Felix Neureuther zeichnet düsteres Ski-Szenario – neue Idee für Weltcup-Auftakt


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Im Streit um den frühen Auftakt des Ski-Weltcups in Sölden legt Felix Neureuther nach. Er fordert eine Verlegung und ein Ski-Sommertrainings-Verbot.

Sölden – Die Bilder von Baggerarbeiten am knapp 3000 Meter hoch gelegenen Rettenbachferner in Sölden gingen im Netz viral. Wegen des starken Rückgangs des Gletschers waren dort massive Eingriffe an der Trasse der Weltcupstrecke vorgenommen worden. Nach Einschätzung des früheren Weltklasse-Skifahrers Felix Neureuther (39) haben die Bagger-Bilder dem Skisport Schaden zugefügt. „Die Frage ist doch: Müssen wir am Gletscher herumbuddeln, damit ein Skirennen stattfinden kann? Nein, das braucht es nicht. Da denkt sich jeder: Wenn ich solche Bilder sehe, weiß ich nicht, ob ich überhaupt noch Skifahren gehen soll“, sagte Neureuther bei der Präsentation seines neuen Buchs „Das Erbe der Alpen“ im Sporthaus Schuster am Münchner Marienplatz.

Felix Neureuther zeichnet düsteres Ski-Szenario – neue Idee für Weltcup-Auftakt

Erneut warb Felix Neureuther dafür, den traditionellen Weltcup-Auftakt um Sölden um drei bis vier Wochen zu verlegen. „Ich bin immer gerne in Sölden gefahren und halte den Hang dort für perfekt, um darauf einen Weltcup-Auftakt auszurichten. Das soll auch so bleiben. Aber der Termin Ende Oktober ist einfach zu früh“, so Neureuther. Diese Meinung vertritt der ehemals beste deutsche Skifahrer bereits seit Jahren. Jetzt bekräftigte er erneut seine Position und forderte den Ski-Weltverband FIS auf, in der Folge den Weltcup-Terminkalender zu ändern.

Das Rennprogramm hält Neureuther ohnehin für überladen, wie er gegenüber Münchner Merkur und tz erklärte. Es beinhalte unter anderem zu viele Disziplinen. „Der Weltcup muss wieder vereinfacht werden, so dass ihn die Leute auch verstehen. Und man muss sich schon auch fragen, ob es dem Zeitgeist entspricht, wenn der Weltcup-Tross zwei Mal pro Saison nach Übersee reist.“ Der Hintergrund: In Nordamerika finden Anfang Dezember und Ende Februar Herren-Wettbewerbe statt.

„Sommertrainings-Verbot auf Gletscher würde helfen, den Weltcup wieder glaubwürdiger zu machen“

Generell müsse sich die Organisation des Ski-Weltcups ändern, findet Neureuther. So fordert der Garmisch-Partenkirchner ein Verbot des Ski-Sommertrainings auf den Gletschern. „Das würde helfen, um den Weltcup wieder glaubwürdig zu machen. Eine Schneepause würde auch den gestressten Körpern der Athleten gut tun und die Geldbeutel der Skiverbände schonen.“ Gerade für Nachwuchsfahrer sei das Ski-Sommertraining auf Gletschern ein Riesen-Aufwand. Noch dazu sei es sehr teuer. „Wenn es so weitergeht, werden nur noch die Kinder reicher Eltern Skirennläufer werden können“, kritisierte Neureuther.

Generell glaubt Neureuther, dass sich der Skisport immer mehr weg vom Breitensport hin zu einer Luxusveranstaltung entwickeln wird. Die jetzt schon hohen Skipass-Preise werden seiner Prognose nach vor dem Hintergrund steigender Energiepreise weiter steigen. „Bei den Skipasspreisen ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Und zur Wahrheit gehört auch: In den Alpen sind die Tickets noch vergleichsweise günstig. In Nordamerika kosten die Tagestickets oft mehr als das Doppelte“, weiß Neureuther.

Felix Neureuther fordert vor der Kulisse eines Alpenpanoramas Reformen im Ski-Weltcup
Fordert Reformen im Ski-Weltcup: der frühere Weltklasse-Athlet Felix Neureuther (39) aus Garmisch-Partenkirchen. © Oliver Bodmer

Ski-Star fordert: Skigebiete stärker nach Energie- und Umweltschutzmaßnahmen bewerten

Die kritische Entwicklung im Skisport bedauert er sehr – zumal er nach wie vor für den Skisport brennt: „Skifahren ist Kultur, es gehört zu den Bergen, macht den Menschen Freude, zaubert funkelnde Augen in die Gesichter der Kinder. Das darf man ihnen nicht nehmen. Die Frage ist nur, wie es uns gelingt, den Skisport nachhaltiger zu machen.“ Dazu wünscht sich Neureuther unter anderem, dass Skigebiete nicht nur nach Pistenkilometern und Après-Ski-Hütten bewertet werden, sondern beispielsweise nach ihrem Engagement etwa in Sachen Energieeinsparung und Umweltschutz. „Das muss einfach viel stärker berücksichtigt werden.“

Bei der An- und Abreise in die Skigebiete stärker auf Bahnverbindungen setzen

Auch die An- und Abreise in die Skigebiete müsse anders organisiert werden, argumentiert Neureuther. Seiner Einschätzung nach wird weiterhin zu stark auf den Individualverkehr gesetzt. Als Beispiel führte er den Straßenausbau im Südtiroler Pustertal mit Blick auf die Olympischen Spiele 2026 in Mailand und Cortina an. Über das Pustertal und Toblach im Schatten der Drei Zinnen führt eine wichtige Verbindung vom Norden in den Austragungsort der Alpin-Wettbewerbe. „Die Pusterer sagen selbst: Bei uns ist schon so viel Verkehr. Warum baut ihr nicht lieber die Bahnstrecke aus?“, erzählte Neureuther.

Neureuther-Kritik an Luxus-Skihütten: „Warum muss es auf der Skihütte Austern geben?“

Auch Regionalität müsse eine größere Rolle spielen. „Warum muss es auf einer Skihütte beispielsweise Austern geben?“ Neureuther plädierte dafür, stattdessen auf Gerichte zu setzen, die mit Lebensmitteln aus der Region zubereitet werden.



Quellenlink https://www.merkur.de/sport/wintersport/ski-weltcup-felix-neureuther-will-sommertraining-verbieten-92558168.html