Gier nach Öl: Venezuela will Nachbarregion annektieren


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Venezuela erhebt Anspruch auf das benachbarte Gebiet Essequibo. Das Säbelrasseln nimmt zu. Dabei geht es vor allem um die Ölvorkommen Guyanas.

Caracas – Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro hat angekündigt, das ölreiche Gebiet Essequibo im Nachbarstaat Guyana zu einer venezolanischen Provinz deklarieren zu wollen. Der Schritt erfolgt nach einer umstrittenen Volksabstimmung, bei der die Bevölkerung des Landes nach Angaben der autoritären Regierung mit großer Mehrheit für eine Teilannexion des Nachbarstaats gestimmt hatte.

Nicolás Maduro gelüstet es nach dem Öl Essequibos.
Nicolás Maduro gelüstet es nach dem Öl Essequibos. © IMAGO/Ton Molina

Knapp 96 Prozent der Befragten hatten am Sonntag (03. Dezember) die Frage bejaht, ob ein neuer venezolanischer Bundesstaat namens Guayana Esequiba geschaffen werden soll. Das teilte die Wahlbehörde CNE mit. Die dortige Bevölkerung soll dann die venezolanische Staatsbürgerschaft bekommen.

Ölförderlizenzen nach venezolanischem Recht – Der Ressourcenreichtum beflügelt Maduros Gelüste

Präsident Nicolás Maduro zeigte bei einer Regierungssitzung am Dienstag (05. Dezember) eine neue Landkarte, die in Schulen eingesetzt werden soll. Das berichtet der Spiegel. Der umstrittene Teil des Nachbarlandes sei darauf als 24. venezolanischer Bundesstaat ausgewiesen gewesen. Zudem habe Maduro erklärt, dass in dem Territorium nach der Annexion Ölförderlizenzen nach venezolanischem Recht vergeben werden sollen.

Damit hat der Präsident erneut Öl ins Feuer eines seit langer Zeit schwelenden Konflikts gegossen. Die Auseinandersetzung wurzelt in territorialen Ansprüchen aus dem 19. Jahrhundert, als Venezuela und das Vereinigte Königreich, das zu dieser Zeit die Kolonialmacht von Britisch-Guayana (heute Guyana) war, über die Grenzen stritten. Dies konnte bis heute nicht gelöst werden und wird durch den Reichtum an natürlichen Ressourcen in der Region weiter verstärkt. Die letzte Verschärfung gab es, als 2015 vor der Küste Essequibos große Ölvorräte gefunden wurden. Erst im Oktober wurden weitere Ölreserven ausfindig gemacht. Dieser Fund vergrößert die Reserven Guyanas auf mindestens zehn Milliarden Barrel.

Nicolás Maduro erkennt das Urteil des IStGH nicht an – und droht mit einem großen Arsenal

Erst am Freitag (01. Dezember) hatte der Internationale Gerichtshof in Den Haag entschieden, dass ein Schiedsspruch aus dem Jahre 1899 über die Grenzziehung zwischen beiden Staaten rechtskräftig ist. Maduro erkennt die Entscheidung des Gerichts jedoch nicht an, da er ihm die Zuständigkeit abspricht. Stattdessen droht er dem Guayana mit militärischen Konsequenzen. Dabei baut er auf das gut ausgerüstete Militär, das trotz politischer und wirtschaftlicher Spannungen im Land größtenteils stets loyal gegenüber der Regierung war. Zum Arsenal des Landes gehören unter anderem:

  • 92 sowjetische T-72B1 Panzer
  • 82 französische AMX-30V Panzer
  • 78 britische Scorpion-90 Panzer
  • 123 russische BMP-3 Schützenpanzer
  • 114 russische BTR-80A Schützenpanzer

Die Gelegenheit für einen Einmarsch erscheine günstig, da sich die USA auf die Kriege in Gaza und in der Ukraine konzentrieren, wie der Tagesspiegel schreibt. Zudem habe Wladimir Putin mit der Invasion der Ukraine eine Blaupause für derartige Völkerrechtsverstöße geliefert. In Südamerika gehe die Angst vor einem Krieg um, Brasilien habe bereits seine Grenztruppen in der Region verstärkt.

Ein Einmarsch wäre eine „schwerwiegende Fehlkalkulation“ – Scharmützel entlang der Grenze wahrscheinlich

Guyanas Generalstaatsanwalt Anil Nandlall hatte zuvor angekündigt, er werde den Uno-Sicherheitsrat um Hilfe bitten, sollte Venezuela nach dem Referendum weitere Schritte unternehmen. Der Guyanische Präsident Bharrat Jagdeo wies bereits vergangene Woche bei einer Pressekonferenz auf gemeinsame Militärübungen mit den USA hin. Er wisse „nicht, ob sie sich aufgrund der Geschehnisse auf der Krim und an anderen Orten verrechnet haben, aber es wäre eine schwerwiegende Fehlkalkulation ihrerseits“, so Jagdeo. Sicher ist, dass ein Einmarsch Venezuelas von der internationalen Gemeinschaft nicht unbeantwortet bleiben würde.

Phil Gunson, ein in Caracas ansässiger Analyst der International Crisis Group sagte gegenüber CNN, er glaube nicht, dass Venezuela die Absicht habe, ohne die Unterstützung seiner Verbündeten Russland und China, in den Essequibo einzudringen. Da der innenpolitische Druck auf Maduro jedoch zunehmen dürfte, auf das Referendum Taten folgen zu lassen, könne dieser versucht sein, Scharmützel entlang der Grenze zu provozieren. Das gelte insbesondere im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr. „Die Kriegslust ist auf beiden Seiten der Grenze zu spüren, und da es sich keiner von beiden leisten kann, einen Rückzieher zu machen, begibt man sich auf das etwas gefährliche Terrain möglicher militärischer Zusammenstöße“, so Gunson. (tpn)



Quellenlink https://www.merkur.de/politik/venezuela-oel-annexion-und-drohung-arsenal-essequibo-guyana-grenzkonflikt-zr-92717402.html