Lößnitzer öffnen ihr Schnitz-Depot – und schaffen auf Heimatberg neue Blickfänge | Freie Presse


Der Lößnitzer Schnitzverein zeigt in der Brauerei eigene Arbeiten, Ankäufe und Schenkungen. Dabei hoffen die Mitglieder auch auf die Hilfe der Besucher beim Lösen eines Rätsels.

Lößnitz.

“Kaffee-Sonderzug nach Lößnitz” – weil die Krippen- und Schnitzerei-Ausstellung im Erzgebirgsort so viel Interesse erregte, ist am 20. Januar 1937 sogar ein Sonderzug von Chemnitz nach Lößnitz eingesetzt worden. Nachzulesen ist das in einer Zeitungsmeldung, die Mario Rudolph gerade erst entdeckt hat. Der 56-Jährige leitet den Lößnitzer Schnitz- und Bergverein. Dieser besitzt ein umfassendes Dokumentenarchiv seiner 144-jährigen Geschichte.

Bei der Suche nach alten Rechnungen ist Rudolph auf eine Sammlung von Presseberichten über den Verein gestoßen. Ob diese Papiere zur großen Schnitzausstellung ab Samstag schon zu sehen sind, ist offen. “Ich muss das alles erst mal sichten”, sagt Rudolph. So hat er beispielsweise ein Bild der früheren Brauerei, später Woll- und Baumwollfärberei “Willy Ungethüm”, gefunden. In dem Gebäude, inzwischen saniert und öffentlich genutzt, wird die Ausstellung zu sehen sein.

Ankäufe und Schenkungen älterer Werke warten auf Besucher

Eigentlich sollte sie schon vergangenes Jahr stattfinden, doch Corona machte auch diesem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. Zu zeigen hat der Verein mit 25 Mitgliedern im Alter zwischen Mitte 30 und Anfang 90 genug. Unter anderem ein neues Relief mit Blumen von Jürgen Martin, das aus der Entfernung wie ein Gesicht wirkt.

Auch Ankäufe und Schenkungen älterer Werke warten auf die Besucher. Darunter ist eine Arbeit des Lößnitzer Schnitzers Walter Hambeck (1882 bis 1963), der wesentliche Teile des großen Weihnachtsberges geschaffen hat. Durch einen Ankauf ist der Verein nun an ein von Hambeck gefertigtes, altes Paar am Kachelofen gekommen. Es wirkt müde, der Blick der beiden geht nach unten. Sie hat die Kaffeetasse auf dem Schoß, er vielleicht die Späne einer Schnitzarbeit.

Vereinsmitstreiter hoffen auf Hinweise von Besuchern zu bestimmten Objekt

Als Schenkung gab es zu diesem Werk unter anderem noch eine Krippe. Neben der biblischen Familie mit Maria, Josef und dem Kind wurde ihr unter anderem eine Gruppe hinzugefügt, die einen Schlitten mit Wiege zieht und schiebt. “Wir vermuten, sie könnte in Bernsbach entstanden sein”, erzählt Mario Rudolph. Die Vereinsmitstreiter hoffen, bei der Ausstellung von Besuchern mehr über das Objekt zu erfahren. Das sei in früheren Fällen schon passiert.

Bisher kamen 13.000 bis 20.000 Menschen zu den Lößnitzer Schauen. Rund 2800 Gäste waren es bei der letzten großen Schnitzausstellung vor Corona. Nun hofft Mario Rudolph auf wenigstens 2500 Interessenten. Allein 500 Plakate haben sie drucken lassen, Schnitzvereine angeschrieben, Hotels und Gaststätten informiert. Mit Fahrstuhl und Treppenlift ist ein barrierefreier Zugang zu den drei Präsentationsräumen möglich. An den Wochenenden gibt es Kaffee und Kuchen in der “Hutzenstube” und im Sudhaus im Erdgeschoss ist spätnachmittags sogar Bierausschank angekündigt.

Weihnachts- und Heimatberg sind bis heute Attraktionen der Schauen

Attraktionen der Schauen sind bis heute der Weihnachts- und der Heimatberg. Geschaffen von Lößnitzer Schnitzern, teilweise durch Brände schwer beschädigt, längst wieder restauriert. Zuletzt seien zwei stark verkohlte Szenen auf dem Weihnachtsberg farbig neu gestaltet und repariert worden: die Gruppe des zwölfjährigen Jesus im Tempel bei den Gelehrten und er als Baby mit seinen Eltern im Tempel kurz nach der Geburt. Im Dezember kam ein neues Beleuchtungskonzept hinzu.

Am Heimatberg, der unter anderem Gebäude aus der später weitgehend abgebrannten Lößnitzer Altstadt zeigt, setzen die Vereinsmitglieder gerade eine Veränderung um. Das Schieferloch, heute als Teich zum Angeln und Baden genutzt, soll wieder als Schieferbergbau zu erkennen sein – mit Bergleuten und einem Bergverwalterhaus, erzählt Mario Rudolph. Erste Figuren gebe es schon. “Sie sollen zur Schau gezeigt werden, auch falls sie noch nicht fertig sind”, so Rudolph, der den Verein seit 1994 leitet.

Auch darüber hinaus gebe es Vorhaben – zunächst mit Blick auf das Chemnitzer Kulturhauptstadtjahr 2025, an dem sich Lößnitz beteiligt. Die Schnitzer wollen sich mit einer Ausstellung einbringen. Sie möchten unter anderem ein großes Holzrelief zeigen, das 2021 in Vereinsbesitz gelangt ist. Zu sehen sind Motive aus den vier Jahreszeiten, einst entworfen für einen Betriebsspeisesaal. Das Werk soll wieder zusammengesetzt werden. Noch lagert es in Platten zerlegt unterm Weihnachtsberg.

Die Ausstellung ist bis 26. Februar in der Lößnitzer Brauerei, Niedergraben 11, zu sehen. Geöffnet ist donnerstags bis sonntags jeweils von 13.30 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet 4 Euro, für Kinder ist er frei.



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