Drogenprozess am Landgericht Zwickau: Bewährungsstrafen für zwei Helfer | Freie Presse


Zwei Männer aus Hohenstein-Ernstthal sind am Zwickauer Landgericht mit einem blauen Auge davongekommen. Einer von ihnen steht allerdings dennoch mit einem Beim im Gefängnis.

Zwickau.

Ahnungsloser Freundschaftsdienst oder Mitwirkung an einer Straftat: Diese Entscheidung hatte das Schöffengericht am Donnerstag in einem Fall von sechs Drogengeschäften zu treffen. Jedenfalls galt das für zwei der drei Angeklagten – einer muss sich zuerst noch wegen seines Drogenkonsum einer Begutachtung unterziehen.

Die beiden verbliebenen Angeklagten sollen dem Dritten bei seinen Geschäften behilflich gewesen sein, als Fahrer sowie als Kontaktvermittler. Das Gericht sieht die Schuld in beiden Fällen als erwiesen an. Demnach hat das aus Hohenstein-Ernstthal stammende Trio im ersten Halbjahr 2020 sechs Fahrten nach Chemnitz unternommen, um dort jeweils mindestens 150 Gramm Marihuana einzukaufen. Der am Donnerstag noch nicht verurteilte Käufer will von dieser Menge jeweils 30 bis 40 Gramm für sich selbst benutzt und den Rest verkauft haben, um seinen Crystal-Konsum zu finanzieren.

Polizei beobachtet das Trio längere Zeit

Dass die illegalen Geschäfte stattgefunden haben, daran blieb kein Zweifel. Immerhin wurde das Trio von der Polizei längere Zeit observiert. Genau das nahm der Verteidiger des angeklagten Vermittlers zum Anlass, um auf die Schwierigkeiten in der Urteilsfindung hinzuweisen. Zwar stimmte er mit der Forderung der Staatsanwaltschaft nach einer etwa zweijährigen Haftstrafe überein, machte aber deutlich, dass ein Teil der angeklagten Taten unter Observation stattfand. Die Polizei hätte seiner Ansicht nach einen Teil der Käufe verhindern können.

Erschwerend kam für den 36-jährigen Angeklagten hinzu, dass er anders als am ersten Verhandlungstag nicht als freier Mann vor dem Richter saß, sondern als Untersuchungshäftling. Denn ihn hatten am Montag Justizbeamte im Auftrag des Passauer Gerichtes quasi vom Fleck weg verhaftet, weil er hätte gleichzeitig dort vorstellig werden sollen, aber eben nicht aufgetaucht war. Nach dem Urteil vom Donnerstag – zwei Jahre auf Bewährung und extra Arbeitsstunden – gab sich der Richter zuversichtlich, dass der Passauer Fall demgegenüber kaum mehr ins Gewicht fallen dürfte.

Verteidiger fordert Freispruch

Während sich die Anwälte auf beiden Seiten im Fall des jüngeren Mannes weitgehend einig waren, stimmte der Verteidiger des Fahrers nicht mit der Forderung der Staatsanwaltschaft überein. Statt einer Freiheitsstrafe sowie einer gesonderten Geldstrafe für den illegalen Besitz einer Luftdruckpistole forderte er Freispruch für seinen Mandanten. Er beharrte auf der Darstellung, dass der heute 60-Jährige nur Freundschaftsdienste geleistet und nicht nachgefragt habe, was die beiden anderen auf dem Chemnitzer Kaßberg zu erledigen haben. Die Pistole sei überdies ein Modell aus DDR-Zeiten, die waffenrechtlich anders bewertet werden müsse. Allerdings ließ sich das Gericht davon nicht sehr beeindrucken, es verhängte ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung, sah aber von einer gesonderten Geldstrafe ab. Der Mann muss nur die sechsmal zehn Euro zurückzahlen, die er für seine Gefälligkeiten erhalten hatte.

Das Urteil gegen den Jüngeren ist rechtskräftig. Der Fahrer hat sich nicht geäußert; er hat eine Woche Zeit, Rechtsmittel einzulegen.



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