Unfall wegen Sekundenschlaf – Richter verurteilt Fahrer zu Geldstrafe


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Nahaufnahme von einem Richterhammer als Symbolbild für ein Gerichtsurteil
Ist ein Mann kurz eingenickt oder hat er nur genießt, und dann auf der Autobahn bei Odelzhausen einen Unfall gebaut? Diese Frage musste Richter Lorenz in einer Verhandlung am Dachauer Amtsgericht klären. (Symbolfoto).jpg © IMAGO / U. J. Alexander

Ist ein Mann kurz eingenickt oder hat er nur genießt, und dann auf der Autobahn bei Odelzhausen einen Unfall gebaut? Diese Frage musste Richter Lorenz in einer Verhandlung am Dachauer Amtsgericht klären.

Dachau – Ist ein Mann kurz eingenickt oder hat er nur genießt, und dann auf der Autobahn bei Odelzhausen einen Unfall gebaut? Diese Frage musste Richter Lorenz in einer Verhandlung am Dachauer Amtsgericht klären.

Außer Frage stand, was am 7. Dezember im vergangenen Jahr auf dem Weg in die Arbeit auf der Autobahn passierte: Der Augsburger (31) kam auf der A8 von der mittleren Spur ab und fuhr einer Augsburgerin, die auf der rechten Spur unterwegs war, in die Seite. Schaden: rund 5000 Euro netto, beide Autos waren noch fahrbereit, verletzt wurde niemand.

Unklar war allerdings, wie es zu dem Unfall kam. Denn: Der Mann erzählte an diesem Dezembermorgen dem Polizisten, der den Unfall aufnahm, zwei unterschiedliche Versionen. Zuerst sagte er sinngemäß, es sei möglich, dass er kurz eingeschlafen sei. Erst als der Polizist ihn belehrte, lautete die Version des Augsburgers: Er sei krank, habe genießt und dann das Steuer verrissen. So erinnerte sich der Polizist in der Verhandlung. Der Angeklagte selbst blieb während der Verhandlung bei der zweiten Version der Geschichte. Genießt, Steuer verrissen, Unfall.

Ist der Mann kurz eingenickt oder hat er nur genießt

Die Frau, die damals im anderen Auto saß, erinnert sich noch genau an den Zustand des Angeklagten nach dem Unfall: „Der Arme war völlig durch den Wind. Der stand völlig neben sich. Ich musste ihn an Warndreieck und Warnweste erinnern. Er stand dermaßen neben sich, dass ich die Polizisten bat, einen Drogen- und Alkoholtest bei ihm zu machen.“ Das passierte damals allerdings nicht. „Die Polizistin sagte mir, das sei nicht nötig, da der Mann bereits gesagt habe, er sei wohl eingeschlafen.“ Und wegen dieser Aussage hatte der Polizist damals das Verfahren eingeleitet.

Der Arme war völlig durch den Wind. Der stand völlig neben sich.

Beide, die Augsburgerin wie der Polizist, der den Mann damals auf der Autobahn vernommen hatte, bestätigten in der Verhandlung, dass der Unfallfahrer einen sehr erkälteten Eindruck gemacht habe. Trotzdem muss ihn der Polizist damals für fahrtüchtig gehalten haben, denn: Er lies den Mann nach dem Unfall weiter zur Arbeit nach München fahren.

Verteidiger fordert Freispruch

Für den Staatsanwalt war die Sache klar: Die erste Version der Geschichte sei richtig. „Das andere ist jetzt eine Schutzbehauptung.“ Die Schadensbilder würden zeigen: Er sei der Frau nicht ruckartig in die Seite gefahren, sondern eher langsam am Auto entlanggeschliffen – also „nicht so, wie wenn man den Lenker verreist“. Zu einer Geldstrafe halte er „ein Fahrverbot für drei Monate dringend erforderlich“.

Der Verteidiger, der einen Freispruch für seinen Mandanten forderte, sah die Sache völlig anders: „Der Staatsanwalt sollte sich keine Schadensbildanalyse anmaßen.“ Die Zeugin beschrieb den Unfall mit dem Wort ‘Schlag’, er selbst sehe auf den Fotos: „eine Spaltmaßveränderung“. Zudem habe der Polizist den Mann ja bedenkenlos weiterfahren lassen. „Wir haben nur leichte Indizien und aufgrund dessen kann man den Mann nicht verurteilen.“

Richter verurteilt Unfallfahrer zu Geldstrafe

Dem widersprach Richter Stefan Lorenz allerdings vehement. Er verurteilte den Mann wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung zu einer Geldstrafe in Höhe von 4250 Euro und verhängte einen Monat Fahrverbot. „Es gibt genügend Anhaltspunkte, die zeigen, dass Sie nicht mehr fit genug waren, ein Fahrzeug zu führen“, erklärte er dem Angeklagten. Für ihn deute alles darauf hin, dass der Mann eingenickt sei. Das Schadensbild, und „dass Sie sich selber hingehängt haben mit der Aussage über den Sekundenschlaf“. Auch wenn er den Mann grundsätzlich für einen „vernünftigen und verantwortungsbewussten Menschen“ hält, der jeden Tag seine Mutter in die Arbeit fährt, müsse ein „Denkzettel dennoch sein“, deshalb das Fahrverbot.



Quellenlink https://www.merkur.de/lokales/dachau/dachau-ort28553/unfall-sekundenschlaf-gerichtsverhandlung-geldstrafe-urteil-92513751.html