München: Kultur- und Freizeit-Tipps von Tina Teubner – München


Bissig und zynisch in den Moderationen, poetisch-melancholisch in den Liedern: Das musikalische, mit doppelbödigem Witz angereichte Wechselbad der Stimmungen bildet die Basis von Tina Teubners Kleinkunst. Sie selbst bezeichnet sich als “begnadete Melancholikerin mit Tendenz zu humorvollen Lösungen”. Als Kabarettistin und Musikerin bespielt sie seit vielen Jahren große und kleine Bühnen. Mit ihrem aktuellen Programm “Ohne dich war es immer so schön” kommt sie am 3. März ins Lustspielhaus.

Montag: Poetischer Stammtisch

Promi-Tipps für München: Andrea Limmer tritt beim Poetenstammtisch im Theater im Fraunhofer auf.

Andrea Limmer tritt beim Poetenstammtisch im Theater im Fraunhofer auf.

(Foto: Joachim Gabbert)

Wenn ich das Wort “München” in meinem Tourplan lese, dann klopft mein Kölner Herz vor Freude: München gehört für mich nicht nur zu den schönsten Städten der Welt, sondern auch zu den lebendigsten. Ganz besonders, was die Kabarettszene betrifft. Seit Mitte der Neunzigerjahre darf ich immer wieder hier spielen und habe tolle Menschen kennengelernt. Da könnt ihr Bayern uns tausendmal als “Zuagroaste” bezeichnen – wenn man Zuagroaste derartig nett willkommen heißt, gehöre ich gern dazu. Damals war es das Fraunhofer, in dem ich mein Unwesen trieb, manchmal sechs Wochen am Stück – und so freut es mich besonders zu lesen, dass genau dort heute Abend um 20.03 Uhr der Poetenstammtisch stattfindet. Was kann es in diesen Zeiten Tolleres geben, als Menschen, die ihr Herz und ihr Hirn auf den Tisch legen und dafür nicht mehr brauchen als einen Stuhl und ein Mikrofon. Wie sagt es der Kölner? “Da simmer dabei!”

Dienstag: Grüß Gott!

Promi-Tipps für München: Wie immer mit großem Körpereinsatz: Sigi Zimmerschied bei der Premiere seines neuen Programms "Dopplerleben".

Wie immer mit großem Körpereinsatz: Sigi Zimmerschied bei der Premiere seines neuen Programms “Dopplerleben”.

(Foto: Oliver Hochkeppel)

Wenn ich unterwegs bin, habe ich immer ein Klappfahrrad dabei. Weil man eine Stadt nicht besser kennenlernen kann, als auf dem Rad. An meinem ersten freien Tag in München brettere ich von meinem Schwabinger Domizil die Leopoldstraße hinunter, der Stadt entgegen, an der Uni vorbei, in Richtung Marienplatz, Viktualienmarkt: Sprachfetzen aufschnappen, Lodenhüte zählen, als Teilzeitvegetarierin Weißwürste essen. Da kommt man dem Glück schon ziemlich nahe. Zumal ich mich unbändig auf den heutigen Abend freue: Ich werde ins Lustspielhaus gehen, in dem wir selber am kommenden Freitag unser Pointen-Feuerwerk abfackeln werden. Heute spielt Sigi Zimmerschied sein Programm “Dopplerleben”. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass dieser Mann für mich als junge Kabarettistin ein Erdrutsch war. 1999 habe ich ihn das erste Mal gesehen, mit seinem Programm “Ihobs”: eine grandiose Abrechnung mit dem Kulturbetrieb, die mich tief beeindruckt und geprägt hat. Sigi – ich vergöttere dich!

Mittwoch: Lesen, schreiben, Freunde treffen

Promi-Tipps für München: Die Ausstellung "Simone de Beauvoir & das andere Geschlecht" beleuchtet die Bedeutung der Schriftstellerin und Philosophin für die Gegenwart.

