Gestalterin aus dem Vogtland erweckt Holz aus der Eiszeit wieder zum Leben | Freie Presse


Steffi Bauer ist Holzdesignerin und stellt vielfältige Produkte her. Jetzt ist sie im Besitz ganz seltener Holzstücke gelangt, die vermutlich noch aus der letzten Eiszeit stammen. Was sie damit vor hat.

Tiefenbrunn/Plauen.

Steffi Bauer ist Holzdesignerin und stellt aus verschiedenen Holzmaterialien kreative Objekte her, die sie in ihrem Geschäft in der Rosengasse in Plauen verkauft. Von Deko-Artikeln bis Kleinmöbel reicht ihr Spektrum. Jetzt ist sie in Besitz ganz besonderer Fundstücke gelangt.

Von einer Bekannten hat sie mehrere Holzstücke vermittelt bekommen, die nach Einschätzungen von Experten noch aus der letzten Eiszeit stammen. Schätzungen zufolge seien sie 20.000 bis 30.000 Jahre alt. Koordinaten des Fundortes verweisen auf eine Kiesgrube in Burgheim bei Ingolstadt, in der das Holz über all die Jahre fast keinen Umwelteinflüssen ausgesetzt war. “Meine Bekannte arbeitet mit Geologen zusammen, die sich mit bestimmten Ausgrabungen rund um den Münchner Raum beschäftigen. Da dieses Holz bereits vor 20 bis 25 Jahren gefunden wurde, ist es umfassend analysiert und dokumentiert worden. Jetzt wurde es zur weiteren Verwendung freigegeben”, sagt Steffi Bauer. Welche Holzart es ist, ließe sich auf Grund des Alters nicht so einfach bestimmen. Dazu müsse man herausfinden, welche Bäume es damals gab. Den Zustand der Holzstücke beschreibt Bauer teilweise als porös, aber vor allem auch als extrem hart. Die Farbgebung ist sehr dunkel bis schwarz.

Jetzt möchte sie das alte Holz wieder zum Leben erwecken. “Aus der Konstitution des Materials lässt sich noch etwas machen. Da es sich um einzelne Stücke handelt, kann ich bestimmt daraus noch verschiedene Deko-Artikel herstellen, aber große Objekte sind nicht möglich”, so die 43-Jährige. Mit dem Material arbeiten zu können, beschreibt sie als einen Glücksfall. “Ich hätte nie gedacht, einmal an so altes Holz zu gelangen und damit etwas herstellen zu können. Es ist etwas ganz Besonderes”, freut sich Steffi Bauer.

Die Holzarbeit ist bei ihr aus einem Hobby heraus entstanden. Wie sie erzählt, habe sie schon immer ein Faible für Kreatives gehabt. “Ich war schon immer eine Bastelliese und habe gerne dekorative Dinge aus verschiedenen Materialien gebastelt, bis ich irgendwann beim Holz hängen geblieben bin. Es ist einfach ein interessantes Material, dass sich sehr gut und vielseitig bearbeiten lässt. Es reizt mich, daraus optisch schöne Dinge entstehen zu lassen”, sagt sie. Für ihre Arbeit nutzt Steffi Bauer in der Regel Holzarten aus der Umgebung im Vogtland. Das können einzelne Äste sein, die sie in der Natur findet, oder auch ganze Bäume, die durch Sturmschäden beseitigt werden müssen. Mit Hilfe eines Landwirtschaftsbetriebes transportiert sie diese dann meist selbst ab und lagert sie erst einmal ein.

Verarbeitet wird dann alles in einer Werkstatt in Tiefenbrunn bei Eichigt. Dort entstehen unter anderem Couchtische, Beistelltische, Hocker, Spiegelschränke, Stehlampen, Uhren, Kerzenhalter bis hin zu Frühstücksbrettchen und Holzfiguren. Großmöbel werden nicht hergestellt. Unterstützt wird sie dabei von ihrem Mitarbeiter Arne Hirschligau, der auch im Geschäft in Plauen als Kundenberater tätig ist. Hierher kommen auch Kunden, die individuelle Wünsche haben. “Oft kommen die Ideen von der Kundschaft selbst. Mit ihnen gemeinsam entwickeln wir das Produkt. Das Schöne daran ist, dass ich dadurch immer wieder neu herausgefordert werde und neue kreative Ansätze bekomme, die es gilt umzusetzen. Das ist immer wieder sehr spannend”, erzählt Steffi Bauer.

Ihr Handwerk hat die Holzkünstlerin in den letzten Jahren immer weiterentwickelt und zu einer Marke gemacht, die sich Steba Design nennt. Unterstützt wurde sie anfangs von ihrem Vater, der Gerätschaften für die Werkstatt beisteuerte und somit einen Anteil daran hat, dass ihr Gewerbe schnell wachsen konnte. Mittlerweile ist Steffi Bauer breit aufgestellt. Sie ist mit ihren Produkten in der Seidel Wohnwelt in Auerbach vertreten. Auch für Projekte wird sie angefragt. Aktuell ist sie in einem Projekt der Diakonie Plauen eingebunden, das von der Bundesagentur für Arbeit gefördert wird. Dabei wird versucht, Langzeitarbeitslose zurück in das Berufsleben zu führen. Eine Aufgabe, die sie als sehr sinnvoll erachtet. Konkret führt sie mit den arbeitslosen Menschen Holzarbeiten durch, um ihnen Grundlegendes wie Teamfähigkeit, Pünktlichkeit, Geduld und Ausdauer zu vermitteln. Steffi Bauer: “Es ist ein tolles Gefühl, mit meiner Arbeit anderen Menschen zu helfen, sie an eine selbstständige Tätigkeit heranzuführen, Fähigkeiten zu vermitteln und ihnen gleichzeitig etwas mit auf den Weg zu geben.”



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