Die SPD fordert Bier für alle


Und die FDP versagt beispielhaft in der Bildungsfrage. Unserem Kolumnisten sind Wahlplakate im Kiez aufgefallen, die er einer Kurzkritik unterziehen musste.

Für Wahlwerbung mit Biertrinken war früher eine andere Partei verantwortlich.

Für Wahlwerbung mit Biertrinken war früher eine andere Partei verantwortlich.SPD Friedrichshain-Kreuzberg/Facebook

Berlin ist derzeit sehr düster, aber auch bunt. Düster ist das Wetter, der graue Himmel. Nicht mal Schnee ist da, der für erfrischendes Weiß sorgt. Dass die Stadt trotzdem auch etwas bunt ist, liegt am Wahlkampf und den Plakaten, die irgendwie immer bunter werden – aber auch ein klein wenig absurder.

Da ist zum Beispiel die Sache mit der Werbung fürs Saufen. Das war früher ganz klar das Betätigungsfeld der APPD, der Anarchistischen Pogo-Partei Deutschlands. Die schrieb auf ihre Plakate: „Kaltes Bier gegen überhitzte Politköpfe“ oder „Saufen! Saufen! Jeden Tag nur Saufen!“

Berliner Wahlplakate: „Damit du dir auch nächstes Jahr dein Wegbier leisten kannst.“

Solche Sprüche sorgten zwar nie für einen Wahlsieg dieser Partei, trotzdem versucht sich nun auch die SPD in einer Art Ranschmeiße an die Jugend und plakatiert im Friedrichshain: „Wegbier für alle“. Zur Erklärung: Ein Wegbier ist ein Bier, das Leute trinken, denen die Kneipen inzwischen zu teuer sind und die deshalb auf dem Weg dorthin schon mal ein Bier trinken. In der Erklärung zu ihrem Wegbier-Plakat fordert die SPD nun: „Sicheres Feiern für alle. Kneipen erhalten. Damit du dir auch nächstes Jahr dein Wegbier leisten kannst.“

Irre Logik. Denn das Wegbier kauft eigentlich niemand in Kneipen. Dort ist es viel zu teuer. Wegbier gibt’s preiswert im Supermarkt oder im Späti. Der SPD fehlt da der Blick für die Lebensrealität.

Berlin im Wahlkampf: Wie wäre es mit „Fußpils für alle“

In der Jugendsprache wird das Wegbier übrigens als „Fußpils“ bezeichnet. Aber der Slogan „Fußpils für alle“ wäre dann doch eher etwas für die Pogo-Partei APPD.

Genug der SPD-Schelte, obwohl es noch mehr schöne Gründe gäbe. Beispielsweise, dass sie in Kreuzberg eine „Dönerpreisbremse“ fordert und damit nicht nur unter dringendem Populismusverdacht steht, sondern eine Forderung der Partei „Die Partei“ übernimmt, die eine Preisbremse für Bier und Döner bereits 2021 gefordert hat.

Aber der Klau von Losungen ist nicht neu. Auch die AfD fordert seit langem „Arbeit muss sich wieder lohnen“ und bedient sich bei einem Klassiker der FDP.

Apropos FDP. Deren Kandidaten trifft es wieder am härtesten: Denn neben dem extrem grellen Gelb im Hintergrund der Plakate wirken ihre Gesichter schnell fahl und schwindsüchtig. Aber der FDP gefällt es.

Die Liberalen liefern auch den Beweis, dass ihre Losungen wirklich richtig sind. Eine ihrer Forderungen lautet: „Bildung heißt, aus Fehlern lernen.“ Doch auf dem Plakat ihres Parteichefs haben die Macher in dem Satz das Komma weggelassen. Hingegen haben sie bei ihrem bildungspolitischen Sprecher „heisst“, statt „heißt“ geschrieben. Das sind sicher keine Schusseligkeitsfehler, sondern der ultimative Beweis dafür, wie wichtig Bildung ist.



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