So viel Geld müssen Sie vorher dafür sparen


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Nicht jeder will bis zum offiziellen Renteneintritt warten, um in den Ruhestand zu gehen. Eine frühzeitige Rente ist immer möglich – solange man genug Geld dafür auf der hohen Kante hat.

Berlin – Egal wie man sich am Ende entscheidet: Jede und jeder sollte schon frühzeitig damit anfangen, an den Ruhestand zu denken. Nicht nur, weil die gesetzliche Rente vielen Menschen nicht fürs Leben im Alter ausreichen wird. Sondern auch, weil man mit guter Vorbereitung auch schon früher aus dem Berufsleben aussteigen kann, wenn man das denn möchte. Es gibt dabei Modelle, die eine Rente ab 55 Jahren in Form der Altersteilzeit ermöglichen; aber wer finanziell gut aufgestellt ist, kann auch noch früher dem Job den Rücken kehren. Wir erklären, wie es geht.

Rente mit 45, 50 oder 60: So gehen Sie unabhängig in den Ruhestand

Grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer und jede Arbeitnehmerin ein festes Renteneintrittsdatum. Das ist der Zeitpunkt, ab dem man Anspruch auf die gesetzliche Rente hat. Dieser kann sich ändern, je nachdem, ob man beispielsweise erwerbsgemindert ist und gezwungen ist, früher mit der Arbeit aufzuhören. Der reguläre Renteneintritt hängt vom Geburtsdatum ab, aktuell wird das Eintrittsalter stufenweise von 65 auf 67 Jahre angehoben. Wer besonders lange in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat – also 45 Jahre lang – kann schon früher mit der Arbeit aufhören. Das ist dann die sogenannte „Rente mit 63“ – allerdings wird auch dort gerade das Eintrittsdalter schrittweise auf 65 angehoben.

Wer sich von der Rentenversicherung finanziell unabhängig machen will und komplett auf eigener Faust entscheiden will, wann er mit der Arbeit aufhört, muss das nötige Geld rechtzeitig ansparen. Doch wie viel Geld ist denn dafür nötig? Dazu muss man wirklich genau planen und vor allem wissen, wie hoch die eigenen Lebenshaltungskosten pro Jahr sind. Wer zum Beispiel schon mit 45 Jahren in Rente gehen will, sollte mit ungefähr dem 25-fachen der aktuellen Lebenshaltungskosten rechnen – idealerweise legt man noch ein bisschen mehr zur Seite, wenn man sonst auf keine Einkünfte zählen kann. Zu bedenken ist aber auch, dass die meisten Senioren niedrigere Lebenshaltungskosten haben als Arbeitnehmer.

Beispiel: Mit 50 in Rente gehen

Maria will mit 50 Jahren mit dem Arbeiten aufhören. Sie lebt in einer abbezahlten Eigentumswohnung, muss also keine Miete bezahlen. Sie geht davon aus, dass sie im Monat mit 1500 Euro über die Runden kommt und dass sie ungefähr 90 Jahre alt wird. Sie braucht also Rücklagen für 40 Jahre. Ihre Rente wird ungefähr 600 Euro im Monat betragen, die sie dann mit 67 Jahren bezieht. Für die 17 Jahre, die sie keine gesetzliche Rente bezieht, braucht sie Rücklagen von 306.000 Euro. Sobald sie ihre Rente bezieht, wird sie weniger auf ihr Erspartes zurückgreifen müssen und braucht dann nur noch 248.400 Euro, für den Rest ihres Lebens. Das sind also insgesamt 554.400 Euro, die Maria gespart haben muss, um mit 50 in Rente zu gehen. Um ganz sicherzugehen, könnte sie den Betrag verdoppeln, käme also auf 1,1 Millionen Euro.

Beispiel: Mit 55 in Rente gehen

Markus plant, mit 55 Jahren den Job für immer zu kündigen. Auch bei ihm fallen keine Mietkosten an, da er ein Haus besitzt. Seine monatlichen Kosten belaufen sich auf rund 1200 Euro im Monat, schätzt er. Er geht aber nur von einer Lebensdauer von 85 Jahren aus. Bei seiner erwarteten gesetzlichen Rente von 900 Euro im Monat ab 67 Jahren muss er für die letzten 18 Jahre etwas weniger auf sein Sparbuch zurückgreifen. Bis zur gesetzlichen Rentenzahlung wird er also mindestens 172.800 Euro brauchen. Nachdem er anfängt, seine gesetzliche Rente zu beziehen, sollte er nur noch 64.800 Euro brauchen. Markus sollte also 237.600 Euro angespart haben, bevor er mit 55 in Rente geht. Idealerweise kann er den Betrag verdoppeln auf 475.200 Euro.

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Das wären zwei Beispiele, wie man die eigenen Finanzen für eine frühzeitige Rente berechnen könnte. Wichtig sind aber immer die persönlichen Faktoren. So sind in den oben genannten Beispielen beide Personen Immobilieneigentümer und können somit mietfrei leben, was einen hohen Kostenfaktor im Alltag darstellt. Ebenfalls von großer Bedeutung ist natürlich auch das Gehalt – wer gut verdient, kann schnell viel ansparen. Doch das ist mitnichten bei allen Personen der Fall.

