Neuer Museumsparcours im neuen Sonthofer AlpenStadtMuseum


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Von: Josef Gutsmiedl

Museumsleiterin Mechthild Fischer im AlpenStadtMuseum
Die Gegend um Sonthofen ist bis heute von der Alp- und Landwirtschaft mitgeprägt. Im Museum können Besucher Blumenwiesen „beschnuppern“ und hören, wodurch sich eine Schelle von der Glocke unterscheidet. Museumsleiterin Mechthild Fischer erläuterte die Erlebnisstationen im neuen Museumsparcours. © Josef Gutsmiedl

Sonthofen – Das neue AlpenStadtMuseum zeigt in einer attraktiv gestalteten, in Themenbereiche gegliederten Ausstellung Heimatgeschichte und Allgäuer Traditionen.

In den 1920er Jahren konnte die damalige Marktgemeinde Sonthofen ein Gebäude erwerben, um darin ein Heimathaus unterzubringen. Und jetzt– fast 100 Jahre später – hat die Stadt Sonthofen das „alte Heimathaus“ auf völlig neue Beine gestellt und ein neues „AlpenStadtMuseum“ eröffnet. Ein weitgehend neuer Gebäudekomplex, unter dessen Dächern nicht nur viel Neues entstand, sondern das auch das „alte Heimathaus“ weitgehend bewahrt und präsentiert.

AlpenStadtMuseum Sonthofen
Das „Heimathaus“ ist dank architektonischer Kunstgriffe im neuen AlpenStadtMuseum weiterhin präsent. © Josef Gutsmiedl

Mit zahlreichen Exponaten und in Themenbereiche gegliedert, wird hier Heimat und Heimatgeschichte gezeigt und prägnant erzählt. Mit einem Eröffnungswochenende am 28. und 29. Januar wird die Fertigstellung des AlpenStadtMuseums gefeiert.

„Attraktiv gestaltet und konzipiert“

„Mein Eindruck: es ist hervorragend gelungen.“ So jedenfalls schloss Sonthofens Erster Bürgermeister Christian Wilhelm seinen schlaglichtartigen Rückblick auf die Vor- und Entstehungsgeschichte des neuen AlpenStadtMuseums. „Ein Haus für einen großen Besucherkreis, attraktiv gestaltet und konzipiert.“

Schon lange hatte sich gezeigt, dass der Platzbedarf ständig zunahm, dass viele wichtigen Exponate nicht oder unzureichend präsentiert werden konnten. Für Sonderausstellung war ebenfalls kaum ausreichend Platz in dem mehrfach erweiterten Heimathaus. Nach dem Ankauf eines Nebengebäudes im Jahr 2017 fiel der Startschuss für eine geplante Erweiterung und Neukonzeption. Nach dem generellen Ja des Stadtrates im Jahr 2018 galt es, die Finanzierung zu sichern und die erforderlichen Experten für das Vorhaben zu gewinnen und ein „Museumsteam“ der Stadt zu rekrutieren.

Neue Möglichkeiten im Erweiterungsbau

Im Mai 2020 begann die eigentlichen Bauarbeiten mit dem Abbruch eines alten Gebäudeteils und dem Neubau eines Erweiterungsbaus. Dadurch entstand neben der musealen Dauerausstellung auch Platz für einen eigenen Raum für Sonderausstellung, einen Vermittlungs- und Multifunktionsraum, sowie Verwaltungs- und Personalräume, ein Foyer – und ein Museumscafé. Das Kellergeschoss dient nun als Depot für das Museum.

Die Stadt hätte das Großprojekt niemals allein stemmen können, so der Bürgermeister. Auf rund 11,2 Millionen Euro belief sich die Kalkulation. 64 Prozent betrug schließlich die Förderquote mit Beteiligung der EU, Bezirk Schwaben, Freistaat Bayern, Landkreis und anderen „Mitwirkenden“.

Geschichte der Stadt traditionell und modern dargestellt

Die Architektur des Museumskomplexes spiegele die Geschichte der Stadt in einer „spannenden Mischung aus alten und neuen, traditionellen und modernen Elementen“ wider, beschreibt Architekt Andreas ­Ferstl den Neubau. Erhalten wurde das historische Bauernhaus und ein Teil des sogenannten Rapp-Hauses. Es zeigt wichtige Räume eines typischen Allgäuer Bauernhauses, Wohnküche, Schlafkammer, sowie die „gute Stube“ samt Tisch und Schrank und Herrgottswinkel.

