Franziska Wanninger in Pöcking: Wunderbar komische Weisheiten – Starnberg


Franziska Wanninger steht auf der schwarz dekorierten Bühne und spricht davon, wie sehr sie es genießt, nach Corona wieder vor echten Menschen zu stehen und zu lachen. Überhaupt sollte man dankbar sein im Leben und beispielsweise barfuß über ein Erdbeerfeld spazieren oder sich über den einzigen Stern am Himmel freuen, auch wenn es nur die Beleuchtung eines Krans ist. “Wir haben es selbst in der Hand”, erklärt sie. Deshalb hat sie ihr Programm auch “Für mich soll’s rote Rosen hageln” genannt. Sie hat den Song von Hildegard Knef aus dem Jahr 1968 also leicht abgewandelt, in dem es heißt: “Die Welt sollte sich umgestalten und ihre Sorgen für sich behalten.”

Wegen der Sanierung der Starnberger Schlossberghalle musste Veranstalter Wolfgang Ramadan mit seiner “Brotzeit und Spiele”-Reihe nach Pöcking ausweichen. Wie der Auftritt von Franziska Wanninger zeigte, nahm das Publikum den neuen Standort sehr gut an, der Saal war fast voll. Ramadan will vom kommenden Jahr an zweigleisig fahren. Er bleibt in Pöcking und geht zudem nach dem Abschluss der Bauarbeiten zurück nach Starnberg. Kabarett-Fans können also künftig aus zwei Abo-Angeboten auswählen.

Wenn in Nussschokolade Nüsse sind – was ist dann in Kinderschokolade?

In Krisenzeiten will Wanninger Optimismus verbreiten. Die Leute sollen das Leben nicht so ernst nehmen und sich lieber mit den kleinen Dingen des Alltags trösten. Das einzig Gute an Corona sei gewesen, dass man nur Menschen getroffen habe, die man wirklich mochte, stellt sie fest. Doch jetzt ist wieder alles anders – und vieles geht Franziska Wanninger auf den Wecker, beispielsweise Leute, die stets etwas zum Meckern haben oder humorbefreite “Gscheidhaferl” sind. Dann stellt sie sich vor, wie arm deren Leben ist, wenn sie sich hinter ihren Gabionen-Zäunen verschanzen. “Wer weiß, ob die in Stonehenge auch nur ihre Ruhe vor den Nachbarn haben wollten?”, fragt sie sich dann. Es sind die kleinen Dinge des Alltags, über die sich Wanninger Gedanken macht. “Wenn in der Nussschokolade Nüsse sind und in der Vollmilchschokolade Vollmilch – was ist dann in der Kinderschokolade”, fragt sie und das Publikum biegt sich vor Lachen.

Wanninger ist zwar in Altötting aufgewachsen, also in Oberbayern. Doch sie beherrscht neben Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch auch den niederbairischen und den schwäbischen Dialekt perfekt. Blitzschnell wechselt sie ihre Rollen, ist einmal ihre Freundin Petra, die so schnell nicht wieder heimgeht, die Influencerin, die Esslöffel als Schönheitsgerät verkauft, oder die Großstädterin mit Selbstoptimierungswahn. Als Teilnehmerin eines Dating-Portals fragt sie sich, ob sie nicht lieber bei Egon bleiben soll, der alles für sie macht und sich am Ende als Thermomix herausstellt. Als Ehefrau will sie ihren Mann gut versorgt wissen, falls sie stirbt. Von 22 Uhr an wird darum die Außentür verriegelt und der Strom abgestellt, damit er nicht “Halligalli” machen kann.

Politische Seitenhiebe oder zynische Bosheiten sind nicht das Ding der studierten Gymnasiallehrerin. Ihr Thema ist das Leben an sich, der Alltag und die Auswirkungen auf die Gesellschaft. Das wird herumgewälzt und von allen Seiten beleuchtet, während sie immer wieder ihre langen Haare aus dem Gesicht streicht und mit erstaunlich guter Stimme das Lied von den roten Rosen singt. Am Ende gab es wahre Beifallstürme für Wanningers wunderbar komische Lebensweisheiten.



Quellenlink https://www.sueddeutsche.de/muenchen/starnberg/poecking-kabarett-franziska-wanninger-beccult-1.5703472