Soma Pysall über Berlin: „Ich liebe den Wedding“


Elf Fragen über Berlin, diesmal mit der Schauspielerin Soma Pysall, die lieber einen großen Bogen um die Shopping-Hotspots der Stadt macht.

Lebt in dem Stadtteil, in dem auch ihre Serie spielt: Soma Pysall.

Lebt in dem Stadtteil, in dem auch ihre Serie spielt: Soma Pysall.Warner Bros./Christoph Assmann

Berlin hat rund 3,7 Millionen Einwohner, und jeder hat seinen eigenen Blick auf die Stadt. Was macht Berlin aus, wieso lebt man hier – und tut man es überhaupt gern? In unserer Rubrik „Fragebogen Berlin“ fragen wir bekannte Hauptstädterinnen und Hauptstädter nach ihren Lieblingsorten und nach Plätzen, die sie lieber meiden. Sie verraten, wo sie gern essen, einkaufen oder spazieren gehen. Aber auch, was sie an Berlin nervt und was man hier auf keinen Fall tun sollte.

Diesmal hat die Schauspielerin Soma Pysall unsere Fragen beantwortet. Sie ist gerade auf Backpacking-Tour in Indien, aber bevor sie zurückkommt, hat sich die 27-Jährige für uns ein paar Gedanken gemacht über ihre Heimatstadt, die sie auch 6000 Kilometer entfernt nicht loslässt. Pysall ist ab dem 17. April wieder als Hajra in der zweiten Staffel von „Para – Wir sind King“ zu sehen. Für diese Rolle erhielt sie 2021 den New Faces Award als beste Nachwuchsschauspielerin. Die Serie spielt in Wedding – dort kennt sich Soma Pysall bestens aus. Schließlich lebt sie selbst in dem Stadtteil, bei dem es schon längst nicht mehr darum geht, ob er nun kommt oder nicht. Für Soma Pysall jedenfalls steht fest: In Wedding gibt es alles, was man zum Glücklichsein braucht.

1.      Frau Pysall, seit wann sind Sie schon in der Stadt?

Schon imma! Ich bin in Berlin groß geworden.

2.      Welcher ist Ihr Lieblingsort in Berlin?

Das Schöne an Mama Berlin ist, dass sie für jeden Anlass eine Facette zu bieten hat. Obwohl, eigentlich funktioniert es eher anders herum: Die Stimmung der Leute gibt den Vibe vor und der Ort passt sich an. Ich habe schon unglaublich schöne Abende an einer Bordsteinkante irgendwo im Nirgendwo erlebt, in der S-Bahn oder vor einem Späti. Mit den richtigen Leuten wird’s überall schön!

3.      Wo zieht es Sie hin, wenn Sie entspannen wollen?

An die Krumme Lanke. Ich bin gern im Grünen und in der Nähe vom Wasser.

4.      Welche Ecken der Stadt meiden Sie?

Eigentlich alle größeren Shopping-Hotspots, an denen die Menschen im Kaufrausch mit großen Tüten und To-go-Coffees beladen sind. Potsdamer Platz, Mall of Berlin, Kudamm, Alexanderplatz und so weiter. 

5.      Ihr ultimativer Gastro-Geheimtipp? 

Café Mugrabi am Görlitzer Park. Ich nehme gern einen großen Umweg auf mich, nur um dort zum Mittag einen Teller cremigen Hummus zu löffeln. Für gutes Essen ist mir kein Weg zu weit. Hast du dich in Berlin erstmal ans Fahrradfahren gewöhnt, vergeht eine halbe bis Dreiviertelstunde wie im Flug und macht sogar richtig Laune. Es gibt so viel zu sehen und zu riechen – besser als Kino!

Infobox image

Frank Molter/dpa

Zur Person

Soma Pysall bekam 2012 ihre erste Hauptrolle in der internationalen Jugendserie „In Your Dreams“. Die Berlinerin studierte Film- und Theaterwissenschaft an der Freien Universität und sammelte auch hinter der Kamera Erfahrungen in Produktionsgewerken wie Aufnahmeleitung, Szenenbild und Regieassistenz. Besondere Aufmerksamkeit erregte sie 2020 mit ihrer Rolle im „Tatort“-Fernsehfilm „Borowski und der Fluch der weißen Möwe“.

