Nachhaltig böllern – geht das?


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Im vergangenen Jahr verzeichnete die Pyrotechnik-Branche Rekordumsätze.
Im vergangenen Jahr verzeichnete die Pyrotechnik-Branche Rekordumsätze. © IMAGO/Gottfried Czepluch

Die Feuerwerksbranche hofft auf gute Umsätze und verspricht, sich neu auszurichten.

Mit Raketen und Böllern das neue Jahr begrüßen: Für viele Deutsche gehört das zu Silvester fest dazu. Wenige Wochen davor blickt die Feuerwerksbranche optimistisch auf den Jahreswechsel. „Die Nachfrage nach Feuerwerkskörpern ist ungebrochen hoch“, sagt Ingo Schubert, Vorstand des Bundesverbandes für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk (BVPK). Das sei bereits jetzt durch die zehntausenden Vorbestellungen im spezialisierten Online-Handel sichtbar und zeichne sich auch durch die georderten Mengen des sonstigen Einzelhandels ab. „Diese liegen in etwa auf dem Niveau von vor der Pandemie“, sagt Schubert.

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie sorgten Verkaufsverbote und Kontaktbeschränkungen zu Silvester dafür, dass der Branche ein erheblicher Dämpfer verpasst wurde. Im vergangenen Jahr setzten Hersteller und Händler dann auf einen Nachholeffekt. Nicht ohne Grund: Durch die enorme Nachfrage sei das Verkaufsjahr 2022 hinsichtlich des Umsatzes ein Rekordjahr gewesen, sagt Schubert. „Für das aktuelle Jahr 2023 erwarten wird, dass sich der Umsatz in etwa an das letzte Jahr vor der Pandemie angleicht.“

Dem Silvesterfest mit Feuerwerk hätten die Bürgerinnen und Bürger 2022 geradezu entgegengefiebert, sagt auch Thomas Schreiber, Vorsitzender des Verbandes der pyrotechnischen Industrie (VPI). „Der Nachholbedarf und die Lust auf privates Feuerwerk waren gigantisch.“ Deshalb sei man optimistisch, dass die Nachfrage nach Silvesterfeuerwerk auch diesmal groß sein werde – zumal sich die Produktwelten zeitgemäß verändert hätten.

Denn die Hersteller haben sich vorgenommen, Plastik nach und nach zu verbannen. „Silvester 2023 wird definitiv anders“, sagt Schreiber. Die Branche habe sich neu und nachhaltig ausgerichtet. „Raketen-Spitzkappen, Standfüße oder Zündschnurabdeckungen, die bisher aus Kunststoff bestanden, sind durch biologisch abbaubare Materialien ersetzt worden“, führt er aus. Das gelte auch für viele Verpackungen, bei denen PVC-Abdeckungen durch umweltfreundlichere Kartonage ersetzt worden seien. „Unser Ziel ist es, zukünftig Kunststoff vollständig in unseren Produkten zu ersetzen“, sagt er.

Laut eigenen Angaben will die Branche dabei nicht nur 3500 Tonnen Müll einsparen, sondern auch wichtige Impulse in den Weltmarkt senden. Neben Forschung, Entwicklung und Investitionen in die Maschinenparks hat es laut Verband auch Gespräche mit Produzenten in Asien gegeben, die für den Import weiter Teile des deutschen Feuerwerks wichtig seien. Abnehmer in anderen Ländern könnten durch das umweltfreundlichere Feuerwerk motiviert werden, neue Wege einzuschlagen.

Es ist auch ein Schritt in die Offensive, denn die Kritik am Silvesterfeuerwerk wächst. Müll, Feinstaub, verschreckte Tiere, volle Krankenhäuser: der Gegenwind ist groß, die Argumente vielfältig. Tier- und Umweltschützer:innen trommeln schon länger für flächendeckende Böllerverbote, auch Mediziner:innen und Polizei sprachen sich im vergangenen Jahr dafür aus. Die Entscheidung darüber liegt allerdings bei den Kommunen. Viele Städte und Gemeinden – etwa mit historischer Fachwerkarchitektur – gehen diesen Weg allein schon aus Brandschutzgründen und weisen Zonen aus, wo das Silvesterfeuerwerk verboten ist. Auch in diesem Jahr gibt es schon erste Forderungen nach einem generellen Böllerverbot. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warnt beispielsweise vor einer extremen Luftverschmutzung sowie vermüllte Straßen und Natur.

BVPK-Vorstand Schubert betont, dass Plastikteile in Feuerwerkskörpern weitestgehend der Vergangenheit angehören würden. Feuerwerk sei ein jahrhundertealtes Kunsthandwerk und dabei nicht auf die Verwendung von Kunststoffteilen angewiesen.



Quellenlink https://www.fr.de/hintergrund/nachhaltig-boellern-geht-das-92716673.html