Es gibt aber auch noch ein zweites Modell, das eine frühzeitige Rente ermöglicht, und sehr viel weniger risikobehaftet ist. So kann für viele Arbeitnehmer eine Altersteilzeit infrage kommen, die den Eintritt in den Ruhestand deutlich vor dem gesetzlichen Renteneintritt ermöglicht.

Altersteilzeit: Mit 55 oder 60 schon in Rente gehen

Ab dem 55. Lebensjahr dürfen Arbeitnehmer mit der sogenannten Altersteilzeit beginnen. Das ist eine Vereinbarung, die der Arbeitnehmer mit dem Arbeitgeber trifft. Mit der Altersteilzeit geht man schrittweise in die Rente. Wichtig ist dabei zu wissen, dass die Altersteilzeit kein Recht ist, der Arbeitgeber kann sie also auch verweigern.

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Dem Berufsleben den Rücken kehren und den wohlverdienten Ruhestand genießen – das geht auch schon vor dem gesetzlichen Eintrittsalter. © imago images

Zu unterscheiden sind bei der Altersteilzeit zwei Modelle: das Gleichverteilungsmodell und das Blockmodell. Beim Gleichverteilungsmodell wird die bisherige Arbeitszeit sofort halbiert. Dabei wird auch das Gehalt halbiert und dann um mindestens 20 Prozent aufgestockt. Der Aufstockungsbetrag kann höher ausfallen und ist dazu noch steuer- und abgabenfrei. Der Arbeitgeber zahlt weiterhin mindestens 80 Prozent der Rentenversicherungsbeiträge, damit der Arbeitnehmer bei Eintritt ins Rentenalter kaum Einbußen hat.

Beim Blockmodell wird die Zeit bis zum Renteneintrittsalter in zwei gleich lange Blöcke unterteilt. Im ersten Block arbeitet der Arbeitnehmer ganz normal weiter wie bisher. Im zweiten Block arbeitet er dann überhaupt nicht mehr. Das Gehalt wird im Blockmodell während der gesamten Zeit, also in beiden Phasen, halbiert. Auch hier muss der Arbeitgeber den Aufstockungsbetrag von mindestens 20 Prozent des reduzierten Gehalts leisten.

Beispiel Gleichverteilungsmodell

Ein Arbeitnehmer hat ein reguläres Gehalt von 4.200 Euro/Monat (brutto) bei einer 40-Stunden-Woche. Er möchte nun mit 55 Jahren seine Altersteilzeit im Gleichverteilungsmodell beginnen. Seine Arbeitszeit wird also auf 20 Stunden pro Woche reduziert. Das Gehalt wird damit zunächst auf 2.100 Euro/Monat gekürzt. Hinzu kommen dann noch die 20 Prozent Aufstockungsbetrag, auf die keine Steuern oder Abgaben gezahlt werden. Das sind hier 420 Euro/Monat. Je nach Steuerklasse bleiben dem Arbeitnehmer dann zwischen 1.500 und 2.100 Euro/Monat netto übrig.

Beispiel Blockmodell

Ein Arbeitnehmer hat ein reguläres Gehalt von 4.200 Euro/Monat (brutto) bei einer 40-Stunden-Woche. Er möchte nun mit 55 Jahren seine Altersteilzeit im Blockmodell beginnen. Da er mit 63 in Rente gehen darf, werden die Blöcke in zwei Vierjahresblöcke geteilt: Die ersten vier Jahre arbeitet er wie gewohnt weiter 40 Stunden pro Woche. Sein Gehalt wird aber schon jetzt halbiert auf 2.100 Euro/Monat. Hinzu kommen dann noch die 20 Prozent Aufstockungsbetrag, auf die keine Steuern oder Abgaben gezahlt werden. Das sind 420 Euro/Monat. Je nach Steuerklasse bleiben dem Arbeitnehmer dann zwischen 1.500 und 2.100 Euro/Monat netto übrig. Nach vier Jahren, also mit 59 Jahren, hört er komplett auf zu arbeiten, bekommt aber weiterhin sein Teilzeitgehalt.

Im Gleichverteilungsmodell geht der Arbeitnehmer eigentlich nicht früher in den Ruhestand, arbeitet aber bis zum gesetzlichen Eintritt weniger Stunden. Im Blockmodell wird das Gehalt mit dem regulären Renteneintrittsalter dann von der Rente abgelöst.

Egal, wie man sich am Ende entscheidet: Eine gute Vorbereitung auf den Ruhestand ist das A und O. Denn am Ende des Berufslebens winkt viel weniger Geld, als vielen bewusst wird. So bezieht 2023 der Durchschnittsrentner in Deutschland gerade mal 1500 Euro im Monat.



Quellenlink https://www.fr.de/wirtschaft/frueher-in-rente-sparen-geld-gehalt-beispiele-ruhestand-altersteilzeit-zr-92715977.html