Kampfpanzer – Was macht den Leopard 2 so bedeutsam für die Ukraine?


Kampfpanzer Leopard 2 auf dem Truppenübungsplatz Bergen bei einer Gefechtsvorführung

Kampfpanzer Leopard 2 bei einer Gefechtsvorführung (IMAGO / Björn Trotzki / IMAGO / Björn Trotzki)

Die Bundesregierung hat die Lieferung von “Leopard”-Panzern an die Ukraine angekündigt. Zudem wird es auch Drittstaaten erlaubt, die Panzer aus deutscher Produktion an die Ukraine zu liefern. Der stellvertretende ukrainische Außenminister Melnyk spricht von einem “Gamechanger” im Krieg. Und auch Militärexperten sehen große strategische Vorteile für die Ukraine.

Der Leopard 2 gilt als einer der besten und modernsten Kampfpanzer der Welt. Er ist gut 60 Tonnen schwer, 10 Meter lang und fährt mit einer Geschwindigkeit von bis zu 70 km/h. Die Vorteile des Leopard liegen nach Darstellung der Bundeswehr in der Kombination aus Feuerkraft, Panzerschutz und Beweglichkeit. Mit seiner Hauptwaffe, einer 120-Millimeter-Glattrohrkanone, können Ziele in mehreren tausend Metern Entfernung getroffen werden und das auch aus voller Fahrt. “Das können die sowjetischen beziehungsweise russischen Modelle, wie etwa der T-90, mit dieser Geschwindigkeit nicht”, erläutert der Militärhistoriker Ralf Raths gegenüber tageschau.de.

Kiew könnte Gegenoffensive starten

Der ehemalige Oberkommandierende der US-Armee in Europa, Ben Hodges, machte im US-Radiosender NPR deutlich, dass die Ukraine damit zu einem Schlag gegen den von Russland eroberten Korridor vom Donbass zur annektierten Halbinsel Krim ausholen könnte. Die Ukraine könnte mit westlichen Kampfpanzern einen schwer gepanzerten Verband bilden.

Der ukrainische Präsident Selenskyj hat den westlichen Staaten für die Bereitschaft, Kampfpanzer in die Ukraine zu entsenden, gedankt, allerdings auch betont, dass viele nötig sein werden. Laut Militärexperten ergibt es wenig Sinn, die Kampfpanzer westlicher Bauart nur vereinzelt einzusetzen. Sie müssten im Verbund agieren. Der Militärexperte Gustav Gressel vom European Council on Foreign Relations sagte im ZDF, die Ukraine sollte mindestens eine volle Brigade westlicher Panzer bekommen – also 80 bis 90 Exemplare.

Von den 14 europäischen Staaten, die Kampfpanzer des Typs Leopard 2 besitzen, hatten als erste Polen und Finnland die Bereitschaft signalisiert, Exemplare an die Ukraine zu liefern. Polen spricht von 14 Kampfpanzern, die es zur Verfügung stellen will. Mittlerweile haben auch die Niederlande und Norwegen ihre Bereitschaft erklärt. Norwegen würde vier oder acht Panzer bereitstellen, bei den Niederlanden wären es 18. Mit der Zustimmung Deutschlands, ebenfalls eigene Panzer zu entsenden, kommen noch etwa 14 Waffensysteme dazu. Inklusive der Ankündigung weiterer Länder stehe eine Zahl von 100 Leopard-Panzern zur Verfügung, heißt es von ukrainischer Seite. Zum Vergleich: 14 europäische Länder besitzen insgesamt rund 2.000 Leopard-2-Panzer. Wann die Panzer für die Ukraine zur Verfügung stehen, ist noch unklar.

Sowjetische Panzer als Auslaufmodell

Bislang kämpft die Ukraine mit sowjetischen T-72-Panzern. Doch deren Bestände schwinden nicht nur, auch Ersatzteile und Munition sind kaum mehr zu bekommen. Militärexperte Niklas Masuhr vom Center for Security Studies der Universität ETH in Zürich betonte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, die Nachrüstung sei erschwert, weil Russland viele Fabriken und Fertigungsstraßen etwa für Panzermunition zerstört habe. Die NATO-Staaten hätten ihre alten Reserven bereits zur Verfügung gestellt. Entsprechend rückten jetzt westliche Kampfpanzer wie der Leopard aus deutscher Produktion oder der Abrams aus den USA in den Fokus.

Ausbildung an verschiedenen westlichen Panzermodellen problematisch

Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Leopard 2-Modelle, angefangen mit dem vergleichsweise alten A4 bis hin zum neuen A7. Der Großteil der Lieferungen an die Ukraine dürfte A4- und A5-Modelle ausmachen, wie Polen etwa sie vorrätig hat. Die Unterschiede beziehen sich vor allem auf die Panzerung, die bei neueren Modellen deutlich verstärkt wurde. Auch die Lieferung von Leopard-1-Panzern, wie sie zuletzt der Rüstungshersteller Rheinmetall in Aussicht gestellt hatte, ist denkbar.

Das Problem: Die verschiedenen Modelle müssen teils unterschiedlich bedient werden. Das macht die Ausbildung ukrainischer Soldaten am westlichen Gerät komplexer. Zudem muss eine größere Zahl unterschiedlicher Ersatzteile beschafft werden. Der US-Panzer Abrams unterscheidet sich wiederum deutlich von den Leopard-Panzern. Nicht mit allen Modellen könnten die ukrainischen Brücken befahren werden, merkt der Militärexperte Gressel an. Schwere Modelle könnten zudem häufiger auf schlammigen Äckern feststecken. Eine zusätzliche Herausforderung für die Ukrainer: Ihre T-72-Panzer kommen mit drei Personen Besatzung aus. Bei den westlichen Modellen Leopard und Abrams wird eine Vier-Mann-Besatzung benötigt. Die bisherigen Besatzungen können also nicht einfach teamweise auf die neuen Modelle umgeschult werden.

Weiterführende Informationen

In unserem Newsblog zum Krieg in der Ukraine und seinen Auswirkungen finden Sie einen Überblick über die jüngsten Entwicklungen, den wir laufend aktualisieren.

Diese Nachricht wurde am 26.01.2023 im Programm Deutschlandfunk gesendet.



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