Verteidigungsministerin in der Ukraine: Lambrechts erster Besuch seit Kriegsbeginn


Stand: 01.10.2022 22:27 Uhr

Es war der erste Besuch von Lambrecht in der Ukraine seit Kriegsbeginn. Dabei kündigte die Verteidigungsministerin eine schnelle Lieferung von Luftabwehrsystemen an. Bei Panzern gebe es keine deutschen Alleingänge, betonte sie in den tagesthemen.

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht ist zum ersten Mal seit Kriegsbeginn in die Ukraine gereist. In der Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer wurde die SPD-Politikerin von ihrem ukrainischen Amtskollegen Olexij Resnikow empfangen. Lambrecht sagte die Lieferung einer ersten Einheit des bereits versprochenen bodengestützten Luftabwehrsystems Iris-T SLM innerhalb weniger Tage zu. Selbst die Bundeswehr verfügt noch nicht über das hochmoderne System.

Kurz vor dem zunächst aus Sicherheitsgründen geheim gehaltenen Besuch schlugen in Odessa nach ukrainischen Angaben in einem Industriegebiet zwei russische Iskanderraketen ein. Verletzt wurde niemand. Am Nachmittag musste Lambrecht selbst wegen eines Luftalarms zeitweise in einen Bunker.

Besuch bei Flugabwehrpanzern in Odessa

Die Ministerin informierte sich im Hafen von Odessa über den Einsatz eines von der Bundesregierung zur Verfügung gestellten Flugabwehrpanzers vom Typ Gepard. Deutschland hat dem von Russland angegriffenen Land insgesamt 30 dieser Panzer inklusive etwa 6000 Schuss Munition geliefert.

Das System helfe beim Schutz der “kritischen Infrastruktur”, bei der Abwehr von russischen Luftangriffen, sagte Lambrecht im Getreidehafen. Von dort wird das ukrainische Getreide übers Schwarze Meer in die Welt exportiert, nachdem die Lieferungen lange von Russland blockiert worden waren. Lambrecht sprach auch mit der in Deutschland ausgebildeten Gepard-Mannschaft.

Besuch in Mykolajiw aus Sicherheitsgründen abgesagt

Ein geplanter Besuch in der rund 40 Kilometer von der Front gelegenen Stadt Mykolajiw musste aus Sicherheitsgründen wegen drohender russischer Raketen- und Artillerie-Angriffe abgesagt werden. In dem Gebiet wollte Lambrecht ursprünglich zusammen mit Resnikow ebenfalls Waffenstellungen, Ausbildungseinrichtungen und Aktivitäten zur Minenräumung besichtigen.

Die SPD-Politikerin sagte, die Situation mache deutlich, wie wichtig die rasche Lieferung einer ersten Einheit des bodengestützten Luftabwehrsystems Iris-T SLM sei. Lambrecht sprach von einer Lieferung in ein paar Tagen und lobte die ukrainische Mannschaft des Systems, die sie bei der Ausbildung in Deutschland getroffen habe. “Die Ukraine erlebt zurzeit unfassbar viele Luftangriffe, und deswegen ist es so wichtig, dass wir in Bezug auf Luftverteidigung noch mehr unterstützen”, sagte die Ministerin.

“Luftverteidigung steht im Vordergrund”

Im Interview mit den tagesthemen sagte Lambrecht, sie habe live erlebt, “wie mit Drohnen die Bevölkerung gequält wird”. Das Gespräch mit der Ministerin war am Abend in einer Schalte aus der Ukraine aufgezeichnet worden. Zur Frage der Panzerlieferungen bekräftigte Lambrecht die deutsche Linie, nach der es keine deutschen Alleingänge geben wird. “Nach den Eindrücken, die ich heute gewonnen habe, steht jetzt die Luftverteidigung im Vordergrund sowie die Artillerie.”

Die Ukraine fordert von westlichen Staaten wie Deutschland auch Kampfpanzer wie den modernen Leopard-2 und Schützenpanzer. Solche Panzer könnten der Ukraine bei Vorstößen und der Rückeroberung von Gebieten nützen. Bisher hat aber kein NATO-Land Kampfpanzer westlicher Bauart geliefert.



Quellenlink https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-lambrecht-101.html