Von verflixtem 7. Jahr kann keine Rede sein


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Post-Rock: Die Band „Besides“ aus Oswiecim spielte im Hof des Klosters Karmel.
Post-Rock: Die Band „Besides“ aus Oswiecim spielte im Hof des Klosters Karmel. © LRA

Seit sieben Jahren besteht die Partnerschaft der Landkreise Oswiecim und Dachau. Das wurde gemeinsam mit einer Delegation aus Polen gefeiert.

Dachau – Am heutigen 8. August jährt sich die Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages mit dem polnischen Landkreis Oswiecim/Auschwitz zum siebten Mal. Aus diesem Anlass besuchte Ende Juli Landrat Andrzej Skrzypinski Dachau zusammen mit einer Delegation aus dem Partnerlandkreis.

Neben Kreisräten waren unter anderem Andrzej Kacorzyk (stellvertretender Direktor der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau und gleichzeitig Leiter des Internationalen Bildungszentrums über Auschwitz und den Holocaust), Dorota Mleczko (Direktorin des neuen Museums zum Gedenken der Einwohner der Region Oswiecim) sowie Leszek Szuster (Partnerschaftsreferent im Kreistag Oswiecim) der Delegation an.

Landrat Stefan Löwl hatte sich laut eigenem Bekunden lange auf diesen Besuch gefreut. Bereits vor zwei Jahren wurde eine gemeinsame Jubiläumsfeier geplant, musste aber aufgrund der Pandemie verschoben werden. „Heute arbeiten wir enger denn je zusammen“, sagt Landrat Löwl. „Gemeinsame Projekte, viele Besuche, gegenseitiges Kennenlernen auf Augenhöhe und letztendlich Unterstützung in Krisensituationen haben unsere Freundschaft gefestigt. Eins ist dabei sicher: In unserer Partnerschaft kann vom ‚verflixten siebten Jahr’ keine Rede sein“.

Erinnerungsarbeit

Das Programm des dreitägigen Besuchs im Landkreis Dachau war sehr intensiv und hat mit der Teilnahme an der Vernissage „33 Jahre Künstlerfreundschaft Dachau-Oswiecim“ (wir haben berichtet) begonnen. Zu diesem Ereignis sind mit der offiziellen Delegation auch Künstler aus Oswiecim nach Dachau gekommen. Darunter Pawel Warchol, der – neben dem Dachauer Künstler Heiko Klohn – als ‚Vater’ dieses Austausches gilt. Wie bei jedem Besuch legten die Vertreter beider Partnerlandkreise gemeinsam einen Kranz in der KZ-Gedenkstätte Dachau nieder.

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„Die Erinnerungsarbeit spielt in unserer Partnerschaft eine ganz besondere Rolle“, betonte Landrat Skrzypinski. Mit Blick auf die aktuellen weltpolitischen Entwicklungen, aber auch vor erstarkenden nationalen und rassistischen Bewegungen, betonte er auch die Wichtigkeit der Botschaft „Nie wieder!“ in den heutigen Zeiten.

Um die Erinnerungsarbeit ging es auch während des Treffens mit Heimatforscherin Anna Andlauer. Die Gäste sind mit ihr den „Weg des Erinnerns“ in Markt Indersdorf gegangen und haben dabei viel über die jüngsten Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft im Landkreis Dachau erfahren.

Ziegelwerk besichtigt

Auf dem Besuchsprogramm der Delegation stand außerdem die Besichtigung des Ziegelwerks Hörl & Hartmann. Partnerschaftsbeauftragte Marese Hoffmann berichtet: „Im Februar habe ich virtuell an einer Konferenz in Oswiecim teilgenommen, die dem Klima- und Umweltschutz gewidmet wurde. In einem Vortrag habe ich unter anderem von den ‚best practices’ in unserem Landkreis berichtet. Es war mir deswegen so wichtig, unseren Freunden einen Betrieb zu zeigen, in dem die Nachhaltigkeit ein großes Thema darstellt und die Produktion seit über einem Jahrzehnt so ökologisch gestaltet ist, wie möglich“. Die Gäste zeigten sich von diesem Besuch sehr beeindruckt.

Der Landkreis Oswiecim und seine Gemeinden haben im Februar 2022 eine Vereinbarung unterzeichnet, die einen Beitrag zur Verbesserung der Umwelt leisten soll.

Schönbrunn besucht

Auch den Besuch im Franziskuswerk Schönbrunn fanden die Gäste sehr informativ. „Die Behindertenbetreuung und -versorgung steht bei unseren polnischen Nachbarn vor großen Herausforderungen; sowohl unter dem Ziel der Inklusion, aber auch wegen des inzwischen spürbaren Fachkräftemangels“, sagte Landrat Stefan Löwl, der gemeinsam mit Edward Piechulek, dem Leiter des Krankenhauses in Oswiecim, dann auch noch das Amperklinikum in Dachau besuchte und sich dort zusammen mit Klinikgeschäftsführer Marc Bernstädt sowie Chefarzt Hjalmar Hagedorn über die Entwicklungen und Herausforderungen im medizinischen Bereich in Deutschland und Polen austauschte.

Band aus Oswiecim

Die Krönung des diesjährigen Besuchs der Delegation aus Oswiecim zum 7. Jahrestag der Partnerschaft war zweifelsohne das Konzert der Post-Rock-Band „Besides“ im Hof des Klosters Karmel an der KZ-Gedenkstätte Dachau. Die Musiker kommen aus dem Landkreis Oswiecim und haben ihr Album „Bystanders“ präsentiert, das von Geschichten der Auschwitz-Häftlinge und dem Schicksal der Bevölkerung, die während des Zweiten Weltkriegs im Schatten des Lagers lebten, inspiriert wurde.

Dr. Bernadetta Czech-Sailer vom Büro des Landrats war begeistert von der Offenheit der Klosterschwestern gegenüber dem Projekt. „Die Idee, das Konzert im Kloster Karmel zu veranstalten, hatte Tobias Schneider vom Dachauer Kulturamt. Ich habe nach einem passenden und außergewöhnlichen Ort gesucht“, erzählt sie. Auch wenn es an diesem normalerweise ruhigen Ort an diesem Abend ungewöhnlich laut und rockig war, haben die Schwestern ihre Entscheidung nicht bereut: Dies sei der passende Ort und die richtige Kulisse für dieses ungewöhnliche Konzert gewesen, ließen sie verlauten.

Landrat Andrzej Skrzypinski sagte: „Es gibt viele Wege, die an die schreckliche Taten der NS-Zeit erinnern“. Ein Post-Rock-Konzert ist nur einer von ihnen.

dn



Quellenlink https://www.merkur.de/lokales/dachau/dachau-ort28553/dachau-oswiecim-karmel-kz-gedenkstaette-91711431.html