Wichtigste Fragen und Antworten zum Probealarm


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Von: Jannis Gogolin

Der bundesweite Warntag 2022 stellt das deutsche Alarmnetz auf die Probe. Nur was genau ist vom Probealarm am Donnerstag zu erwarten? Und wie funktioniert der Ablauf im Ernstfall?

Berlin – Am Donnerstagvormittag wird es mancherorts in Deutschland sehr laut werden. An anderen Orten bleibt es voraussichtlich ganz still. Der bundesweite Probealarm soll Bund, Länder und Kommunen helfen herauszufinden, wo es noch Lücken im Warn-Netz gibt. Auch in Bayern werden daher am Donnerstag etwa Sirenen, Warn-Apps und Anzeigetafeln auf den Prüfstand gestellt.

Probealarm: Um wie viel Uhr ist der Warntag?

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) löst um 11 Uhr in ganz Deutschland einen Probealarm der höchsten Warnstufe 1 aus. Da es sich nur um einen Test handelt, müssen die Menschen, die diese Warnung empfangen, nichts tun. Um 11.45 Uhr kommt dann die Entwarnung.

Warntag in Deutschland: Wann wird im Ernstfall die Warnstufe 1 ausgelöst?

Mit der höchsten Warnstufe wird die Bevölkerung in einer bestimmten Region nur dann alarmiert, wenn akute Gefahr droht, etwa durch hochgiftiges Gas, das nach einem Unfall in einer Industrieanlage austritt, oder durch eine Sturmflut. Das Bundesamt empfiehlt für solche Notfälle, in der man überstürzt das Zuhause verlassen muss, eine Dokumenten-Mappe. Warnstufe 2 bedeutet, es droht eine ernste Gefahr, beispielsweise durch abbrechende Äste oder herumfliegende Dachschindeln bei einem sehr starken Sturm. Warnstufe 3 weist auf ein Ereignis hin, das den normalen Tagesablauf beeinträchtigen kann, wie etwa Glättegefahr.

Wie läuft der Warntag ab und wo überall taucht die Warn-Meldung auf?

Auf verschiedenen Kanälen: Die Warnungsmitteilung kommt über Radio und Fernsehen, über Warn-Apps wie NINA oder Katwarn. Sie wird auf Stadtinformationstafeln zu lesen sein. Zusätzlich werden Sirenen, Lautsprecherwagen, die Infosysteme der Deutschen Bahn und erstmals auch das Cell-Broadcast-Verfahren genutzt.

„Bei der Warnung der Bevölkerung setzt Bayern auf einen breiten Warnmittelmix“, teilte das Bayerische Innenministerium der Deutschen Presse-Agentur mit. Neue Technologien wie automatisierte Warnnachrichten über das Digitalradio DAB+ und Cell Broadcast ergänzten dabei bestehende Möglichkeiten. Zu den neuen Warnmethoden zählen auch Mitteilungen auf den digitalen Anzeigetafeln an U- und S-Bahnhöfen und an der Straße, wie die Münchner Feuerwehr mitteilte. „In Krisen ist Kommunikation extrem wichtig“, sagte Kreisverwaltungsreferentin Hanna Sammüller-Gradl.

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Warntag auch in Bayern: Wie funktioniert Cell Broadcast?

Dabei geht eine Benachrichtigung an jedes Handy, das zu diesem Zeitpunkt eingeschaltet ist, Empfang hat und mit einer aktuellen Software läuft. Das geschieht automatisch und ohne Anmeldung. Ohne die erforderlichen Updates oder bei älteren Modellen funktioniert Cell Broadcast allerdings nicht. Cell Broadcast hat den Vorteil, dass man gleichzeitig alle Handys ansteuern kann, deren Besitzer sich zum Zeitpunkt der Warnung in einer bestimmten Funkzelle aufhalten – und zwar, ohne dass die warnende Behörde dafür die Nummer und ihre Besitzer kennen muss. Wie focus.de berichtet, ertönt ein Warn-Ton auch, wenn das Handy auf lautlos geschaltet ist. In anderen EU-Staaten gibt es das System bereits, wie beispielsweise in Griechenland. Dort wird Cell Broadcast genutzt, etwa um die Bewohner einer Region vor einem Waldbrand zu warnen.

