Senf in Frankreich Mangelware – das könnte in Deutschland auch kommen


Lieferengpässe
In Frankreich ist Senf Mangelware – das könnte auch Deutschland passieren

Körniger Senf und feiner Senf in Schalen

In Deutschland fristet der Senfanbau ein Nischendasein

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In französischen Supermärkten ist der beliebte Dijon-Senf seit Monaten Mangelware. Wegen Lieferengpässen bei der Senfsaat war die Produktion eingebrochen, jetzt soll der heimische Anbau wieder angekurbelt werden. In Deutschland könnte Senf ebenfalls knapp werden. 

“Ein Glas pro Haushalt” – der Hinweis an einem leeren Regal erinnert lediglich daran, dass es hier einmal Senf zu kaufen gab. In französischen Supermärkten ist der beliebte Dijon-Senf seit Monaten Mangelware. Wegen Lieferengpässen bei Senfsaat war die Produktion eingebrochen, jetzt soll der heimische Anbau wieder angekurbelt werden. In Deutschland könnte es ähnlich kommen, der Senf droht knapp zu werden.

Grund für französischen Dijon-Senf-Mangel liegt in Kanada

Die Versorgungsprobleme in Frankreich haben ausnahmsweise nichts mit dem Ukraine-Krieg zu tun. Den Bedarf an Senfsaat der französischen Dijon-Hersteller deckten bislang zu 80 Prozent Importe aus Kanada – im Sommer 2021 machte dort eine Dürre rund die Hälfte der Ernte zunichte.

Der Senfanbau in der historischen Anbauregion Burgund in Zentralfrankreich war in den vergangenen Jahren der billigen Konkurrenz aus Kanada zum Opfer gefallen. 2021 produzierten die französischen Landwirte noch 4000 Tonnen; 2017 war es noch das Dreifache.

Diese Entwicklung müsse nun rückgängig gemacht werden, sagt Luc Vandermaesen, Vorsitzender des Senf-Verbandes des Burgund. “Wir können nicht alle Eier in einen Korb legen.” Die Senfhersteller forderten die örtlichen Landwirte auf, die Senfanbaufläche wieder von 4000 auf 10.000 Hektar zu steigern und boten eine Verdopplung des Preises an.

Frankreich: Prognose fürs nächste Jahr ist zuversichtlich

François Détain aus Agencourt hatte den Senfanbau 2019 nach einem wegen Trockenheit und Insektenbefall “katastrophalen” Erntejahr aufgegeben. “Aber der Preis, der uns jetzt angeboten wird, erlaubt es uns, wieder einzusteigen”, sagt der Landwirt. Er ist nicht der Einzige: “Die Zahl der Senfanbauer ist von 160 auf über 500 gestiegen. Das ist mehr als erhofft”, sagt Jérôme Gervais von der örtlichen Landwirtschaftskammer.

Dank der bereits deutlich gesteigerten diesjährigen Ernte im Burgund “werden sich die Regale im Oktober wieder füllen”, prognostiziert Verbandschef Vandermaesen. “2023 wird es keine Knappheit mehr geben.”

Was mit der diesjährigen Ernte geschehe, sei völlig ungewiss

In Deutschland gab es zuletzt zwar ebenfalls kaum französischen Dijon-Senf zu kaufen, Senf aus deutscher Herstellung aber schon. Senfsaat aus Kanada machte bislang nur rund zehn Prozent der Einfuhren aus, die Dürre im vergangenen Jahr traf die deutschen Hersteller also kaum. Allerdings kamen fast 80 Prozent der Importe aus Russland und der Ukraine, während der Senfanbau in Deutschland ein Nischendasein fristet.

Noch hätten die Hersteller Vorräte in Silos gelagert, sagt eine Sprecherin des Branchenverbandes Kulinaria. Aber was mit der diesjährigen Ernte geschehe, sei völlig ungewiss. “Wir wissen nicht, was aus der Ukraine und Russland kommen wird. Wir rechnen nicht mit viel.”

Die Ernte in Kanada sei zwar wieder gut ausgefallen, fügt die Sprecherin hinzu. Einen großen Ausfall der Importe aus Osteuropa könne dies aber wohl nicht ausgleichen. Und um den Anbau in Deutschland anzukurbeln, ist es zu spät. Die Senfsaat hätte mit Beginn des Krieges in der Ukraine im Frühjahr bereits ausgesät werden müssen.

key, Loïc Vennin und Peter Eßer
AFP



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