„Leser helfen“ in Halsbrücke: Romy Carolus braucht nach Unfall Hilfe | Freie Presse


Ein Autounfall hat Romy Carolus Leben auf den Kopf gestellt. Sie ist auf den Rollstuhl angewiesen. Um ihr ihren Alltag zu erleichtern, soll das Bad in ihrem Haus behindertengerecht umgebaut werden. „Freie Presse“-Leser können dabei helfen.

Halsbrücke.

Das Autoradio lag auf der Rücksitzbank, solche Wucht hatte der Aufprall. Romy Carolus erinnert sich an den Moment, der ihr Leben veränderte. „Ich war eigentlich eine kerngesunde, sportliche Frau“, beschreibt sich die dreifache Mutter, heute ist sie 40.

Dann kam der Januar 2018: Ein stürmischer Tag, sie war auf dem Weg von der Arbeit nach Hause. Autos hatten angehalten, weil Äste auf der Straße lagen. Auch sie brachte ihren Wagen zum Stehen und hörte noch ein Hupen hinter sich. „Hinter mir kam ein Auto, und ich dachte mir schon: Sie schafft es nicht, zu bremsen.“ Es kam schlimmer: Die Fahrerin hinter ihr hatte sich auf ihr Handy konzentriert und fuhr ungebremst auf. Carolus wurde nach vorn gedrückt. Im Auto herrschte danach ein Durcheinander, erinnert sie sich, alles lag kreuz und quer, sie fand ihr Handy nicht.

Bandscheibe drückt auf Nervengewebe

„Es ist keiner ausgestiegen, es hat alle nicht interessiert, selbst die junge Dame war der Meinung, dass ich keinen Krankenwagen benötige“, sagt sie. Sie schleppte sich raus und bettelte, dass die Unfallverursacherin ihr einen Rettungswagen rufen solle. Die hatte da noch ihr Handy in der Hand: „Na, ist das wirklich notwendig?“

Im Krankenhaus wurde dann festgestellt, dass durch den Aufprall eine Bandscheibe in ihrer Halswirbelsäule nach außen gerutscht war. Sie quetschte Nerven, weshalb sie drei Finger ihrer linken Hand nicht mehr spürte. Dafür lebte sie ab jetzt mit erheblichen Schmerzen.

Fehlgeschlagene Operation: „Das war der größte Fehler meines Lebens“

Als nach vier Monaten Therapie keine Besserung eintrat, ließ sie sich gesund schreiben. Der Grund: Sie bekam das Angebot für einen Traumjob beim Freistaat als Schulverwaltungsassistentin. „Das war für mich wie ein Sechser im Lotto, und ich dachte mir, die Chance kannst du dir nicht entgehen lassen“, sagt sie. Bis November 2019 kämpfte sie sich mit Schmerzmitteln durch, arbeitete. „Bis es dann gar nichts mehr ging“, erzählt sie.

Sie musste wieder ins Krankenhaus, ein Arzt riet ihr zu einer Operation. „Ich habe dort jedes Schmerzmittel intus gehabt und wusste eigentlich nicht mehr, wo vorne und hinten war.“ Sie konnte nur zustimmen. Ein Implantat wurde ihr in die Halswirbelsäule eingesetzt. „Das war der größte Fehler meines Lebens“, sagt die 40-Jährige heute.

Bad müsste barrierefrei ausgebaut werden

Denn nach der Operation blieben immense Schmerzen. Eine weitere Operation lehnten nicht nur die Ärzte ab. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie danach querschnittsgelähmt sei, liege bei 70 Prozent, hieß es. Ein Risiko, dass sie nicht eingehen wollte. Stattdessen möchte sie sich mit ihrer Lage arrangieren, auch wenn das Schmerzmittel, Nebenwirkungen und eine eingeschränkte Bewegungsfreiheit in ihrem gewohnten Umfeld bedeuten. „Aber man will ja auch nicht aus seinem Zuhause raus“, sagt sie.

„Es ist mittlerweile so, dass ich seit Januar im Rollstuhl sitze. Mein Körper kommt mit dem Implantat nicht klar, es verursacht rund um die Uhr Schmerzen“, beschreibt sie. Das Haus, was sie sich 2013 gekauft hatten, kann sie nur noch in der untersten Etage bewohnen. „Das Bad ist nicht barrierefrei, es gibt überall Schwellen.“ Außerdem ist es zu klein: Auf den gerade einmal fünf Quadratmetern kann sie sich mit dem Rollstuhl kaum drehen. „Ich kann im Grunde nichts mehr alleine.“ Daher unterstütze und pflege ihre Familie sie.

Familie stand kurz davor, das Haus zu verlieren

Für diese begann mit dem Unfall auch eine finanzielle Durststrecke. Als das Krankengeld wegfiel, war die Familie kurz davor, das Haus zu verlieren: Die Ersparnisse waren weg, Kosten liefen weiter, und Rente zu bekommen, bedeutete noch vier Jahre Kampf und viele Gutachten.

Obwohl sie an dem Unfall damals keine Schuld trug, habe sie für ihren jetzigen Zustand kein Schmerzensgeld erhalten. Der sei erst seit ihrer Operation so und daher nicht direkt dem Unfall zuzuordnen. „Darauf berufen sie sich. Das ist Wahnsinn“, sagt sie.

„Wenn man einen Traumjob hatte und sehr sportlich war und dann gar nichts mehr machen kann ist, ist das schon …“, bricht sie mitten im Satz ab. „Aber ich habe meinen Enkel, meinen jüngsten Sohn und meine beiden Töchter – für sie kämpfe ich jeden Tag.“ (niem)

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