Kita schließt kurzfristig wegen Personalmangel


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Von: Cornelia Schramm

In Rosenheim muss kurzfristig eine Kita-Gruppe aufgelöst werden, weil Personal fehlt. Eltern verzweifeln, weil sie so schnell keinen neuen Betreuungsplatz finden.

Rosenheim – Vergangene Woche fanden elf Familien aus Rosenheim eine Hiobsbotschaft im Briefkasten: Die Bienchen-Krippengruppe wird zum 28. Februar aufgelöst. Die Kinder haben bis September keinen Krippenplatz. Seit Monaten ringt die Kita Arche Noah in Rosenheim wie viele in Bayern um ausreichend Personal, um den Betrieb aufrecht zuhalten.

Kita in Rosenheim muss kurzfristig schließen: „Wahl zwischen Pest und Cholera“

Seit vergangenen September haben dort drei Fachkräfte gekündigt. Jetzt die Vierte. Ein Schock für die Eltern. Sabine Schmitt spricht von der Wahl zwischen Pest und Cholera. Sie ist die Verwaltungsleiterin der Kita Arche Noah sowie von acht weiteren Kitas in der Stadt. Träger ist der örtliche Katholische-Kita-Verbund. „Wir kämpfen mit massivem Fachkräftemangel. Entweder schließen wir die Krippen-Gruppe oder werden wegen Kindeswohlgefährdung angezeigt und riskieren so den Entzug der Betriebserlaubnis für die Einrichtung.“

Lecker, schmecker, Fischstäbchen: Kindergartenkinder schlemmen am Mittagstisch.
Lecker, schmecker, Fischstäbchen: Kindergartenkinder schlemmen am Mittagstisch. © Sebastian Kahnert/dpa

Das Bayerische Kinderbildungs- und Erziehungsgesetz schreibt pro Gruppe eine pädagogische Fachkraft, also einen Erzieher, vor. Nur von Kinderpflegern oder Ergänzungskräften betreut, sieht das Gesetz das Wohl der Kinder gefährdet. Für eine Gruppe der Arche Noah bedeutet das das Aus. Den Eltern die Schließung der Krippe mitzuteilen, ist Sabine Schmitt nicht leicht gefallen.

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Fachkräftemangel in Kitas trifft ganz Bayern

„Es war immer mal knapp, aber jetzt müssen wir zum ersten Mal eine ganze Gruppe schließen.“ Vier der elf Bienchen-Kinder – alle unter drei Jahren – kommen bei den Älteren in einer Kita-Gruppe unter. Die Eltern der anderen sieben stehen ab 1. März ohne Betreuungsplatz da. „Und daran hängt noch viel mehr“, sagt Schmitt und denkt an eine alleinerziehende Mutter oder an die Eltern, die eine Wohnung gekauft haben und auf zwei Gehälter angewiesen sind. Der massive Fachkräftemangel trifft nicht nur Städte wie Rosenheim oder München, weiß Lisa Pfeiffer vom Landesverband der Kita-Fachkräfte. Er trifft Bayern auch auf dem Land.

„Qualifiziertes Fachpersonal zu finden, ist seit der Pandemie noch schwieriger“, sagt sie. „Es werden zwar so viele Fachkräfte ausgebildet wie nie, aber gleichzeitig steigt auch der Bedarf an Betreuungsplätzen stetig.“ Am Beispiel der Stadt Rosenheim heißt das: Vor 20 Jahren wurden in 22 Kitas 1250 Kinder betreut. Heute in knapp 40 Kitas 2560 Kinder. Dazu kommt laut Pfeiffer, dass viele Erzieher nach wenigen Jahren im Beruf aufgeben: „Man spricht vom Realitätsschock: All jenen, die sich umorientieren, war die Belastung zu hoch.“

Gruppenauflösung belastet Kinder enorm

Vieles macht den Job seelisch und körperlich belastend: große Gruppen, enge Räume, ein permanent hoher Lärmpegel, viel Bürokratie-Aufwand, herausfordernde Kinder und Eltern. In der Arche Noah wechselte eine Erzieherin die Kita, um näher an ihrem Wohnort zu arbeiten; eine ist schwanger und zwei kehren dem Beruf komplett den Rücken. Wird eine Gruppe wie die der Bienchen in Rosenheim auseinandergerissen, belastet das auch die Kleinsten. „Kinder sind an ihre Betreuer, Tagesabläufe und die Räumlichkeiten gewöhnt“, sagt Pfeiffer.

„Umbrüche sind schwer.“ Sabine Schmitt, selbst gelernte Erzieherin, weiß das: „Das ist furchtbar für die Kinder. Je kleiner, desto personenbezogener sind sie. Aber ein häufiger Personalwechsel gehört in Kitas heute leider zur Realität.“ Umso mehr hat der Träger die letzten Tage versucht, eine Lösung für die sieben Bienchen und ihre Eltern zu finden, die schon bald ohne Betreuung zurechtkommen müssten. „Die Krippe-Gruppe schließt, aber kein Kind steht auf der Straße“, sagt Schmitt.

„Die Stadt hat bis Ende August eine Tagespflege in den Räumen der Krippe genehmigt: Zwei Tagesmütter können sich dort um die Krippen-Kinder kümmern.“ Eine Tagesmutter arbeitet freiberuflich und ist entsprechend qualifiziert – ist aber keine Erzieherin. Für die Kleinen aber bleiben zumindest Basteltisch und Bettchen die gleichen. 

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