Handball-WM: Deutsche WM-Träume enden gegen Frankreich


Stand: 25.01.2023 22:20 Uhr

Deutschlands Handballer hatten insgeheim auf eine Überraschung gegen Olympiasieger Frankreich gehofft. Doch daraus wurde nichts. Trotz einer im ersten Durchgang guten Vorstellung verpassen die Deutschen das WM-Halbfinale. Am Ende stand in der Danziger Arena eine 28:35-(16:16)-Niederlage.

Vor allem die schwache Chancenverwertung und ein zu fehlerhaftes Angriffsspiel in der zweiten Halbzeit waren ausschlaggebend für die Niederlage, die den ersehnten Traum von einer WM-Medaille beendet. Deutschland kämpft nun nur noch um die Plätze fünf bis acht.

“Wir haben zu schlecht geworfen”

“Wir haben die freien Chancen nicht so genutzt genutzt, wie man das machen muss, wenn man das Halbfinale erreichen will”, sagte Kapitän Johannes Golla, mit sechs Toren bester deutscher Werfer. Seine Mannschaft habe den nächsten Schritt nach vorne gemacht bei diesem WM, “aber bis zur absoluten Weltspitze ist es noch ein weiter Weg”, sagte Golla.

Enttäuschtung auch bei Bundestrainer Alfred Gislason: “Wir haben zu schlecht geworfen. Wir hatten nicht die Wurfkraft aus dem Rückraum wie die Franzosen”, sagte der Isländer, der sich insgesamt aber mit der Entwicklung seiner Mannschaft zufrieden zeigte. Jetzt wolle er mit seinem Team noch den fünften Platz errreichen.

Torwart Wolff mit Klasse-Paraden

Die deutschen Handballer gingen das Vorhaben Halbfinale gegen den Favoriten konzentriert an. Von Beginn an zeigte die Mannschaft von Trainer Alfred Gislason eine gute Präsenz. Aus einer stabilen Deckung heraus und mit einem abermals sehr gut aufgelegten Torwart Andreas Wolff, der immer wieder beste Einwurfchancen der Franzosen zunichte machte, war Deutschland das bessere Team in der Anfangsphase.

Bis zur 15. Minute hatten sich Knorr, Golla und Co. eine 11:7-Führung erarbeitet. Doch die wurde durch leichte Fehler im Angriff innerhalb kurzer Zeit verspielt, die Franzosen glichen zum 11:11 aus. Frankreichs “Oldie” Nikola Karabatic zog immer wieder Siebenmeter, auch Nedim Remili stellte aus dem Rückraum die an sich gute deutsche Deckung vor Probleme.

“Rassiges Spiel mit hohem Tempo”

Das Tempo des Spiels blieb ungemein hoch und auf hohem Niveau. Beide Mannschaften schenkten sich nichts. Bei noch konsequenterer Chancenverwertung wäre für die deutsche Auswahl gegen den vierfachen Weltmeister zur Pause mehr drin gewesen als das 16:16. Damit konnten die Deutschen nicht ganz zufrieden sein.

“Es ist ein rassiges Spiel mit Riesen-Tempo und Riesen-Herz von beiden Seiten”, meinte DHB-Vorstand Axel Kromer zur Pause, “nach der Vier-Tore-Führung hatten wir zuviele Ballverluste und etwas zuviel Risiko, das wir allerdings auch brauchen gegen solch einen Gegner.”

Verzweifelt an Desbonnet

Würden die Deutschen weiter mithalten können gegen den Titel-Mitfavoriten? Zunächst sah es sehr gut aus. Das Gislason-Team kam beherzt aus der Kabine und zog nach Toren von Häfner, Golla und Knorr auf 20:18 davon. Doch wie in der ersten Halbzeit schlichen sich leichte Fehler ins deutsche Spiel. Zudem fand der französische Ersatzkeeper Remi Desbonnent, der zur Pause für Vincent Gerad gekommen war, immer besser ins Spiel und brachte die deutschen Werfer zur Verzweiflung.

Frankreich machte aus dem 18:20 eine 23:20-Führung (44.). Diesen Rückstand konnte die Deutschen nicht mehr wettmachen, zumal sie leichten Fehler in der Offensive nicht abstellen konnten und Desbonnet im Tor der Franzosen weiter über sich hinauswuchs. Am Ende hatte der Mann von HB Montpellier sogar eine bessere Paradenquote als der ebenfalls herausragende Andreas Wolff.

In der Offensive konnten Juri Knorr, Johannes Golla und Kai Häfner nicht die erhofften Akzente setzen. Bei 30:25 in der 53. Minute war eine Vorentscheidung gefallen. Diesen Vorsprung ließen sich die abgezockten nicht mehr nehmen und sahen am Ende einem leichten und deutlichen 35:28-Sieg entgegen, der sicher den einen oder anderen Treffer zu hoch ausfiel.

Jetzt gegen Ägypten um die Platzierung

Frankreich trifft nun im Halbfinale in Stockholm auf Schweden, während es für Deutschland in der Platzierungsrunde um die Plätze fünf bis acht. Nächster Gegner ebenfalls in Stockholm ist am Freitag (27.01.2023, live im Ersten und auf Sportschau.de) Afrikameister Ägypten. Gewinnt Deutschland, geht es am Sonntag ins Spiel um Platz fünf.



Quellenlink https://www.sportschau.de/handball/wm/handball-wm-deutschland-frankreich-100.html