Kunstprojekt „Mensch sein“ lebt in Tölzer Marktstraße wieder auf: Wer macht noch mit?


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Die Tölzer Malerin Inge Friedl hob 2001 das Projekt „Mensch sein – was ist das?“ mit den Künstlerinnen und Künstlern der „Tölzer Art“ aus der Taufe.
Die Tölzer Malerin Inge Friedl hob 2001 das Projekt „Mensch sein – was ist das?“ mit den Künstlerinnen und Künstlern der „Tölzer Art“ aus der Taufe. Über 100 Künstler aus 22 Ländern machten mit. © Pröhl

Im Schaufenster des ehemaligen Hutgeschäfts Hillerbrand in der Marktstraße ist von nun an eine Kunst-Ausstellung zu sehen. Es handelt sich um die Bilder aus dem Projekt „Mensch sein“, das die Tölzerin Inge Friedl nach den Anschlägen aufs World Trade Center 2001 initiiert hatte. Das Thema Mitmenschlichkeit sei zeitlos aktuell, sagt die Künstlerin – und freut sich über neue Beiträge.

Bad Tölz – Seit Dezember war in dem Schaufenster der seit Jahren verwaisten Immobilie eine Krippe zu sehen gewesen. Wolfgang Friedl, der Vorsitzende des Tölzer Krippenvereins, ist der Ehemann von Inge Friedl. Die Kunstmalerin hatte für die Krippe – wie für einige andere in der Stadt auch – den Hintergrund entworfen. Mit dem Abbau wäre das Schaufenster in bester Lage nun wieder leer gestanden. „Das fand ich einfach schade“, sagt Inge Friedl. Deshalb sprach sie mit Hauseigentümer und Stadt ab, ob man nicht die Bilder wieder aufleben lassen könnte. „Ich freue mich sehr, dass die Idee gleich Anklang fand.“

Vom Schüler bis zum Senior: Alle Generationen machten mit

Das Projekt „Mensch sein“ entstand nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Friedl hatte sich zusammen mit den zehn Mitgliedern der Gruppe „Tölzer Art“ die Frage gestellt: „Mensch sein – was ist das?“ Über persönliche Kontakte ging diese Frage nicht nur durch Deutschland, sondern in 22 Ländern um die Welt, und 120 Antworten kamen zurück – verfasst von Menschen zwischen 12 und 93 Jahren. Sie alle haben auf persönliche Art und Weise geschrieben, was ihnen im Leben wichtig ist und was sie miteinander verbindet. Auch Hobbykünstler aus unter anderem Italien, Mexiko, China, Algerien, der Dominikanischen Republik, Afghanistan, Nepal, Senegal, Brasilien und Thailand beteiligten sich an der Aktion. Friedl erreichten Texte und Bilder mit Träumen, Sehnsüchten und Gedanken über den Wunsch nach einem friedlichen Zusammenleben.

Ausstellung zog damals weite Kreise

Der Bilder-Zyklus war damals nicht nur in Bad Tölz zu sehen, sondern auch im Kloster Benediktbeuern, in einer Münchner Kirche und in der Tölzer Partnerstadt in San Giuliano Terme. Er sorgte überall für viel Beachtung und Gesprächsstoff, und es gab sogar Schulprojekte dazu. Friedl freut sich, dass er nun wieder präsent wird. „Die Frage ist ja noch immer aktuell“, sagt die Malerin. „Und sie wird auch tatsächlich immer noch weitergetragen.“ Sogar in der Corona-Zeit habe sie noch Antworten bekommen.

Neue Beiträge sind willkommen

In dem Schaufenster erklärt sie auf einer Tafel das Projekt. Zudem zeigt sie ihr eigenes Bild einer Weltkugel, in der eine Lupe den Blick auf ein menschliches Gesicht freigibt – es war damals der „Auftakt“ zu dem Projekt. Die ersten beiden Text-Bilder, die Friedl ausgesucht hat, stammen von Inge Michalik und Ilse Korsitzki. „Etwa jeden Monat werde ich die Objekte wechseln“, sagt die Tölzerin. Wichtig war ihr auch, einen Spiegel ins Schaufenster zu stellen – „damit sich jeder selbst reflektieren kann“. Wer Lust hat, kann auch jetzt noch einen Beitrag dazu liefern. „Es ist jetzt eine andere Zeit, aber die Frage ist ja noch immer aktuell. In der Welt hat sich leider nicht viel zum Positiven geändert.“  

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Quellenlink https://www.merkur.de/lokales/bad-toelz/bad-toelz-ort28297/ausstellung-mensch-sein-lebt-in-marktstrasse-wieder-auf-92828921.html