Pantera spielt nicht bei deutschen Rockfestivals | Kultur | DW


“Die Band Pantera wird nicht wie angekündigt bei ‘Rock im Park’ und ‘Rock am Ring’ 2023 auftreten”, das teilten die Veranstalter am Montagabend (23.1.2023) bei Twitter in wortgleichen Statements mit.

Sie erklärten, dass sie in den vergangenen Wochen intensive Gespräche mit Künstlern, Partnern und Festivalfans geführt, sich mit der Kritik weiter auseinandergesetzt und nun dazu entschlossen hätten, die Band aus dem Programm zu nehmen. Auch bei der Ankündigung der Line-ups auf den Homepages der Zwillingsfestivals in Nürnberg und am Nürburgring in der Eifel Anfang Juni fehlt die Gruppe mittlerweile. Auf der Pantera-eigenen Webseite finden sich unter Tourdaten ebenfalls keine Einträge mehr für Nürnberg und den Nürburgring.

Auslöser der Kritik

Phil Anselmo, Sänger der Band Pantera, am Mikrofon.

Phil Anselmos Verhalten beim “Dimebash”-Festival 2016 hatte für einen Skandal gesorgt

Anstoß für die Diskussionen rund um mögliche Auftritte Panteras bei “Rock im Park” und “Rock am Ring” hatte ein früheres Verhalten des Sängers der Band, Phil Anselmo, gegeben. Er soll sich 2016 beim “Dimebash”-Festival rassistisch geäußert und den Hitlergruß gezeigt haben. Ein Video davon kursierte im Netz. Anselmo bat später um Entschuldigung. Das “Dimebash”-Festival fand im Gedenken an den 2004 erschossenen ehemaligen Pantera-Gitarristen Dimebag Darrell statt. 

Problematisch erwies sich in Hinblick auf die Vorgeschichte auch, dass sich der Veranstaltungsort von “Rock im Park” in Nürnberg auf dem ehemaligen NS-Reichsparteitagsgelände befindet. Zu den Kritikern eines dortigen Pantera Auftritts zählte unter anderem die Fraktion der Grünen im Nürnberger Stadtrat. Sie warnte davor, das ehemalige Reichsparteitagsgelände “bewusst für die Inszenierung und Reproduktion von rassistischer und menschenverachtender Ideologie” zu missbrauchen. 

Trotz Kritik: Veranstalter zunächst für einen Auftritt Panteras

Die Veranstalter der Rockfestivals, die Argo Konzerte GmbH aus Würzburg, gaben zunächst noch bekannt (10.1.2023), dass Pantera trotz der Kritik im Juni auftreten würden. Neben einem Piktogramm, das eine Figur zeigt, die ein Hakenkreuz in einen Mülleimer wirft, war zu lesen, dass der Band eine Chance gegeben werden sollte. Dem Veranstalter sei in Gesprächen mit Pantera und dem Management “glaubwürdig versichert” worden, dass das Verhalten des Sängers von 2016 “in keinem Fall die Ansichten der Band widerspiegelt und er sein Auftreten aufrichtig und tief bereut”.

Außerdem erinnerten die Argo Konzerte GmbH daran, dass “Rock im Park” unter anderem für Toleranz und Diversität stehe. Zu den Headlinern im Juni zählen die “Kings of Leon” und “Tenacious D.”. Außerdem werden Gruppen wie die Berliner Hip Hopper “K.I.Z.” und die Punkrocker “Die Toten Hosen”, auftreten, von denen bekannt ist, dass sie sich gegen rechte Tendenzen positionieren. “Die Toten Hosen” hatten anlässlich einer möglichen Teilnahme Panteras ein ausführliches Statement auf Facebook veröffentlicht. 

Darin schilderten sie, dass sie “die ganze Situation (…) als kompliziert und unglücklich” empfinden und bei ihrer Zusage von einem Auftritt Panteras noch keine Rede gewesen sei. Sie verwiesen aber auch darauf, dass Pantera dieses Jahr auf zahlreichen europäischen Festivals spielen werden. 

Auf Tour: Pantera wieder vereint

Pantera hatten erst 2022 ihr Comeback verkündet und gehen 2023 auf Europatour. In Deutschland stehen weiterhin Konzerte in Berlin und Hamburg auf dem Plan. Das aktuelle Line-up von Pantera besteht aus Frontmann Phil Anselmo und Bassist Rex Brown. Bei der Reunion-Tour werden sie von Zakk Wylde und Charlie Benante sowie von Grady Champion unterstützt. 

Pantera hatten sich 2003 aufgrund interner Spannungen offiziell aufgelöst. Mit dem Tod Dimebag Darrells – er war am 08.12.2004 auf einem Konzert seiner neuen Band “Damageplan” von einem geistig verwirrten Pantera-Fan erschossen worden – schien eine Wiedervereinigung unmöglich.

vg/AN (mit dpa)
 





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