2021 erhielt sie für die erste Staffel „Para – Wir sind King“ den New Faces Award, im Jahr darauf den Bayerischen Fernsehpreis als beste Schauspielerin. Ab dem 17. April ist die 27-Jährige in der zweiten „Para“-Staffel auf dem Pay-TV-Sender Warner TV Serie zu sehen. In sechs Folgen versuchen darin vier Freundinnen, ihrem Traum vom besseren Leben ein Stück näherzukommen und sorgen mit einer scheinbar kleinen Idee in kürzester Zeit für Furore im Wedding.

6.      Ihr ultimativer Shopping-Geheimtipp?

Ich gehe nur shoppen, wenn es unbedingt sein muss. Mein Geheimtipp: mit Freunden tauschen oder einfach mal in die Tiefen des Kleiderschranks greifen. Alte, vergessene Klamotten können sich nach einiger Zeit wieder ganz neu anfühlen! Wir haben meistens mehr als genug Zeug. Mit dem, was da ist, kann man kreativ werden und neue Kombinationen ausprobieren.

7.      Der beste Stadtteil Berlins ist …

Ich persönlich liebe den Wedding. Er hat von allem etwas: leidenschaftlich betriebene Cafés, Essen aus aller Welt, entspannte Menschen von jung bis alt, den Plötzensee, die Kiezbrauerei Eschenbräu, kleine selbständige Läden. Vor allem aber leben einige meiner besten Freunde hier im Kiez. Das schätze ich sehr. Im großen Berlin passiert es schnell mal, dass man Leute aus anderen Bezirken monatelang nicht sieht. Hier im Viertel ist es anders. Wir sehen uns regelmäßig auf ein Feierabendgetränk am Nordufer oder zum Chai bei mir auf dem Balkon.

8.      Das nervt mich am meisten an der Stadt:

Im achtsamen Umgang miteinander und der Stadt an sich ist noch Potential nach oben. Ich glaube, die Herausforderung in schnelllebigen Großstädten ist es, nicht das Bewusstsein für sein Umfeld zu verlieren. Wenn nur noch die eigenen Probleme existieren, geht schon mal die Perspektive auf das große Ganze verloren.

9.      Was muss sich dringend ändern, damit Berlin lebenswert bleibt?

Kunst- und Kulturschaffende, Sozialeinrichtungen, gemeinnützige Organisationen müssen unterstützt und gefördert werden. Berlin lebt von den Orten in der Stadt, die nicht nur profitorientiert sind, sondern sich künstlerisch, kulturell und sozial mit der Lebensrealität der Menschen und der Natur auseinandersetzen. Dafür müssen diese Räume erhalten und weiterhin geschaffen werden, in denen sich begegnet, ausgetauscht und kreativ entfaltet werden kann.

10.      Ihr Tipp an Unentschlossene: Nach Berlin ziehen oder es lieber bleiben lassen?

Kommt her! Wenn man schon mit dem Gedanken spielt, dann würde ich immer dazu raten, es auszuprobieren. Lasst euch nicht erzählen, wie Berlin ist oder nicht ist – die Erfahrung muss man selbst machen. Dieser Stadt ist es egal, wer du bist oder was du denkst. Sie hat ein warmes Herz für all die unzähligen Lebensformen und Persönlichkeiten. Du kannst bei diesem Abenteuer nur gewinnen.

11.      Cooler als Berlin ist nur noch …

Früher hätte ich geantwortet: Nix mit X! Aber ehrlich gesagt bin ich, vor allem durch viele Reisen, zu der Erkenntnis gekommen, dass ein Ort immer dann besonders schön ist, wenn mein Inneres ruht und zufrieden ist. Dann ist es wirklich egal, wo und mit wem ich bin. Ich fühle mich zunehmend in der ganzen Welt zu Hause. We are One.



Source link