Warn-Meldung auf Mobiltelefon
Probealarm am 8. Dezember. ©  K. Schmitt/imago

Wer löst am Warntag den Probealarm aus?

Die Warnungen über die NINA-App, die Cell-Broadcast-Nachrichten und die Warnungen über die Signaltafeln in den Städten werden vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn direkt ausgelöst. Bei den Warnhinweisen, die über Radio, Fernsehsender und bei der Deutschen Bahn kommen, geht vom BBK jeweils eine Information an die Verantwortlichen dort, die dann selbst veranlassen, dass die Test-Warnung im Programm angesagt wird beziehungsweise als Mitteilung an die Fahrgäste geht.

Die Sirenen sollen zwar eines Tages auch direkt angeschlossen werden, sodass das BBK diese im Fall einer bundesweiten Gefahr selbst ansteuern könnte. Momentan ist es aber noch so, dass die Sirenen von der jeweiligen Leitstelle der Feuerwehr ausgelöst werden müssen. In Bayern wurden die Systeme zuletzt im Mai dieses Jahres getestet. „Der bayernweite Probealarm findet regelmäßig statt, um das Funktionieren der Technik sowie die Abläufe unter realen Bedingungen testen zu können“, sagte ein Sprecher des Innenministeriums.

Warntag – Was genau passiert im Ernstfall?

Das hängt davon ab, welches Gebiet betroffen ist und wovon die Gefahr ausgeht. Generell gilt: im Kriegsfall trägt das BBK in Abstimmung mit anderen Einrichtungen des Bundes die Verantwortung. Um den Katastrophenschutz in Friedenszeiten kümmern sich die Länder und Kommunen. In der baden-württembergischen Gemeinde Murr warnte die Leitstelle des Landkreises Ludwigsburg beispielsweise Ende November vor einer vorübergehenden Trinkwasserverschmutzung. Über die NINA-Warnapp wurde den Einwohnern empfohlen, das Wasser abzukochen. Die NINA-App haben rund 13 Millionen Menschen heruntergeladen. Wie viele Bürgerinnen und Bürger die App aber bis heute auf dem Smartphone haben und nutzen, ist nicht bekannt. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe rät außerdem zu persönlicher Vorsorge, so auch zu Nahrungsvorräten.

Wird in meiner Nachbarschaft eine Sirene heulen?

Vielleicht. Das hängt davon ab, ob es in der Nähe noch oder wieder eine funktionstüchtige Sirene gibt. Das BBK bemüht sich zwar, ein sogenanntes Warnmittelkataster zu erstellen – also eine Karte, auf der alle Sirenen und in Zukunft auch andere Warnmittel verzeichnet sind. Doch abgeschlossen ist dieser Prozess noch nicht. Bekannt ist aber, dass die Länder dem Bund, der die Installation und Reparatur von Sirenen finanziell fördert, bislang rund 35 000 Sirenen gemeldet haben. In Bayern ist nach Einschätzung des Bayerischen Landesfeuerwehrverbandes allerdings weiterer Förderungsbedarf vorhanden.

Probealarm auch in Bayern – Warum bundesweiter Warntag?

Die Verantwortlichen für den Bevölkerungsschutz wollen herausfinden, wie gut der Warn-Mix funktioniert, über den auf den verschiedenen Kanälen möglichst alle Menschen erreicht werden sollen. Präzise Warnungen seien wichtig, damit sich Menschen auch selbst schützen können, sagt BBK-Präsident Ralph Tiesler. Es gehe nicht darum, Panik zu verbreiten, sondern handlungsfähig zu bleiben. Dazu gehöre im Ernstfall auch, Nachbarn, Freunde und Verwandte zu informieren. Um dem Bedarf der bayerischen Gemeinden beim Ausbau und der Erneuerung von Sirenen gerecht zu werden, benötigt das Bundesprogramm nach Einschätzung des Bayerischen Landesfeuerwehrverbandes aber weitere Fördermittel. (dpa)



Quellenlink https://www.merkur.de/bayern/warntag-2022-sirenen-handy-stumm-lautlos-klingeln-bayern-katastrophenalarm-warnapps-91961729.html?cmp=defrss