Die Ausstellung “Simone de Beauvoir & das andere Geschlecht” beleuchtet die Bedeutung der Schriftstellerin und Philosophin für die Gegenwart.

(Foto: Gallimard/Collection Sylvie le Bon de Beauvoir)

Wenn ich privat in München bin, übernachte ich immer im Mariandl in der Goethestraße. Ich mag die knarzenden Holzböden und das betörend schöne Café, das mich an die Kaffeehäuser meiner Wiener Studienzeit erinnert. Heute werde ich den Tag dort verbringen: lesend, schreibend, Freunde treffend, zwischendurch immer mal wieder die Qualität des komplexen Kuchenbuffets überprüfend – eine Herausforderung, der ich mich stellen werde. Um halb sechs radle ich ins Literaturhaus, da gibt es um 18 Uhr eine Führung zur Ausstellung “Simone de Beauvoir & das andere Geschlecht”. Und weil ich den Hals nicht voll kriegen kann, sehe ich zu, dass ich um 19.30 Uhr im Vereinsheim in der Occamstraße bin. Bei “Lesen für Bier” lesen David Müller und Sophie Meinecke Texte vor, die wir mitbringen: Einkaufszettel, Gedichte, Gebrauchsanweisungen. Der Applaus entscheidet, was besser war: der Text oder der Vortrag. Wer gewinnt, kriegt ein Bier. Das wird eine Gaudi!

Donnerstag: Melancholie mit Humor

Promi-Tipps für München: Philipp Moschitz im Monolog "All das Schöne" im Metropoltheater.

Philipp Moschitz im Monolog “All das Schöne” im Metropoltheater.

(Foto: Jean-Marc Turmes)

Wenn ich neue Städte kennenlerne, zieht es mich immer wieder in die Seitenstraßen, ich kehre in entlegene Cafés ein, durchkämme die Vororte, weil man die Seele einer Stadt im Abseitigen oft besser mitkriegt als im hochpolierten Glanz. Ebenso interessieren mich die freien Theater oft mehr als alle Mailänder Scalas dieser Welt. Für diesen Abend werde ich mir ein Ticket im Metropoltheater sichern. “All das Schöne” steht auf dem Spielplan: ein Monolog von Duncan Macmillan über Depressionen, über das, was einen am Leben verzweifeln lässt und das, was es so wunderbar macht. Als studierte Melancholikerin mit starker Tendenz zu humorvollen Lösungen muss ich das sehen.

Freitag: Gastspiel in Schwabing

Heute ist soweit – ich darf das Publikum beglücken. Seit mehr als 30 Jahren bin ich auf Tour und es gibt verdammt wenige Abende, an denen ich mich nicht wie Bolle freue: auf mein Publikum, auf das Brodelnde, das eben nur das Kabarett bereithält, das Schnelle, das Verrückte, das Grundkonstruktive. Welche Kunstform macht sich eigentlich noch die Mühe, unserer durchgeknallten Welt Pointen abzuringen? Um 20 Uhr spielen wir im Lustspielhaus unser Programm “Ohne dich war es immer so schön“, dem weltschönsten Theater, das vom weltwarmherzigsten, visionärsten Team geleitet wird. Davor bin ich ab 18 Uhr live in der Abendschau des Bayerischen Fernsehens zu sehen. Und nach der Vorstellung im Lustspielhaus werde ich ins Vereinsheim schwanken und hoffentlich ein paar Kollegen und Kolleginnen treffen. Oder ich lerne SIE kennen. Genau so wird es sein.

Samstag: Abenteuer im Kopf

Promi-Tipps für München: "Max Beckmann. Departure" heißt eine Ausstellung in der Pinakothek der Moderne. Das Foto zeigt Max und Quappi Beckmann in den Ferien (1934).

