Ukrainische Elite-Brigade beteiligt? Video zeigt seltenes Panzergefecht



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Bei X (vormals Twitter) kursiert ein Video zu einem Panzerduell aus der Ukraine. Ein russischer Panzer muss sich zurückziehen. Die Lage ist für die ukrainischen Verteidiger dennoch ernst.

Awdijiwka – Die Situation für die Armee der Ukraine ist bei Awdijiwka im Donbass außerordentlich schwierig. Seit Wochen rennen die Truppen von Russland-Autokrat Wladimir Putin gegen die Verteidiger an und erleiden dabei immense Verluste. Dennoch droht den Verbänden der ukrainischen Streitkräfte hier eine Einkesselung.

Ukraine-Krieg: Drohnen-Video von Panzerduell bei Awdijiwka aufgetaucht

„Sie greifen die ganze Zeit an. Wir verlieren sehr viele Soldaten. Man hat keine Kraft mehr, gegen sie zu kämpfen. Sie beschießen uns mit Artillerie und mit Drohnen“, schilderte ein verwundeter ukrainischer Soldat dem ZDF bei seiner Behandlung hinter den Frontlinien. Laut Institute for the Study of War (ISW) konnten die Russen Anfang Dezember südöstlich der Kleinstadt mit vormals 32.000 Einwohnern kleine Fortschritte erzielen, während sich die Schlinge aus nordwestlicher Richtung bereits zuzieht.

Von genau dort soll ein Drohnen-Video stammen, das dieser Tage bei X (früher Twitter) kursiert. Es zeigt eines der seltenen direkten Panzerduelle im Ukraine-Krieg.

Demnach begegneten sich bei der Siedlung Stepowe ein ukrainischer T-64-Panzer und ein russischer T-72B3 auf offenem Gelände, dazwischen nur eine Baumreihe. Genau hier, rund vier Kilometer nordwestlich von Awdijiwka, versuchen die russischen Angreifer derzeit, in den Rücken der ukrainischen Truppen zu kommen. Nicht nur in diesem Fall gelang ihnen das aber offenbar nicht. Das US-amerikanische Nachrichtenmagazin Forbes mutmaßt, dass bei dieser Konfrontation womöglich die 1. Gardepanzerbrigade der Ukraine beteiligt war. Diese verfüge über die entsprechenden aufbereiteten T-64BV-Panzer.

Awdijiwka im Donbass: Panzer-Duell zwischen ukrainischem T-64 und russischem T-72

Unter anderem Rob Lee, ein Analyst am amerikanischen Foreign Policy Research Institute (FPRI), teilte das Video auf seinem X-Account. Zu sehen ist, wie der ukrainische Panzer sofort das Feuer eröffnete. Der russische Panzer hielt sich demnach hinter Häuser-Ruinen versteckt. Der ukrainische Panzer verfehlte den russischen Panzer wiederholt, der offenbar eine Art Käfig auf dem Turm aufmontiert hatte – zum Schutz gegen Kamikaze-Drohnen der Ukrainer.

Als der russische Panzer sich eine Baumreihe weiter nach hinten zurückzog, attackierten die Ukrainer das Gefährt wohl mit einer ebensolchen Drohne. Zwar konnte der Panzer weiterfahren, er zog nach einem Treffer (wohl auf den Turm) aber eine enorme Rauchwolke hinter sich her. Was auf dem Video weiter auffällt, ist für die ukrainischen Verteidiger dagegen eher besorgniserregend. So kam der offensichtlich beschädigte Panzer bei mehreren anderen russischen Militärfahrzeugen zum Stehen, unter anderem bei einem Radpanzer. Der ukrainische Kampfpanzer, der den Angreifer in die Flucht geschlagen hatte, war – zumindest auf dem Video – dagegen allein auf weiter Flur.

Awdijiwka

Awdijiwka ist eine Kleinstadt mit vormals 32.000 Einwohnern in der Oblast Donezk im Osten der Ukraine. Die einstige Industriestadt liegt knapp 15 Kilometer nördlich des Stadtzentrums der Großstadt Donezk (rund 920.000 Einwohner). Sie war für ihre Kokerei zur Herstellung von Koks und Rohgas aus Kohle bekannt. Im März wurde Awdijiwka durch russische Angriffe weitgehend zerstört, nachdem sie bereits seit 2014 immer wieder Ort des militärischen Konflikts im Donbass war – so auch im Herbst und Winter 2023 wieder.

Verschiedenen Berichten zufolge könnte es die Kräfteverhältnisse an Soldaten und Material an diesem Frontabschnitt abbilden. Es sei ein Punkt erreicht, „an dem große Teile der ukrainischen Truppen durchaus erschöpft sind. Die Möglichkeit der Rotation ist kaum gegeben, tageweise sind Truppenteile nur bis zu 60 Prozent befüllt. Das ist eine irrsinnig große Belastung“, erklärte Militärexperte Prof. Carlo Masala von der Universität der Bundeswehr München zuletzt im „heute journal“ des ZDF. Nicht nur hier ist der Druck enorm.

Ukraine-Krieg: Druck auf Verteidiger ist am Dnipro und bei Awdijiwka enorm

Denn: Ein ukrainischer Soldat erzählte von fehlendem Nachschub und mangelhafter Ausrüstung im Süden des Landes in der ebenfalls heftig umkämpften Region Cherson. „Hier sollten mehrere Brigaden stationiert werden, nicht einzelne Kompanien – wir haben einfach nicht genug Männer“, erklärte der Soldat der BBC zur Lage im südlichen Delta des riesigen Flusses Dnipro: „Wir haben einen Großteil unserer Ausrüstung selbst bezahlt – Generatoren, Powerbanks und warme Kleidung gekauft. Jetzt, wo der Frost kommt, wird es nur noch schlimmer – die wahre Situation wird vertuscht.“ Aus Awdijiwka ist diese dagegen sogar auf Drohnen-Aufnahmen zu sehen. (pm)



Quellenlink https://www.merkur.de/politik/panzer-verluste-awdijiwka-russische-armee-ukrainische-brigade-donbass-ukraine-video-zr-92717665.html