Deutsche Wirtschaft schrumpft im September schneller


Einkaufsstraße in Stuttgart

Privatverbraucher halten sich mehr und mehr bei Ausgaben zurück, was die Wirtschaft nun spürt.


(Foto: IMAGO/Arnulf Hettrich)

Berlin Die deutsche Wirtschaft schrumpft im September wegen hoher Inflation und steigender Zinsen so stark wie seit den Anfängen der Corona-Pandemie vor fast zweieinhalb Jahren nicht mehr. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft – Industrie und Service-Sektor zusammen – sank um 1,0 auf 45,9 Punkte.

Das sei der niedrigste Stand seit Mai 2020, teilte der Finanzdienstleister S&P Global am Freitag zu seiner monatlichen Umfrage unter rund 800 Unternehmen mit. Damit liegt das an den Finanzmärkten viel beachtete Barometer merklich unter der Marke von 50, ab der es ein Wachstum signalisiert.

„Angesichts der beschleunigten Talfahrt und der sich weiter eintrübenden Frühindikatoren dürfte die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal 2022 schrumpfen“, kommentierte S&P-Ökonom Phil Smith die Entwicklung. „Und der Ausblick für das vierte Quartal ist ebenfalls wenig positiv.“ Besonders bei den Dienstleistern trübt sich die Lage ein, „da die Ausgabenbereitschaft der Kunden wegen knapper werdender Budgets und immer unsichererer Aussichten deutlich zurückging“.

Dagegen sank die Produktion in der Industrie aufgrund nachlassender Materialengpässe nicht mehr ganz so stark. Allerdings zeigten sich beide Wirtschaftssektoren gleichermaßen besorgt über die Entwicklung in den nächsten Monaten, da die Energiekrise mehr und mehr Rezessionsängste schüre.

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Führende Institute haben zuletzt ihre Konjunkturprognosen für die deutsche Wirtschaft gesenkt. Wegen massiv steigender Energiepreise infolge der russischen Invasion in der Ukraine erwartet das Institut für Weltwirtschaft (IfW) ein extrem schwieriges Jahr 2023. Das Bruttoinlandsprodukt werde dann um 0,7 Prozent schrumpfen, sagen die Kieler Forscher in ihrer Herbstprognose voraus.

Im Juni hatten sie noch ein kräftiges Plus von 3,3 Prozent erwartet. Für das laufende Jahr rechnet das IfW zwar noch mit einem Wachstum, das jedoch mit 1,4 Prozent niedriger ausfallen soll als noch im Sommer mit 2,1 Prozent angenommen.

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