Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall: 7 Warnsignale im Mund


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Von: Andreas Beez

Zahnbakterien können Herzinfarkt, Schlaganfall oder Protheseninfekte an künstlichen Gelenken auslösen. Zahnärzte erklären die Alarmsignale im Mund.

Schlechte Zähne schränken die Lebensqualität ein, weil die Betroffenen im Alltag eine ganze Reihe von Probleme bekommen: Sie können nicht mehr richtig kauen, schämen sich zu lächeln oder gar zu sprechen. Es kann auch noch schlimmer kommen: Denn aggressive Bakterien im Mund können nicht nur lästig sein, sondern schwer krank machen und die Patienten schlimmstenfalls sogar umbringen. Doch es gibt auch eine ermutigende Nachricht dazu: „Die Grunderkrankung Parodontitis, die die gefährlichen Kettenreaktionen auslösen können, lässt sich leicht enttarnen und effektiv behandeln“, erklären die Zahnärzte und Parodontologen Professor Hannes Wachtel und Dr. Christian Maischberger von der Implaneo Dental Clinic in München.

Dr. Christian Maischberger (links) und Professor Hannes Wachtel behandeln eine Patientin in der Implaneo Dental Clinic.
Zahnarzt-Termine können auch helfen, schwere Erkrankungen zu vermeiden: Dr. Christian Maischberger (links) und Professor Hannes Wachtel behandeln eine Patientin in der Implaneo Dental Clinic. © Achim Frank Schmidt
Selbst-Check vorm Spiegel: Diese Fragen sollten sich Patienten stellen, um Warnsignale zu enttarnen:
1. Ist Ihr Zahnfleisch geschwollen?
2. Blutet Ihr Zahnfleisch beim Zähneputzen oder bei der Benutzung eines Zahnstochers bzw. anderer Hilfsmittel zur Zahnreinigung?
3. Ist Ihr Zahnfleisch zurückgegangen?
4. Beobachten Sie eine zunehmende Lockerung Ihrer Zähne?
5. Tritt eine gelbliche, eiterähnliche Flüssigkeit am Zahnfleischsaum aus, wenn Sie Ihr Zahnfleisch massieren?
6. Hat sich Ihre Zahnstellung verändert, und haben sich dabei Lücken gebildet?
7. Haben Ihre Eltern oder Geschwister Zähne frühzeitig durch Zahnlockerung verloren?
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Parodontologie

Parodontitis-Bakterien: Doppelt so hohes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall

„Wer an schwerer Parodontitis leidet, der hat ein doppelt so hohes Risiko, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden“, warnt Wachtel, und sein Kollege Dr. Christian Maischberger ergänzt: „Die Keime können auch an künstlichen Gelenken schwere Schäden anrichten und eine erneute Operation nötig machen.“

Der medizinische Hintergrund: Patienten mit schlechten Zähnen leiden oft an Parodontitis, einer Erkrankung des Zahnhalteapparats. „Dabei siedeln sich Bakterien in Taschen rund um die Zahnhälse an. Sie zerstören zunächst die Zahnfleischhaut, dringen dann ins Zahnfleisch ein und verursachen dort chronische Entzündungen“, erklärt Maischberger.

Die Zahmmediziner laufen den Gang der Zahnklinik entlang
Warnen vor den Folgen von Parodontitis: die Zahnmediziner Professor Hannes Wachtel (Mitte), Dr. Christian Maischberger (rechts) und Dr. Isabella Bechstein. © Markus Götzfried

Durch Parodontitis wird das natürliche Schutzschild gegen Bakterien zerstört

Die Folgen können fatal sein: Im gesunden Zustand ist das Zahnfleisch sozusagen mit den Zähnen verklebt. Diese Gewebe-Struktur kann man sich wie ein Schutzschild gegen Eindringlinge vorstellen. „Wenn nun diese Barriere zerstört wird, haben die Bakterien praktisch freie Fahrt in die Blutgefäße. Dort können sie entzündliche Prozesse fördern, die wiederum zu Gefäßverengungen und im schlimmsten Fall zu Gefäßverschlüssen führen“, so Prof. Wachtel.

Deshalb sei es zur Vorsorge bzw-. Früherkennung empfehlenswert, regelmäßig zur professionellen Zahnreinigung zu gehen, am besten mindestens einmal im Jahr, raten die Zahnmmediziner. Die Dentalhygienikerinnen – es sind in den allermeisten Fällen Frauen – können unter anderem die Tiefe der Zahntaschen messen, in denen sich Bakterien einnisten. Sie stellen auch entzündliche Veränderungen mit geschultem Auge schnell und sicher fest.

Zahnarzt Dr. Christian Maischberger: So erkennen Sie Parodontitis

Auch die Patienten selbst sollten Alarmsignale beachten. Aber wie äußert sich die Erkrankung genau? „Das Zahnfleisch ist gerötet und geschwollen. Es blutet – insbesondere bei Berührung“, erklärt Maischberger. „Teilweise verfärben sich die Zähne, verursacht von den bakteriellen Belägen. Im fortgeschrittenen Stadium werden die Zähne immer lockerer, geraten manchmal in Schieflage oder verschieben sich und fallen schlussendlich aus. Mitunter haben die Patienten Mundgeruch.“

Je früher Parodontitis behandelt wird, desto besser die Heilungschancen

Parodontitis lässt sich vor allem dann gut behandeln, wenn der Patient frühzeitig zum Zahnarzt geht. Das übergeordnete Ziel aller Therapievarianten besteht immer darin, die Beläge beziehungsweise Bakterienansammlungen aus dem Mund zu entfernen. Dabei spielt die Dentalhygiene eine Schlüsselrolle.

Professionelle Zahnreinigung hilft, die Bakterien effektiv zu bekämpfen

Im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung werden Zähne und etwaige Zahntaschen mithilfe spezieller Häkchen (Küretten), Bürsten, Polieraufsätzen und Pasten gereinigt. „In manchen Fällen muss der Zahnarzt kleinere chirurgische Eingriffe vornehmen, um Bakterien in schwer zugänglichen Taschen oder an Wurzelgabelungen zu erwischen“, berichtet Maischberger. „Am Ende der Behandlung soll praktisch der gesamte Mund entzündungsfrei sein.“

Professor Hannes Wachtel: Antibiotika stoppen besonders aggressive Zahnbakterien

Mitunter werden auch Antibiotika eingesetzt, um besonders aggressive Bakterien abzutöten. Dazu muss man wissen: In der Mundhöhle tummeln sich etwa 700 verschiedene Bakterienarten. „Die allermeisten sind harmlos für uns Menschen, manche sogar nützlich und somit wichtig. Doch etwa zehn Keime, die zu den sogenannten gramnegativen Bakterien zählen, können schwere Schäden anrichten“, erläutert Wachtel. „Und besonders problematisch wird es immer dann, wenn die Baktierenmenge ungebremst zunimmt.“ Dies geschieht immer dann, wenn man die Zähne und insbesondere die Zahnzwischenräume nicht ausreichend reinigt.



Quellenlink https://www.merkur.de/leben/gesundheit/im-mund-risiko-fuer-herzinfarkt-und-schlaganfall-warnsignale-anzeichen-zr-92211847.html