Feuerwehr probt Unfalleinsatz am Chemnitztaladweg | Freie Presse


Bei einer Sonderfahrt im Schweizerthal ist die Museumsbahn mit einem Auto zusammengestoßen, 20 Personen wurden verletzt: Eine Übung am Freitagabend hat einige neue Erkenntnisse gebracht.

Markersdorf/Taura.

Conny Helmert fährt mit der Museumsbahn durchs beschauliche Schweizerthal: eine Sonderfahrt. Mit bis zu 18 Kilometer pro Stunde ist die 37-Jährige mit dem Chemnitztalexpress des Vereins der Eisenbahnfreunde unterwegs. An der Kreuzung im Amselgrund sieht sie plötzlich ein Auto auf den Schienen. Sie bremst, kann aber den Aufprall nicht verhindern.

Das Szenario eines solchen Unfalls am Bahnübergang hat der Verein gemeinsam mit Feuerwehr, Polizei und Malteser-Hilfsdienst am Freitagabend bei Markersdorf geprobt. “Dort ist eine enge und gefährliche Stelle”, sagt Vereinschef Robin Helmert, der die Aktion organisiert hat. Die Rettungskräfte könnten nur auf dem schmalen Chemnitztalradweg aus Richtung Alte Mühle fahren. “Dabei zählen Sekunden, um Menschleben zu retten”, sagt der 40-Jährige. Helmert ist selbst Lokführer und kennt vergleichbare Situationen aus seinem Arbeitsalltag, zuletzt auf einer Bahnstrecke in Franken. “Zum Glück gab es keine Verletzten”, sagt der Diethensdorfer. Er erinnere sich zudem an ähnliche Vorfälle im Stadtgebiet von Chemnitz, wo es öfters mal zu Unfällen zwischen Pkw und Straßenbahnen komme. Deshalb habe er so eine Übung organisiert.

Seine Schwester, die die Museumsbahn steuert, erwischt es bei dem angenommenen Unfall schwer – eine Kopfverletzung. Der Mann im Transporter ist Silvio Storch. Der 41-Jährige hätte warten und dem Schienenfahrzeug Vorfahrt gewähren müssen. Sein Kopf hängt zur Seite: Die Rettungskräfte diagnostizieren später einen Schädelbasisbruch.

Kurz nach 19.15 Uhr, als Einsatzleiter Robin Helmert den Notruf 112 abgesetzt und die Köthensdorfer und Tauraer Ortsfeuerwehren gerufen hat, ertönt im Schweizerthal das Tatütata von zwei Feuerwehrfahrzeugen. Ein Mannschaftswagen folgt, dahinter die Schnelle Einsatzgruppe (SEG) des Malteser-Hilfsdienstes, die zur Rettungswache Burgstädt gehört. “Wir kommen, wenn es einen großen Unfall gibt”, erläutert Andreas Grüneberg, Vize-Chef der Truppe. Die Einheit ist als Reserve für den Landkreis Mittelsachsen gedacht, um im Falle einer Großschadenslage – beispielsweise ein Chemieunfall oder ein schwerer Verkehrsunfall – schnell unterstützen zu können. Vergleichbar ist das mit einer freiwilligen Feuerwehr – nur für den Rettungs- und Sanitätsdienst. Die SEG wurde im Jahr 2020 gegründet, der Einsatz im Chemnitztal ist die erste große Übung.

Inzwischen gibt der Tauraer Gemeindewehrleiter Marcel Kroll klare Anweisungen an seine Truppe. Die Verletzten werden versorgt. Kevin Schneider läuft aufgeregt hin und her. Der 13-Jährige aus Köthensdorf ist einer von etwa 15 Komparsen. “Er hat einen Schock”, sagt Stephanie Mäßig vom Grünaer Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes. Sie ist spezialisiert auf die Notfalldarstellung. Bevor es zum fingierten Unfall kommt, hat sie die Komparsen, die auf der Museumsbahn gefahren sind, geschminkt. Einige Mädchen und Jungen gehören zur Jugendfeuerwehr Köthensdorf. “Es ist einfach mal spannend, dabei zu sein”, sagt Bruno von Germar. Der Zwölfjährige besucht die Diesterwegschule in Burgstädt. Bei ihm wird eine Knieverletzung festgestellt. Florian Römer hat einen Nasenbruch, überall läuft Blut – “mit Knete ist der Bruch geformt, mit Puder ein Bluterguss markiert und mit Kunstblut wird die Wunde echt dargestellt”, erläutert Mäßig. Für den 13-Jährigen ist die Übung eine neue Erfahrung. Seit fünf Jahren gehört er der Jugendfeuerwehr an, “ich helfe gern und würde gern Menschenleben retten”, erzählt er. Inzwischen habe er seinen Vater für die Freiwillige Feuerwehr Köthensdorf begeistern können.

Nach knapp einer Stunde sind alle Verletzten versorgt. Feuerwehr-Einsatzleiter Kroll klärt mit der Polizei die Beräumung der Unfallstelle. “Normalerweise kommt bei einem Bahnunfall die Bundespolizei”, sagt Polizeihauptkommissarin Pia Lau vom Polizeirevier Rochlitz. Die 61-Jährige hatte zuvor mit ihren zwei Mitstreiterinnen die Zufahrt des Chemnitztalradweges von der Alten Mühle aus gesperrt, damit die Einsatzfahrzeuge ungestört passieren konnten. Normalerweise werde das Unfallfahrzeug von der Polizei abgeschleppt und untersucht, ob eventuell technische Mängel vorliegen. Zudem müsse sich der Fahrer einer Alkoholkontrolle unterziehen.

Am Ende konstatiert Feuerwehrchef Marcel Kroll eine gute Leistung seiner Truppe. Einsatzleiter Robin Helmert verweist auf die Gefahren, die an der engen Stelle bestehen. Bei einer Rettung der Verletzten sei der Abtransport schwierig, weil es keine Wendemöglichkeit gibt. Auch ein Bewohner der Wochenendsiedlung im Amselgrund gesellt sich dazu: “Wir haben schon immer auf die Gefahren beim Bau des Chemnitztalradweges aufmerksam gemacht”, sagt der 57-Jährige. Es gebe zu wenig Ausweichstellen.



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