Martin Hermannsson trägt Alba Berlin weiter fest in seinem Herzen


Die zwei Jahre in Berlin haben den Isländer als Menschen und Basketballer sehr geprägt. Das Spiel mit Valencia aber verpasst er wieder einmal.

Martin Hermannsson hat in Valencia eine neue Heimat gefunden, verpasst verletzungsbedingt am Donnerstag aber das Duell bei seinem Ex-Klub Alba Berlin.

Martin Hermannsson hat in Valencia eine neue Heimat gefunden, verpasst verletzungsbedingt am Donnerstag aber das Duell bei seinem Ex-Klub Alba Berlin.Zuma Wire/Imago

Es ist nicht so, dass Martin Hermannsson nicht alles probiert hätte, um doch irgendwie nach Berlin zu kommen. Das Training am Montagvormittag hat sich mal wieder gut angefühlt, der Körper ist mittlerweile so belastbar, dass er nach seinem Kreuzbandriss auf dem Basketballfeld wieder alles machen kann, ohne dabei Schmerzen oder Einschränkungen zu haben. Die Physiotherapeuten und Ärzte sind nach fast acht Monaten der Reha mit ihrem Patienten zufrieden, das Comeback des Isländers aber wird es am Donnerstag gegen Alba Berlin in der Arena am Ostbahnhof noch nicht geben. Und auch keine Reise mit den Teamkollegen von Valencia Basket. Die fliegen nämlich direkt nach dem Euroleague-Auftritt in Berlin weiter zum nächsten Spiel nach Malaga – das passt nicht in das Reha-Programm von Martin Hermannsson.

Während der Reha hat Martin Hermannsson viel Zeit für die Familie

Stattdessen wird es also mal wieder ein Basketball-Abend ab 20 Uhr mit Frau und Sohnemann in der Wohnung im derzeit mit 14 Grad Celsius milden Valencia werden. Was er nicht bedauert. „Ich habe in den acht Monaten mehr Zeit mit meiner Familie wie in den fünf, sechs Jahren davor verbracht“, erzählt Hermannsson auf dem Rückweg vom Training und klingt dabei glücklich. Anstatt quer durch Europa zu reisen, „bin ich immer zu Hause, verbringe viel Zeit mit meiner Frau und meinem Sohn und betrachte das Leben jetzt ein wenig anders“, sagt er. „Ich versuche, die Zeit so gut wie möglich zu genießen, hoffe aber trotzdem, dass ich bald wieder in der Realität ankomme.“

Die Realität des 28-Jährigen ist die Welt eines Basketballprofis, der aus Island stammt, zwei Jahre am College in den USA spielte, nach Frankreich ging, sich aktuell in seinem dritten Vertragsjahr in Valencia befindet und zwischen 2018 und 2020 bei Alba Berlin die prägendste Zeit seiner Karriere und seines Lebens verbrachte.

Berlin als Stadt bezeichnet er trotz aller Reisen während einer Saison als ein Zuhause für sich und seine Familie. In der Metropole, die zehnmal so viele Einwohner wie sein Heimatland hat, haben sie sich wohlgefühlt, das Leben bis zur Corona-Pandemie genossen. Alba, der Basketball-Klub wird immer einen großen Platz in seinem Herzen haben, sagt er. Im vergangenen Sommer habe es nach seinem Vertragsende sogar Gespräche mit den Verantwortlichen des Deutschen Meisters und Pokalsiegers gegeben, am Ende verlängerte er in Valencia. „Wir müssen vielleicht noch etwas mit einem Comeback warten. Zu Alba zurückzukehren würde definitiv nicht wehtun.“

Noch immer ist er freundschaftlich mit einigen Personen aus dem Verein verbunden, spricht noch viel mit Sportdirektor Himar Ojeda und Individualtrainer Carlos Frade. Mit Luke Sikma sowie den früheren Alba-Profis Rokas Giedraitis und Stefan Peno hat er in Whatsapp- und Snapchat-Gruppen sogar fast jeden Tag Kontakt.

Neben der sozialen ist da noch die sportliche Komponente. Alba Berlin hat sich in den vergangenen Jahren den Ruf eines Vereins verdient, für Spieler der perfekte Platz zu sein, um sich weiterzuentwickeln und für große Vereine zu empfehlen. Oscar da Silva spielt beispielsweise mittlerweile beim FC Barcelona, Simone Fontecchio in der NBA für die Utah Jazz, die Berliner Moritz und Franz Wagner dort für die Orlando Magic.

Mit Franz Wagner hat Hermannsson in Berlin zusammengespielt und ist fest davon überzeugt, dass der noch nicht so dominant in der NBA spielen würde, hätten Carlos Frade und der damalige Cheftrainer Aito Garcia Reneses nicht jeden Tag so viel mit ihm gearbeitet. Auch er selbst hat „in den zwei Jahren mit Aito als Trainer mehr über Basketball gelernt als in den anderen Jahren meiner Karriere zuvor – bei allem Respekt meinen anderen Trainern gegenüber“, sagt er.

Bei Alba Berlin gibt es weniger Druck als in Valencia

Aito, aber auch dessen Nachfolger und derzeitiger Alba-Trainer Israel Gonzalez geben den Spielern das, was sie in ihrer Entwicklung neben den trainingstechnischen Dingen ganz besonders benötigen: Vertrauen und die Chance Fehler machen zu dürfen und daraus zu lernen. „Das habe ich erst richtig gemerkt, als ich nach Valencia gekommen bin. Hier ist der Druck sehr hoch, alle werden verrückt, wenn man ein Spiel verliert und sie lieben dich, wenn man ein Spiel gewinnt. Berlin ist das komplette Gegenteil – da spielt es keine Rolle, ob man gewinnt oder verliert. Das fühlt sich für einen Spieler so viel besser an und lässt einen wachsen“, sagt Martin Hermannsson.

Einmal hat er erst seit seinem Weggang aus Berlin gegen Alba gespielt, die Niederlage in Valencia möchte er am liebsten vergessen und viel lieber mal wieder in der Arena am Ostbahnhof spielen. „Irgendwann“, ist er sicher, „wird es soweit sein.“ Bis dahin schaut er Alba-Spiele wie am Donnerstag vor dem Fernseher.



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