Tesla erzielt 2022 Rekordgewinn von 12,6 Milliarden Dollar



New York Tesla hat 2022 so viel verdient wie nie zuvor in einem Geschäftsjahr. Der Elektroautobauer von Elon Musk steigerte den Gewinn gegenüber dem Vorjahr um 128 Prozent auf 12,6 Milliarden Dollar (11,5 Milliarden Euro). Das teilte Tesla am Mittwochabend (Ortszeit) mit. Die Umsätze wuchsen um 51 Prozent auf 81,5 Milliarden Dollar.

Tesla will die Produktion 2023 „so schnell wie möglich ausbauen“ und plant weiter, Jahr für Jahr 50 Prozent mehr Autos auszuliefern. Gewinn und Umsätze im Schlussquartal (3,7 und 24,3 Milliarden Dollar) blieben dennoch leicht unter den Erwartungen der Wall Street.

2022 hat Tesla sein 50-Prozent-Wachstumsziel verfehlt. Der Konzern hat rund 1,3 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert, eine Steigerung von 40 Prozent. Seitdem geht an der Wall Street die Sorge um, dass Tesla nach Jahren stürmischen Wachstums an eine Obergrenze stößt. Die jüngsten Preissenkungen hatten die Sorge angeheizt, dass die Nachfrage nach Tesla-Autos schwinden könnte.

An der Börse verlor Tesla im vergangenen Jahr rund 675 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung. Der Kurs brach um 65 Prozent ein – ein Negativrekord. Seit dem Jahreswechsel erholt sich die Aktie jedoch etwas und stieg seitdem um ein Drittel. Auch auf die neuesten Zahlen reagierten die Anleger am Mittwoch vorsichtig positiv: Die Aktie legte nachbörslich rund ein Prozent zu.

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„2022 war ein fantastisches Jahr für Tesla“, erklärte Musk in der Analystenkonferenz. Man habe eine operative Rendite von knapp 17 Prozent erzielt, mehr als jeder andere Autobauer. Das sei ein großartiges Ergebnis – insbesondere vor dem Hintergrund mehrerer Lockdowns in China, der hohen Inflation, Konjunktursorgen und Lieferkettenproblemen.

Unsicheres wirtschaftliches Umfeld

Der Sorge, dass die Nachfrage nach Teslas Autos insbesondere in China einbrechen könnte, trat Musk entgegen: Die Nachfrage übersteige die Produktion um den Faktor zwei, erklärte er.

Zugleich räumte Tesla ein, dass das unsichere wirtschaftliche Umfeld den Konzern umtreibe: „Kurzfristig beschleunigen wir unseren Plan zur Kostensenkung und streben höhere Produktionsraten an.“ Musk betonte, man erwarte ein Schrumpfen des Automarkts in 2023, fühle sich aber für eine Rezession gewappnet – auch dank eines Cash-Bestands von 20 Milliarden Dollar.

In den vergangenen Wochen hatte Tesla versucht, die Nachfrage anzukurbeln, indem es die Preise seiner Fahrzeuge um bis zu 20 Prozent senkte. Dies geschah auch, um in den Genuss der neuen Subventionen aus den Klimapaketen von US-Präsident Joe Biden zu kommen. Musk betonte am Mittwochabend, bei den Preissenkungen gehe es zudem um die „Erschwinglichkeit“ der eigenen Fahrzeuge für breite Käuferschichten.

Beim Produktionshochlauf an den neuen Standorten in Berlin und Austin, wo es 2022 deutlich hakte, meldete Musk Fortschritte. An beiden Standorten seien die Produktionskosten deutlich gesunken. Auch bei der Herstellung von Batterien sei Tesla zugelegt.

Unkonkrete Aussagen zu Problemthemen

Zu den drei größten Baustellen des Konzerns äußerte sich Musk vergleichsweise kurz. Beim Thema Autopilot erklärte er, 400.000 Kunden nutzten „Full-Self Driving Beta“, die am weitesten entwickelte Version. 100 Millionen Meilen seien hiermit bereits gefahren worden. Kunden bekämen das umfangreichste Autopilot-System auf dem Markt. Auch die Zahlen der Sicherheitsstatistiken seien „exzellent“, so Musk.