“Max Beckmann. Departure” heißt eine Ausstellung in der Pinakothek der Moderne. Das Foto zeigt Max und Quappi Beckmann in den Ferien (1934).

(Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Max Beckmann Archiv, Max Beckmann Nachlässe)

Mein vorletzter Tag in München. In der Pinakothek der Moderne gibt es eine Ausstellung, die mich brennend interessiert: “Max Beckmann. Departure”. Ich liebe Aufbrüche und Reisen – und hätte ich nicht schon früh die nervige Erfahrung gemacht, dass ich auf meinen Reisen selber mit dabei bin, wäre ich noch mehr unterwegs. Manchmal können die Abenteuer im Kopf oder auf dem Papier eben doch die Gelungensten sein. Am Abend vorher werde ich ein Theater besuchen, dass ich schon lange im Visier habe. Wenn ich früher in der Lach – und Schieß gespielt habe, fiel mein Blick aus der Gästewohnung immer auf das TamStheater, das gegenüber liegt. Jahr für Jahr dachte ich: “Mensch, da willst du hin.” Heute ist es so weit: “Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot”. Eine Lesung nach einem Roman von Sibylle Berg. Ich hoffe, ich werde lachen und am Leben bleiben. Damit ich wiederkommen kann.

Sonntag: Genuss ohne Reue

Promi-Tipps für München: Frühstück im Café Morso in der Elisabethstraße.

Frühstück im Café Morso in der Elisabethstraße.

(Foto: Stephan Rumpf)

Das ist das Gemeine an dieser Stadt: Ich weiß jetzt schon, dass ich die nächste Woche heimwehkrank im Rheinland vor mich hinvegetieren werde. Ich werde die bairische Sprache vermissen, die Warmherzigkeit, das Zünftige, die Pracht, das Kümmelbrot, das Wissen um die Berge, die Seen. Ich werde bereuen, dass ich nicht doch noch mal mit dem Fahrrad durch den Englischen Garten gepest bin und stattdessen noch einmal alle Freunde gesehen habe (das werde ich nicht bereuen!). Jetzt nochmal alles mitnehmen! Ausgedehntes Frühstück im Café Morso in der Elisabethstraße (besseren Kaffee und leckerere Cornetti gibt es sonst nur in Italien!). Und weil ich noch immer nicht genug hab’, hör ich mir am Abend im Herkulessaal unter anderem das Violinkonzert von Mendelssohn an, dargeboten von der Neuen Philharmonie München mit Sophia Herbig. Da werden richtig viele Erinnerungen wach, denn dieses Stück habe ich vor unzähligen Jahren, damals, als ich Geige studierte, im Examen gespielt. Ich werde ein bisschen wehmütig ins Bett fallen. Weil die schöne Woche vorbei ist. Aber dann werde ich mir sagen: “Unsinn! Nur wer wegfährt, kann auch wiederkommen.”

Tina Teubner studierte Musiktherapie in Wien, später Violine an den Musikhochschulen Düsseldorf und Münster. Erste Bühnenerfahrung sammelte sie als Musikerin am Düsseldorfer Schauspielhaus. Mit 25 Jahren begann sie zu singen und wurde 1993 in Berlin mit dem ersten Preis im “Bundeswettbewerb Gesang für Musical/Chanson” ausgezeichnet. Seitdem hat sie viele eigene Bühnenprogramme geschrieben, die sie selbst als “Lieder, Kabarett und Unfug” bezeichnet und mit denen sie im deutschsprachigen Raum auftritt. Teubner bekam unter anderem den Deutschen Kabarettpreis und den Deutschen Kleinkunstpreis. Nebenbei schrieb sie den Erziehungsratgeber “Männer brauchen Grenzen” und hat eine wöchentliche Kolumne im Hessischen Rundfunk.



Quellenlink https://www.sueddeutsche.de/muenchen/tina-teubner-kabarett-lustspielhaus-kultur-freizeit-muenchen-tipps-1.5756229