Gianni Infantino: Fifa-Chef bezeichnet Kritik an WM als “heuchlerisch”


WM 2022 in Katar
“Das ist heuchlerisch”: Fifa-Boss Infantino greift WM-Kritiker an

Fifa-Chef Gianni Infantino bei einer Pressekonferenz bei der WM in Katar

Im Angriffsmodus: Fifa-Chef Gianni Infantino möchte die anhaltende Kritik an WM-Gastgeber Katar nicht mehr hören.

© Anne-Christine Poujoulat / AFP

Mit drastischen Worten weist Fifa-Chef Gianni Infantino jegliche Kritik an WM-Gastgeber Katar zurück. Vor allem Kritik aus Europa sieht der Schweizer als “heuchlerisch” an und verweist auf die Geschichte.

Fifa-Präsident Gianni Infantino hat einen Tag vor dem Eröffnungsspiel eine “Doppelmoral” westlicher Nationen gegen WM-Gastgeber Katar angeprangert. “Ich denke, was wir Europäer in den vergangenen 3000 Jahren weltweit gemacht haben, da sollten wir uns die nächsten 3000 Jahre entschuldigen, bevor wir anfangen, moralische Ratschläge an andere zu verteilen”, sagte der 52-Jährige während einer Pressekonferenz am Samstag in Al-Rajjan. Es sei “traurig”, diese “Doppelmoral” erleben zu müssen.

Katar steht seit Jahren wegen des schlechten Umgangs mit Menschenrechten sowie den Lebensbedingungen für ausländische Arbeiter in der Kritik, die auch von unabhängigen Organisationen wie Amnesty International geäußert wurde. Die Regierung des Emirats weist das zurück. 

Gianni Infantino: Katar und die Fifa kümmern sich um die Arbeiter

“Wie viele dieser westlichen Unternehmen, die hier Milliarden von Katar erhalten – wie viele von ihnen haben über die Rechte von Arbeitsmigranten gesprochen? Keiner von ihnen”, sagte Infantino, ohne Beispiele anzuführen. “Wer kümmert sich um die Arbeiter? Wer? Die Fifa macht das, der Fußball macht das, die WM macht das – und, um gerecht zu sein, Katar macht es auch.”

Er verstehe nicht, wieso die Fortschritte in Katar nicht anerkannt würden, sagte der Fifa-Präsident, der in Doha einen Nebenwohnsitz hat. “Diese Art und Weise, einseitig Lektionen erteilen zu wollen, das ist heuchlerisch.”

Seine Pressekonferenz eröffnete der Schweizer mit: “Heute fühle ich sehr starke Gefühle, heute fühle ich mich als Katarer, heute fühle ich mich als Araber, heute fühle ich mich afrikanisch. Heute fühle ich mich homosexuell. Heute fühle ich mich behindert, heute fühle ich mich als Arbeitsmigrant.”

Infantino garantiert Sicherheit für queere Menschen

Der Fifa-Boss sicherte allen queeren Menschen einen Tag vor der Eröffnung der Weltmeisterschaft in Katar zu, dass sie im Land des WM-Gastgebers herzlich willkommen und sicher sind. “Ich kann bestätigen, dass hier alle willkommen sind”, sagte der 52 Jahre alte Präsident des Fußball-Weltverbandes am Samstag in Al-Rajjan. “Es ist eine klare Anforderung der Fifa, dass alle, die herkommen, willkommen sein müssen. Egal, welche Religion, Hautfarbe oder sexuelle Orientierung sie haben.” Die katarische Regierung halte sich daran, betonte der Fifa-Chef.

Die Sicherheit und Freiheit der Menschen der LGBTQI+-Community ist neben den Lebensbedingungen für die Millionen ausländischen Arbeiter in Katar eines der großen und besorgniserregenden WM-Themen. Infantino betonte auf Nachfrage, alle Menschen seien in Katar sicher. “Die Sicherheit ist von der höchsten Ebene des Landes garantiert. Das ist eine Garantie, die wir ausgesprochen haben und hinter der wir stehen.”

Infantino betonte, Veränderungen erreiche man nur im Dialog. “Wenn jemand denkt, es reicht, harsche Kritik zu üben, das nützt nichts, das wird als Provokation gesehen”, sagte der Schweizer. “Die Reaktion wird dann eher sein, sich noch mehr zu verschließen.” 

Wandel brauche Zeit, auch er selbst habe seine Haltung gegenüber diesen Themen im Laufe der Jahre verändert. “Natürlich bin ich überzeugt, dass es erlaubt sein sollte, aber auch ich habe einen Prozess durchlaufen”, sagte er in Bezug auf drohende Strafen für Homosexuelle in Katar. Laut Gesetz ist Homosexualität in dem Land verboten und wird mit bis zu sieben Jahren Gefängnis bestraft. Kurz vor der WM hatte Katars WM-Botschafter Khalid Salman in einem ZDF-Interview Homosexualität als einen “geistigen Schaden” bezeichnet.

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DPA



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