Klima-Aktivisten nach Klebe-Aktion: „Kann nicht mehr zusehen“


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Von: Nikolas Pelke

„Letzte Generation“
Klimaaktivisten der Gruppe Letzte Generation blockierten in ganz Deutschland immer wieder Straßen. (Archiv) © Peter Kneffel/dpa

Vor fast genau einem Jahr haben sich vier Klima-Aktivisten aus Nürnberg mit den Händen auf eine Autobahnabfahrt festgeklebt und für einen Riesenstau gesorgt. Jetzt wurden sie verurteilt.

Nürnberg – Über mangelnde Aufmerksamkeit können sich die vier „Klima-Kleber“ aus Nürnberg nicht beschweren. Pünktlich zum Prozessauftakt am Mittwochmorgen haben sich zahlreiche Fotografen und Kamerateams in dem kleinen Saal des Amtsgerichts Nürnberg postiert. Über mangelnde Unterstützung müssen sich die vier Angeklagten ebenfalls nicht beklagen. Freunde und Unterstützer des „Aufstands der letzten Generation“ haben sogar vor dem Justizpalast eine spontane „Unterstützer-Demo“ veranstaltet.

„Letzte Generation“ in Nürnberg: Vier Aktivisten veruteilt

Gericht
Auch Maja hat sich zur Rettung des Klimas auf die Aufobahnausfahrt in Nürnberg geklebt und musste sich am Mittwoch vor dem Amtsgericht wegen schwerer Nötigung verantworten Foto NP.JPG © Nikolas Pelke

Kurz vor neun Uhr bahnen sich zuerst Maja und Sarah den Weg durch das Blitzlichtgewitter. Die beiden Studentinnen aus Nürnberg haben sich im letzten Februar gemeinsam mit einem 30-jährigen Energieberater und einem 57-jährigen Solartechniker mit den Händen auf die Fahrbahn einer Autobahnabfahrt des Frankenschnellwegs im Nürnberger Westen festgeklebt.

Unzählige Berufspendler mussten laut Anklage über eine Stunde im Stau stehen. Für eine Rettungsgasse sei laut Staatsanwalt kein Platz gewesen. Erst mithilfe der Berufsfeuerwehr sei es der Polizei gelungen, die festgeklebten Demonstranten wieder ohne Blessuren von der Fahrbahn zu entfernen. Am Mittwoch haben alle Angeklagten dem Amtsgericht ausführlich erklärt, warum sich die Klima-Aktivisten für die Klebe-Aktion entschieden haben.

Klima-Aktivistin: „Ich kann nicht mehr zusehen!“

„In Zukunft wird alles viel schlimmer“, befürchtet beispielsweise die 25-jährige Sarah, die eigentlich viel lieber Klavier spielen würde als die Klimakatastrophe zu bekämpfen. Viele Menschen müssten bald sterben, befürchtet Sarah und fängt fast an zu weinen. Ziviler Ungehorsam sei daher die einzige Lösung. Bürger- oder Frauenrechte sei auch nicht ohne Kampf errungen worden. „Ich kann nicht mehr zusehen, wie alles zerstört wird.“ Daher sei es richtig gewesen, sich mit den Händen auf die Fahrbahn zu kleben.

Gericht
„In Zukunft wird alles viel schlimmer“, befürchtet beispielsweise die 25-jährige Sarah, die eigentlich viel lieber Klavier spielen würde als die Klimakatastrophe zu bekämpfen.  © Nikolas Pelke

Der gleichen Meinung ist Maja. „Was sollen wir einmal unseren Kindern erzählen?“, fragt sich die 25-jährige. Dass die Autofahrer im Stau stehen mussten, tue ihr immer noch leid. „Aber ich habe das nicht aus Spaß gemacht. Wir schlittern in eine Klimakatastrophe“, befürchtet die „Klima-Rebellin“ und hofft darauf, dass die Aktion auf der Autobahnabfahrt als friedlicher Protest gewertet wird.

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Angeklagter Familienvater: Kinder müssen Klimawandel ausbaden

Auch der Energieberater und der Solartechniker haben lange Statements vom Blatt verlesen. In drastischen Worten malte beispielsweise der 30-jährige Energieberater den Klimanotstand an die Wand. Der 57-jährige Solarunternehmer legte sogar eine regelrechte „Klimabeichte“ ab. „Meine drei Kinder müssen einmal ausbaden, was wir Älteren mit unserem verschwenderischen Lebensstil verursacht haben“, befürchtet der Familienvater und hat nebenbei verraten, dass die Idee für die Klebe-Aktion auf dem inzwischen wieder abgebauten „Klima-Camp“ beim Rathaus entstanden sei.

Verteidigung plädiert vergeblich auf Freispruch

Vor dem Hintergrund des drohenden Klimawandels hat die Verteidigung für einen kompletten Freispruch für alle vier Angeklagten plädiert. Die Staatsanwaltschaft hat dagegen neun Monate auf Bewährung gefordert. Am frühen Nachmittag hat Richterin Claudia Bendick-Raum schließlich eine Geldstrafe für alle Angeklagten in Höhe von 40 Tagessätzen zwischen 10 und 60 Euro als Urteil verkündet.

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