Trügerischer Blitzstart


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Von: Frank Hellmann

Erneut Dortmunder Matchwinner: Giovanni Reyna (li.) gegen den Mainzer Aymen Barkok.
Erneut Dortmunder Matchwinner: Giovanni Reyna (li.) gegen den Mainzer Aymen Barkok. © IMAGO/HMB-Media

Mainz 05 kassiert am Ende noch eine unglückliche 1:2-Niederlage gegen Dortmund.

Es war für Bo Svensson schwer zu ertragen, was der empathische Fußballlehrer in der Nachspielzeit sah. Mag Fußball-Deutschland ja Sebastien Haller jedes Erfolgserlebnis nach seiner überstandenen Hodenkrebserkrankung gönnen, konnte der Trainer des FSV Mainz 05 natürlich über dessen erstes Erfolgserlebnis im Dress von Borussia Dortmund nicht mitjubeln.

Nach einem trügerischen Blitzstart, bei dem die Tore von Jae-Sung Lee (2.) und Julian Ryerson (4.) lange vergebliche Hoffnung auf gute Abendunterhaltung weckten, hatte Dortmund dank seines eingewechselten Mittelstürmers das bessere Ende für sich: Haller köpfte nach Ecke von Julian Brandt auf den langen Pfosten, wo der ebenfalls eingewechselte Giovanni Reyna die Kugel zum 2:1-Siegtreffer für die glücklichen Gäste über die Linie drückte (90.+2).

„Das ist sicherlich maximal unglücklich für uns – und maximal unverdient“, urteilte der Mainzer Sportdirektor Martin Schmidt, „für unser Team ist das hart.“ Der Schweizer empfahl der Mannschaft, „mit ein, zwei Tagen Abstand auch das Positive mitzunehmen.“ Er verschwieg aber nicht, dass die Heimelf speziell erste Hälfte viel zu vorsichtig gespielt habe, „wichtig ist jetzt, dass die Brust draußen bleibt.“ Mit der Halbzeitbilanz von 20 Punkten sei ein Minimalziel erreicht, um die 40 Punkte zu ergattern. Im Heimspiel gegen den VfL Bochum am Samstag sei jetzt aber „verlieren verboten“ – sonst sind die Rheinhessen schneller im Abstiegskampf verwickelt als ihnen lieb ist.

Der BVB konnte das Happy End kaum fassen: „Das sind die emotionalsten Siege“, sagte Julian Brandt, der explizit die Alternative Haller lobte. Der wuchtige Angreifer war gemeinsam mit Reyna und Jamie Bynoe-Gittens als dreifache Dortmunder Powerbank nach 63 Minuten gekommen, um diese verfahrene Partie noch zu retten. Letztlich ging der entscheidende Schachzug von BVB-Trainer Edin Terzic auf. „Wir merken momentan, dass wir uns die Siege 90 plus X verdienen müssen. Ich finde es herausragend, dass wir uns spät für harte Arbeit belohnen, auch wenn es nicht immer schön aussieht“, erklärte Brand.

Kaum waren die üblichen Karnevalslieder zum Aufwärmen gesungen, legten beide Teams einen sehr stimmungsvollen Beginn hin. Die erste Ecke genügte den Nullfünfern, um durch ihren gewöhnlich nur für seine feine Ballbehandlung geschätzten Mittelfeldmann Lee das 1:0 zu köpfeln. Svensson hätte vermutlich in den kühnsten Träumen nicht gedacht, dass der mit 1,81 Metern wahrlich nicht sonderlich große Südkoreaner die Dortmunder Anfälligkeit bei Standardsituationen nach nicht einmal zwei Minuten offenlegen würde.

Der ihm in dieser Szene zugeteilte Julian Ryerson bemühte sich allerdings erfolgreich schon im Gegenzug um Wiedergutmachung: Der gerade erst von Union Berlin verpflichtete Rechtsverteidiger zog nach einem beherzten Sololauf vor der Strafraumgrenze mit seinem linken Fuß ab und hatte Glück, dass Edimilson Fernandes die Kugel unerreichbar für den Mainzer Ersatzkeeper Finn Dahmen abfälschte. Nach vier Minuten war also der Endstand bereits besiegelt, was allerdings 31 500 Zuschauende in der nicht ausverkauften Arena am Europakreisel ja nicht ahnen konnten.

In der Folgezeit war der BVB weiter am Drücker, der jedoch durch Youssoufa Moukoko (8.), den die Kapitänsbinde tragenden Niklas Süle (9.) und auch Donyell Malen (38.) jeweils am sicheren U-21-Europameister Dahmen scheiterten. Die gegen den Ball gut organisierten Mainzer lauerten ausschließlich auf Umschaltaktionen, die sie allerdings viel zu unsauber ausspielten. So sank der Unterhaltungswert dieser Begegnung zeitweise fast auf die Außentemperaturen ab.



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