Den modernen Teil des Komplexes bildet ein Neubau, der die beiden Gebäude verbindet. Der gesamte Komplex ist weitestgehend barrierefrei ausgebaut, bis an die Elemente der einzelnen Themenbereiche.

Familienfreundliches Ausstellungskonzept

Umgekrempelt wurde nicht nur baulich, auch die Konzeption des neuen AlpenStadtMuseums wurde auf neue Beine gestellt. „Wir haben einen Museumsparcours zusammengestellt“, bringt Andreas Ferstl das Konzept auf den Punkt. Man habe nicht „Dinge, die alt waren, einfach weggeworfen“, sondern wo möglich im Sinne der Tradition neu genutzt. Etwa weite Teile des ehemaligen Rapp-Hauses im neuen Café.

Bauernhausküche im AlpenStadtMuseum
Behutsam überarbeitet und in das neue Museum integriert, wurde der ursprüngliche Teil des ehemaligen Heimathauses erhalten. © Josef Gutsmiedl

600 Quadratmeter Schaufläche sollten zu einem familienfreundlichen Raum für viele Zielgruppen werden, beschreibt Birgit Kadatz-Kuhn das Ausstellungskonzept. „Alles unter einem Dach, auch wenn es mehrere Dächer sind.“ Der Architekt habe alles wie gewünscht geplant und dabei den „Kern“, das ursprüngliche Heimathaus im alten Bauernhaus bewahrt. Auch Ingo Plato, verantwortlich für die Innengestaltung, lobt die frühzeitige Teambildung rund um das Projekt und das große Verständnis untereinander. „Es ging immer um die Sache.“ Das Museumsteam der Stadt begleitete die Arbeit der Fachleute.

Altmummener Krippe bewahrt

Bewahrt wurde auch die bekannte Altmummener Krippe, die jetzt in einem eigenen Raum zu sehen ist. Das Lebenswerk des gehörlosen Sattlermeisters Johann Georg Schmiedeler zeigt mit zahllosen Details die Weihnachtgeschichte und weitere Szenen aus dem Leben Jesu.

AlpenStadtMuseum in Sonthofen
Sonthofen hat auch eine lange Geschichte als Industriestandort. © Josef Gutsmiedl

Sechs Themenbereiche mit zahlreichen Exponaten und Dokumenten „erzählen Geschichte“. Was macht Sonthofen, das Oberallgäu letztlich aus? Beleuchtet werden die Viehwirtschaft und das Handwerk, die Industrialisierung, Notzeiten und Kriege, die Erfindungen der „Mächler“ sowie der Tourismus und der Wintersport. Intensiv dargestellt wird auch die ehemalige NS-Ordensburg.

Abwechslungsreiches Programm für alle Generationen

Ein abwechslungsreiches Kinder- und Veranstaltungsprogramm will generationenübergreifend für das neue Museum begeistern. Medienstationen erlauben authentische Einblicke in das Leben früherer Jahre. Einen festgelegten Weg durch die Ausstellungsbereiche gibt es nicht, wie Museumsleiterin Mechthild Fischer betont; jeder Themenbereich im „Museumsparcours“ ist unabhängig aufzusuchen und separat zu entdecken.

Mit einem Eröffnungswochenende am Samstag / Sonntag, 28. und 29. Januar, feiert Sonthofen und das neue AlpenStadtMuseum die Fertigstellung nach gut zweieinhalb Jahren Bauzeit. Ein buntes Rahmenprogramm für Groß und Klein ergänzt die Feierlichkeiten von 10 bis 18 Uhr – bei freiem Eintritt. An diesen Tagen wird auch das neue Depot im Untergeschoss bei Führungen gezeigt.



Quellenlink https://www.merkur.de/bayern/schwaben/sonthofen-oberallgaeu-kreisbote/neuer-museumsparcours-im-neuen-sonthofer-alpenstadtmuseum-92045761.html?cmp=defrss