Von China bis nach Niedersachsen – ein Extremwanderer kommt heim | NDR.de – Nachrichten


Stand: 04.12.2023 10:55 Uhr

Mehr als 16.000 Kilometer zu Fuß, mit Kamera und Karre, durch 16 verschiedene Länder – von Peking nach Bad Nenndorf. Extremwanderer Christoph Rehage kommt nach jahrelanger Reise wieder nach Hause – nach Niedersachsen.

von Jan Bockemüller

Thüringen – kalt und winterlich. Extremwanderer Christoph Rehage steht mit langem vereisten Bart vor einem Schild, es zeigt die Trennlinie zwischen BRD und DDR. Nur noch ein paar Schritte und der 42-Jährige ist zurück in seiner Heimat, Niedersachsen. Der Gang an und über Grenzen ist seit Jahren Teil seiner Reise. Seit 2007 ist er mit Unterbrechungen unterwegs. Oft 20 bis 40 Kilometer am Tag. Rehage filmt sich dabei selbst und dokumentiert seine Erlebnisse. International bekannt wird er durch sein Buch und Internetvideo “The Longest Way”, dort beschreibt er den ersten Teil seiner Wanderung über 4.500 Kilometer durch China. Dieses Video wird vom Time Magazine auf Platz acht der Top 10 “Viral Videos 2009” gewählt. Die Einkünfte als Autor, seine Blogs und sein Online-Videotagebuch finanzieren die aktuelle Weiterreise nach Bad Nenndorf mit.

99 Prozent der Leute, die man trifft, sind nett”

Der 42-jährige Wanderer lernt, wie er berichtet, viele Menschen und Kulturen kennen. “99 Prozent der Leute wollten nett sein, also die hatten das ehrliche Bedürfnis, nett zu sein”, sagt Rehage, aber erzählt im gleichen Atemzug auch von den anderen ein Prozent: Unangenehme Grenzkontrollen, unfreundliche Geheimpolizisten oder einem versuchten Raubüberfall, bei dem er mit einem Gewehr bedroht wird. An einem Morgen in Kasachstan hält neben ihm ein Auto, vier Männer fragen ihn, was er hier wolle, danach fordern sie seine Uhr. Er gibt sich als Tourist aus, stellt sich dumm. Am Ende lassen sie von ihm ab und fahren davon, wie Rehage erzählt.

800.000 Follower – Einer der bekanntesten Deutschen in China?

Christoph Rehage studiert in München und Peking, spricht fließend Chinesisch. In China lebt er einige Jahre, ist lange wohl einer der bekanntesten Deutschen dort. 800.000 Menschen folgen ihm auf dem chinesischen “X”- Pendant “Weibo” bis 2015, da wird sein Account gelöscht. Er hatte sich kritisch geäußert und fiel der Zensur zum Opfer, so Rehage. Mittlerweile können viele seiner chinesischen Follower seinen Content nur mit technischen Umwegen erreichen.

Länger als erwartet – Zwischenstopp in Georgien

Sein gesamter Trip von Peking nach Bad Nenndorf ist zweigeteilt. Von 2007 bis 2008 durchquert er zu Fuß China. 2016 setzt er die Reise nach Bad Nenndorf fort. Gut sieben Jahre dauert es, bis er wieder in heimischen Gefilden ankommt. Grund dafür ist vor allem die Corona Pandemie, denn währenddessen lebt er anderthalb Jahre in Georgien. Rehage nimmt sich dort eine kleine Wohnung, pflegt seine Blogs und kümmert sich um Straßenkatzen. Die letzte Unterbrechung folgt dann in diesem Sommer in München. Seine Gepäckkarre, liebevoll Kabutze getauft, wird wohl von einem Hausmeister entsorgt. Erst nach mehreren Tagen Suche taucht sie wieder auf – zersägt in einem Schuppen. Rehage sagt, er hege keinen Groll. Gemeinsam haben sie die Karre wieder zusammengeschweißt. Was der Hausmeister damit vor hatte, wisse er aber nicht.

Seine Mission – seine Bürde

Doch warum geht man mehr als 16.000 Kilometer von China nach Deutschland? “Um etwas zu erleben”, ist Rehages Antwort. Er wolle im Alter was zu erzählen haben. Seine Reise nennt er Mission, eine Mission, die er sich selbst gegeben hat. “Einfach seinen Weg gehen” klingt nach Freiheit, diesen Weg aber auch zu schaffen, wird über die Jahre zu seiner Bürde. “Ich glaube zu behaupten, ich laufe jetzt von China nach Hause, das ist einmal ganz witzig, aber das ist nicht gesund auf Dauer, wenn man alle Sachen dieser einen anderen Sache unterordnet, das möchte ich nicht mehr. Ich möchte gerne frei sein, ich würde gerne so etwas sagen wie ‘Ich fahre mal nach Malawi, da gucke ich mir das mal an und dann laufe ich hier ein bisschen rum, aber ich bin dabei frei, nicht mehr auf Mission’.” Trotzdem hat er bis hier hin durchgehalten – und ist stolz.

Nach Bad Nenndorf ist es nicht mehr weit – Weihnachten will er zu Hause sein.

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