Fashion Week Paris: Debatte um Tierkleider | Kultur | DW


US-Unternehmerin und Reality-TV-Star Kylie Jenner löste einen Mini-Skandal auf der Fashion Week in Paris aus, als sie bei der Couture-Präsentation des Luxuslabels Schiaparelli in einem Kleid erschien, aus dem ein täuschend echt aussehender Löwenkopf ragte. Die Schiaparelli-Robe “Leo Couture”, entworfen von Daniel Roseberry, sorgte für Aufsehen auf dem Laufsteg.

Der Kopf bestand aus “Schaum, Wolle, falschem Fell aus Seide und war handbemalt, um möglichst lebensecht zu wirken,” schrieb die Modemarke auf ihrem Instagram-Account.

Kleid mit einem Löwenkopf auf dem Laufsteg in Paris

Löwe statt Dekolleté – Shiaparelli sorgt mit seinem Modezoo für Aufsehen

Um einen Shitstorm im Keim zu ersticken, fügte Schiaparelli sicherheitshalber dem Posting hinzu: “Bei der Herstellung dieser Kleider wurden keine Tiere verletzt.”

Geteilte Meinung über die Wildtier-Kleider

Einige Tierliebhaber waren trotzdem nicht begeistert. “Dieses Konzept ist widerlich”, schrieb ein Instagram-User in einem öffentlichen Kommentar. “Ganz egal ob die Köpfe echt oder falsch sind, sie bewerben Trophäenjagd, was ekelhaft, gewalttätig und reaktionär ist. Versucht es nochmal.” Ingrid Newkirk, Vorsitzende der Tierschutz-Organisation PETA, sagte hingegen gegenüber der Nachrichten-Website TMZ, dass die Kollektion mit dreidimensionalen Tierköpfen “fabelhaft innovativ” sei und vielleicht sogar “ein Statement gegen Trophäenjagd, bei der ganze Löwenfamilien zerstört werden, rein aus menschlichem Egoismus”.

Neben Löwen gab es beim Schiaperelli-Defilee auch einen schwarzen Wolfskopf zu sehen, den Naomi Campbell vor sich her trug, sowie ein trägerloses Kleid, aus dem heraus ein nicht minder realistisch aussehender Schneeleopard fauchte.

Dank Doja Cat googelt die Welt “Trypophobie” 

Rapperin Doja Cat, deren Album “Planet Her” eines der weltweit meistgestreamten Alben des Jahres 2022 war, sorgte ebenfalls für Aufmerksamkeit bei der Schiaparelli-Show. Einige Fans von Doja Cat bekamen Juckreiz bei diesem Anblick. Sie erschien in einem knallroten Kostüm mit falscher Glatze, sämtliche sichtbaren Stellen ihrer rotbemalten Haut vollkommen bedeckt mit Kristallen. Einige ihrer Fans sagten, der Anblick habe bei ihnen Trypophobie ausgelöst, der Ekel vor bestimmten Mustern aus Löchern oder Blasen. 

Doja Cat trägt ein Outfit, das aus roten Bläschen besteht

Nichts für Menschen mit Trypophobie

Der Make-Up-Künstler Pat McGrath brauchte mehr als fünf Stunden, um das Gesicht und den Oberkörper der Rapperin rot anzumalen und anschließend 30.000 Swarovski-Kristalle auf ihren Körper zu kleben. Unter den Tweets zu dem Thema schrieb ein User: “Jeder, der Dojas Look in meiner Timeline teilt, wird blockiert.” Und ein anderer User antwortete: “Bei dem Anblick fängt meine Haut an zu jucken.”

Ein surrealer Zoo

Auch Chanels Auftritt war vom Tierreich beeinflusst: Auf dem Laufsteg des Pariser Traditionslabels waren meterhohe Tierskulpturen aus unbemaltem Holz, Papier und Pappe zu sehen. Ein perfekter Hintergrund für die farbenfrohe und paillettenbesetzte Kollektion des Modehauses. Für die ungewöhnliche Dekoration des Laufstegs hatte Modedesignerin Virginie Viard mit dem Künstler Xavier Veilhan zusammengearbeitet, der sich für seine Skulpturen von einem Bestiarium in der Wohnung von Gründerin Coco Chanel inspirieren ließ. Veilhan wollte damit die Beziehung zu Tieren evozieren, “die sich in unseren Gesellschaften ständig weiter entwickelt”.

Tiere aus Pappe stehen auf der Fashion Show in Paris.

Noch mehr Tiere – zu sehen in der Chanel-Show in Paris

Josephine Baker bei Dior

Das Modehaus Dior präsentierte seine Kollektion vor 13 überlebensgroßen Porträts von afroamerikanischen Frauen der Künstlerin Mickalene Thomas, darunter Eartha Kitt, Nina Simone und Josephine Baker. Die Frühjahr/Sommer-Kollektion von Christian-Dior-Kreativdirektorin Maria Grazia Chiuri, mit klassischen Schnitten und gedeckten Farben, ist inspiriert von der Lebensgeschichte der Widerstandskämpferin, Tänzerin und Sängerin Josephine Bakers. Sie spiegeln die Ära zwischen den 1920er und den 1950er Jahren wider, die Baker prägte.

Mann hält ein Schild vor sich mit der Aufschrift: Stop Executions in Iran.

Protest gegen Hinrichtungen im Iran auf der Paris Fashion Week

Neben atemberaubenden Looks sorgte auch das knappe politische Statement eines männlichen Models bei der Show von Louis-Gabriel Nouchi für Aufmerksamkeit. Nouchis Kollektion war inspiriert von dem Roman “American Psycho” von Bret Easton Ellis aus dem Jahr 1991.

Während der Präsentation der Herbst/Winter-Prêt-à-Porter-Kollektion hielt das Model ein kleines weißes Blatt vor sich mit der Aufschrift: “Stoppt Hinrichtungen im Iran.”

Dieser Artikel wurde aus dem Englischen adaptiert von Philipp Jedicke.





Quellenlink https://www.dw.com/de/fashion-week-paris-debatte-um-tierkleider/a-64513556?maca=de-rss-de-all-1119-xml-mrss