Mutierte Wölfe verblüffen Forscherteam – und könnten sogar Menschen helfen


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In Tschernobyl streifen seit der Katastrophe Wölfe durch die verlassenen Straßen und Gebäude. Forschende entdeckten bei ihnen Erstaunliches.

Frankfurt – Es war die wohl größte Atomkatastrophe, die es bisher gab: Tschernobyl. In der damaligen Sowjetunion auf dem Gebiet der heutigen Ukraine explodierte ein Kernreaktor, 100.000 Menschen mussten evakuiert werden, das nähere Umfeld und durch Regenwolken auch große Teile Europas wurden radioaktiver Strahlung ausgesetzt. Etwa 4000 Menschen starben laut Tschernobyl-Forum an den Folgen des Unfalls. Doch nicht nur Menschen, sondern auch Flora und Fauna mussten mit der Strahlung zurechtkommen.

Wölfe halten sich in Tschernobyl-Sperrgebiet auf und entwickeln Resistenz gegen Krebs

Es gibt durch Forschungen der Princeton University in den USA nun neue Erkenntnisse über Wölfe, die durch die verlassenen Straßen von Tschernobyl streifen. Die Tiere scheinen über die Jahre eine Resistenz gegen Krebs entwickelt zu haben. Dies weckt wiederum die Hoffnung, dass die Ergebnisse Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern helfen können, die schwere Krankheit auch beim Menschen zu bekämpfen.

Das Atomkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine.
Das havarierte Atomkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine. © IMAGO/Michael Brochstein

Rund um Tschernobyl gibt es immer noch eine Sperrzone (CEZ). Niemand darf das 1000 Quadratmeilen große Gebiet betreten, eben weil die Strahlung zu Krebs führen kann. Menschen halten sich daran, Tiere aber nicht. Dr. Cara Love, Evolutionsbiologin und Ökotoxikologin der Universität in New Jersey, hat untersucht, wie die Wölfe von Tschernobyl überleben, obwohl sie seit Generationen radioaktiven Partikeln ausgesetzt sind.

Wölfe in Tschernobyl sind täglich mehr als 11,28 Millirem Strahlung ausgesetzt

Hierfür besuchten Love und ein Forscherteam im Jahr 2014 die Sperrzone. Sie legten den Wölfen Funkhalsbänder an, um ihre Bewegungen zu tracken. So wussten die Forschenden, wie viel Strahlung die Tiere ausgesetzt waren. Auch Blutproben wurden genommen.

Das Ergebnis: Wölfe von Tschernobyl sind ihr ganzes Leben lang täglich mehr als 11,28 Millirem Strahlung ausgesetzt – was mehr als dem Sechsfachen des gesetzlichen Sicherheitsgrenzwerts für einen Menschen entspricht. Interessant dabei: Das Immunsystem der Wölfe hatte sich ähnlich verändert wie bei Krebspatientinnen und -patienten, die sich einer Strahlenbehandlung unterziehen. Noch bedeutsamer ist jedoch, dass bestimmte Teile der genetischen Information der Tiere identifiziert wurde, die einem erhöhten Krebsrisiko offenbar standhalten.

Forschungsteam konnte wegen Ukraine-Krieg nicht nach Tschernobyl zurück

In vielen Untersuchungen am Menschen wurden Mutationen gefunden, die das Krebsrisiko steigern. Loves Arbeit jedoch zielt darauf ab, schützende Mutationen zu identifizieren, die die Überlebenschancen bei Krebs erhöhen.

Wegen der Corona-Pandemie und dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine konnten die Forschenden aber nicht in die Sperrzone zurückkehren. Die bisherigen Ergebnisse wurden auf der Jahrestagung der Society of Integrative and Comparative Biology in Seattle im US-Bundesstaat Washington, präsentiert.

In der Krebs-Forschung stehen vor allem mRNA-Impfungen im Fokus. Mehrere Pharmakonzerne wollen in den kommenden Jahren Impfstoffe auf den Markt bringen. (cgsc)



Quellenlink https://www.merkur.de/welt/tschernobyl-atomkraftwerk-katastrophe-woelfe-akw-krebs-forschung-ukraine-zr-92829812.html