Panzerlieferungen an die Ukraine: Warum Griechenland zögert


Griechischer Leopard-2-Panzer

Griechenland will die eigene Armee nicht schwächen, denn die Drohungen aus der Türkei haben zugenommen.


(Foto: imago images/Cover-Images)

Athen Schon vor zehn Tagen baten der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba und Verteidigungsminister Olexij Resnikow in einem gemeinsamen Appell um Lieferungen von Leopard-2-Kampfpanzern. Die beiden Minister riefen die Nato-Staaten sowie Schweden und Finnland dazu auf, eine gemeinsame „internationale Kampfpanzer-Koalition“ zu bilden. Zu den Ländern, die sie in ihrem Aufruf als mögliche Lieferanten nannten, war auch Griechenland.

Bisher sah man in Athen keinen unmittelbaren Handlungsbedarf, zumal auch Berlin zögerte. Aber mit der Entscheidung der Bundesregierung zur Lieferung von Leopard-Kampfpanzern ist nun auch Griechenland gefragt. Das Land unterhält mit 853 Exemplaren die größte Leopard-Panzerarmee Europas. Davon entfallen 500 auf den älteren Typ Leopard 1, 183 auf das Muster Leopard 2A4 und 170 auf den Leopard 2A6.

Doch die Regierung in Athen hält sich bisher bedeckt. Der wichtigste Grund ist allerdings nicht Kriegsgegner Russland. Es sind die Kriegsdrohungen aus dem Nachbarland Türkei. Angesichts der Spannungen mit Ankara will Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis die eigene Verteidigung nicht schwächen. Man brauche die Panzer selbst, heißt es in Regierungskreisen.

Deutschland will eine Kompanie mit Leopard-Kampfpanzern des Typs 2A6 in die Ukraine schicken. Das wären 14 Panzer. Die USA haben die Lieferung von 31 Abrams-Kampfpanzer zugesagt. Doch die Ukraine ruft nach weitaus größeren Stückzahlen. Das machte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski jetzt klar. „Es geht nicht um fünf oder zehn oder 15 Panzer, der Bedarf ist größer“, sagte Selenski am Dienstagabend in einer TV-Ansprache.

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Deutschland und die USA wollen zugleich eine Koalition schmieden, um weitere Panzer für die Ukraine bereitzustellen. Ziel sei es, rasch zwei Panzer-Bataillone zusammenzustellen, sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Mittwoch in Berlin.

Die Spannungen mit der Türkei sind stärker denn je

Das wären etwa 90 Panzer. Vorgespräche dazu gab es vergangene Woche bei dem Treffen in Ramstein. Dort sollen zwölf Länder zugesagt haben, zusammen etwa 100 Leopard-Panzer zur Verfügung zu stellen, berichtete der US-Fernsehsender ABC unter Berufung auf ukrainische Quellen.

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Athen habe noch keine Zusage gemacht, berichten Insider. Griechenlands Leopard-Panzer sind vor allem im Norden des Landes stationiert, nahe der Grenze zur Türkei. Das Verhältnis zu dem Nachbarland ist aktuell so gespannt wie seit Langem nicht mehr. Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan überzieht den Nato-Partner seit Monaten mit immer neuen Kriegsdrohungen.

Erdogan meldet Ansprüche auf griechische Ägäisinseln wie Rhodos, Kos und Lesbos an. „Wir könnten plötzlich über Nacht kommen“, warnt er die Griechen. In jüngster Zeit drohte Erdogan auch mehrfach mit Raketenangriffen auf die griechische Hauptstadt Athen.

Vor dem Hintergrund dieser Drohkulisse kann es sich Premier Mitsotakis kaum leisten, jetzt auch nur einen einzigen Leopard an die Ukraine abzugeben. In voraussichtlich drei Monaten finden Wahlen in Griechenland statt, bei denen Mitsotakis seine absolute Mehrheit zu verteidigen hofft.

>> Lesen Sie auch: Mit einem Schuss zwei sowjetische Panzer zerstört – Das können der M1 Abrams und der Leopard 2

Deshalb will sich die Regierung jetzt bei der Landesverteidigung keine Blöße geben. Die Ukraine hat vor allem Bedarf an Panzern des neueren Typs 2A6. Auf die könne Griechenland aber erst recht nicht verzichten, heißt es in Regierungskreisen.

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Griechenland hat ohnehin Modernisierungsbedarf für seine älteren Leopard-2-Typen und führt darüber seit geraumer Zeit Verhandlungen mit dem Hersteller Krauss-Maffei Wegmann (KMW). Politisch zu rechtfertigen wären Lieferungen an die Ukraine für Premier Mitsotakis wohl allenfalls dann, wenn die Kampfpanzer Zug um Zug durch moderneres Gerät ersetzt würden.

So war es schon bei der im vergangenen Jahr vereinbarten Lieferung von 40 sowjetischen BMP-1-Schützenpanzern an die Ukraine. Griechenland hatte 1993 die damals bereits fast 30 Jahre alten Panzer zum Stückpreis von 50.000 D-Mark aus Beständen der DDR-Volksarmee erhalten.

Vergangenes Jahr versprach die Bundesregierung, die BMP-1 im Rahmen des Ringtauschs durch 40 deutsche Schützenpanzer vom Typ Marder zu ersetzen. Doch davon sind erst 20 in Griechenland eingetroffen. Der Tausch stockt, weil Deutschland nicht genug Marder liefern kann. In Athen führte das zu Verstimmungen. Oppositionsnahe Medien schrieben von einem „Fiasko“. Auch deshalb zögert die griechische Regierung jetzt mit Leopard-Lieferungen.

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