Zuletzt hatten zahlreiche Unfälle im Zusammenhang mit der Nutzung des Tesla-Autopiloten Schlagzeilen gemacht. Die US-Verkehrsaufsicht NHTSA und andere Behörden nehmen das System kritisch unter die Lupe.

Wichtig für Teslas Zukunft ist der Start des Cybertrucks, des Pick-ups, der das beliebteste Autosegment der Amerikaner besetzen soll. 2019 vorgestellt, verzögert sich der Marktstart weiter. Zuletzt war der Produktionsbeginn für Ende 2023 erwartet worden. In der Telefonkonferenz räumte Musk ein, dass der Truck auch 2023 noch keine Bedeutung für Tesla erlangen werde, – „aber nächstes Jahr.“ Der Cybertruck sei ein „unglaubliches Produkt“, so Musk. „Ich werde den Cybertruck jeden Tag fahren.“

Aus Anlegersicht ist das erneute Vertrösten Musks auf 2024 eine Hiobsbotschaft. Ford meldet mit seinem Elektro-Pick-up Lightning seit einem Jahr regelmäßig Absatzrekorde. Auch der Silverado von GM ist heiß begehrt. Zum Jahresbeginn hat schließlich auch die Nummer drei der Traditionshersteller, Stellantis, eine Elektroversion seines RAM-Pick-ups vorgestellt.

Thema waren auch Musks Eskapaden rund um die umstrittene Übernahme des Kurznachrichtendienste Twitter. „Twitter ist unglaublich machtvoll, um die Nachfrage anzuheizen“, verteidigte sich Musk. Der Nettonutzen von Twitter sei gigantisch, sagte er, ohne weiter in die Tiefe zu gehen.

Die Führung von Twitter frisst seit Herbst 2022 einen großen Teil von Musks Zeit. Auch die Tesla-Aktienverkäufe zur Finanzierung der rund 44 Milliarden Dollar teuren Deals waren Anlegern sauer aufgestoßen.

Tesla als „wertvollstes Unternehmen der Welt“

Tesla arbeitet weiter unter Hochdruck daran, den Elektro-Truck Semi auszuliefern. Am 1. Dezember hatte man den ersten Tesla Semi an PepsiCo übergeben. Der US-Lebensmittelriese hatte 2017 bei Tesla 100 E-Lkw bestellt.

Tesla werde in Zukunft wieder „das wertvollste Unternehmen der Welt“ sein, versprach Musk. Der Konzern sei mindestens so sehr eine Software- wie eine Hardware-Unternehmung. „Wir kommen dem Ziel immer näher, den Einsatz künstlicher Intelligenz für die reale Welt zu meistern.“

Tesla strebt an, 2030 rund 20 Millionen Fahrzeuge zu verkaufen, eine Zahl, die den Konzern zum mit Abstand größten Autohersteller machen würde. In der Branche wird bezweifelt, dass dieses Ziel umsetzbar ist. Toyota und Volkswagen kommen aktuell auf eine Jahresproduktion von zehn Millionen Fahrzeugen – und das in jeweils mehreren Dutzenden Fabriken rund um den Globus. Tesla würde laut Musk für die Erreichung des Ziels ein Dutzend Fabriken benötigen.

Erst am Dienstag hatte der Milliardär angekündigt, mehr als 3,6 Milliarden Dollar in zwei neue Gigafabriken in Nevada zu investieren. Dort sollen Elektro-Lkw und Batterien produziert werden.

Im Ton gedämpft, gab sich Musk für die Zukunft am Mittwochabend weiter optimistisch. In wenigen Jahren werde wahrscheinlich ein chinesischer Wettbewerber der zweitgrößte Autohersteller der Welt sein – angeblich nach Tesla.

Mehr: Musk verteidigt Tweets in Prozess zu Anlegerklage



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