Nach russischen Raketenangriffen auf Ukraine



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Von: Patrick Mayer

Russland bombardiert die Ukraine massiv, auch Lwiw im Westen des Landes. Nachbar Polen will nun sämtliche Luftschutzbunker überprüfen. Ein Zufall?

München/Warschau/Kiew – Mitten im Berufsverkehr um kurz nach acht Uhr morgens schlugen sie in mehreren ukrainischen Städten ein – geschätzt 80 russische Raketen. Es ist das bisher schärfste Bombardement auf die Zivilbevölkerung im Ukraine-Krieg an nur einem Tag, das sich an diesem Montag (10. Oktober) ereignete.

Ukraine-Krieg: Massive russische Bombardements auf Kiew, Dnipro und Lwiw

Getroffen wurde zivile Infrastruktur in der Hauptstadt Kiew, in der sich die Menschen zuletzt sicher fühlten, sowie in den Millionenstädten Charkiw und Dnipro. Aber auch in Lwiw im Osten des Landes schlugen russische Raketen ein. Die vorläufige traurige Bilanz insgesamt: Stand Montagabend, 19 Uhr, mindestens elf Tote und über 80 Verletzte. Alarmierend: Lwiw liegt nur rund 70 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt.

Größte ukrainische Städte:Einwohner:
Kiew2,7 Millionen
Charkiw1,4 Millionen
Odessa1,0 Millionen
Dnipro990.000 Einwohner
Lwiw (Lemberg)730.000 Einwohner

Polen überprüft in den kommenden Wochen nun alle landesweit vorhandenen Bunker und Schutzräume – mehr als 62.000 an der Zahl. Wie es aus Warschau heißt, sei die Aktion seit Längerem geplant und der zeitliche Zusammenhang mit den massiven russischen Bombardements auf ukrainische Städte zufällig. „Die Feuerwehrleute prüfen, in welchem Zustand sie sind, wie sie ausgerüstet sind, ob sie einsatzfähig sind. Ist dies nicht der Fall, werden wir Maßnahmen ergreifen, um sie wieder einsatzfähig zu machen“, erklärte Vize-Innenminister Maciej Wasik laut „Tagesschau“ dem Sender Polsat News. Dies werde etwa zwei Monate in Anspruch nehmen.

Wegen Ukraine-Krieg: Polen lässt mehr als 60.000 Bunker und Schutzräume checken

Der Minister stellte klar: „Wir sind in der Nato, wir sind Teil der EU. Wir sind nicht an diesem Krieg beteiligt, obwohl wir die Ukraine stark unterstützen, aber Polen ist ein sicheres Land.“ Der deutsche Nachbar hat seit dem russischen Angriff rund 1,3 Millionen ukrainische Flüchtlinge aufgenommen, während das eigene Land rund 38,5 Millionen Einwohner zählt. Wie die Radiostation Radio Polskie 24 Anfang Mai berichtete, hatte die polnische Regierung der Ukraine zu diesem Zeitpunkt schon mehr als 200 Kampfpanzer vom Typ T-72 überlassen. Sowie Dutzende weitere gepanzerte und bewaffnete Militärfahrzeuge, zum Beispiel Schützenpanzer vom Typ BMP-1.

Polens Misstrauen gegenüber Moskau ist historisch gewachsen. Ende des 18. Jahrhunderts wurde die damals fragile Adelsrepublik Polen vom Zarenreich Russland, den österreichischen Habsburgern sowie den deutschen Preußen überfallen und in drei Teile aufgeteilt. 1815 gingen nach dem Wiener Kongress große Teile des heutigen (Nord-)Westpolens um Posen an Preußen, Galizien um Krakau an das Habsburger Reich und das Zentrum des Landes um Warschau als Protektorat Kongresspolen an Russland.

Polen: Sorgen vor Russland sind historisch gewachsen

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs überfiel die Rote Armee der Sowjetunion parallel zur deutschen Wehrmacht das Land aus dem Osten kommend. Damals kam es zu schrecklichen Kriegsverbrechen durch die Rotarmisten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Land als Volksrepublik Polen Teil des Warschauer Pakts, samt kommunistischer Diktatur, die weitgehend von Moskau aus gesteuert wurde. (pm)



Quellenlink https://www.merkur.de/politik/russische-raketenangriffe-ukraine-kiew-lemberg-lwiw-kiew-polen-bunker-91842766.html?cmp=defrss