jedoch nicht viel erwarten, empfehlenswert ist daher die Investition in ein gutes Paar Schuhe, das etwas länger hält.
  • Luxusmarken: Die schicken Stiefel gibt es momentan in unterschiedlichen Ausführungen bei Prada, Dries Van Noten, Celine, Isabell Marant oder Acne Studios.

Der Preis für langlebige Cowboystiefel beginnt bei circa 200 Euro.

Prada kreiert für diesen Sommer eine interessante Mischung aus Cowboy-Boot und Stiefelette für den Mann. Auf dem Runway wurde sie mit Ledershorts kombiniert. Die sogenannten Leather Booties kosten 1350 Euro.

Prada kreiert für diesen Sommer eine interessante Mischung aus Cowboy-Boot und Stiefelette für den Mann. Auf dem Runway wurde sie mit Ledershorts kombiniert. Die sogenannten Leather Booties kosten 1350 Euro.Prada



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