DAX dürfte steigen : Anleger hoffen auf langsamere Zinswende




Marktbericht

Stand: 11.08.2022 07:49 Uhr

Die Anleger spekulieren auf sinkenden Inflationsdruck in den USA und damit auf ein mäßigeres Tempo bei der Zinswende. Vor dem Handelsstart ist die Stimmung freundlich – der DAX dürfte steigen.   

Der Broker IG taxiert den DAX vor Xetra-Start gut ein halbes Prozent höher auf 13.780 Punkte. Damit nähert er sich dem Hoch seit Mitte Juni bei 13.792 Punkten aus der Vorwoche. Gestern war der deutsche Leitindex mit einem Plus von 1,2 Prozent auf 13.700,93 Punkten aus dem Handel gegangen.

Anleger hoffen jetzt, dass die US-Notenbank bei geringerer Teuerung ein gemäßigteres Tempo in ihrer Zinswende gehen wird. In den USA hatte die Inflationsrate im Juli mit 8,5 Prozent gegenüber Vorjahr unterhalb des Vormonatswerts von 9,1 Prozent gelegen.

“Insbesondere vor dem Hintergrund der weiterhin hohen Kerninflationsraten dürften die US-Notenbanker allerdings auch im September die Leitzinsen kräftig anheben, möglicherweise aber in einem geringeren Umfang, als zuletzt erwartet worden war”, meint Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank.

Wall Street im Aufwind

Die US-Vorgaben fallen entsprechend stark aus: Der Dow Jones stieg gestern um 1,6 Prozent auf 33.309 Punkte. Der S&P 500 zog 2,1 Prozent auf 4210 Zähler an. Der zuletzt besonders unter Druck geratene technologielastige Nasdaq-Index machte einen Satz von 2,9 Prozent auf 12.855 Punkte. Für Nasdaq und S&P war es der größte Tagesgewinn seit zwei Wochen, für den Dow-Jones sogar seit drei Wochen.

In den USA hat der langsamere Anstieg der Inflation Anleger ebenfalls zurück an die Börse gelockt. Es herrsche die Zuversicht, dass der Juni vielleicht der Höhepunkt gewesen sei, sagte der Vizepräsident für Handel und Derivate bei Charles Schwab, Randy Frederick. Ungewöhnlich große Zinsschritte der Fed hatten zuletzt die Börsen belastet und die Furcht vor einer Rezession geschürt.

Asiens Börsen uneinheitlich

In Asien setzt sich der Jubel nur bedingt fort. Der japanische Nikkei-Index lag im Verlauf 0,7 Prozent tiefer bei 27.819 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 0,2 Prozent und lag bei 1934 Punkten. Die Börse in Shanghai lag dagegen 0,3 Prozent im Plus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen gewann 0,3 Prozent.

Deutsche Telekom verzeichnet mehr neue Vertragskunden

Die Deutsche Telekom hat im zweiten Quartal trotz verbraucherfreundlicherer Kündigungsrechte hierzulande mehr Kunden für sich gewonnen. Nach Abzug von Kündigungen seien 194.000 neue Vertragskunden unter der eigenen Marke und damit mehr als im Vorjahresquartal hinzugekommen. Der Konzernumsatz kletterte um fast sechs Prozent auf etwa 28 Milliarden Euro. Unter dem Strich kletterte der bereinigte Konzernüberschuss nach Minderheiten um fast 16 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro.

Siemens macht Verlust

Zum ersten Mal seit fast 12 Jahren muss Siemens rote Zahlen melden – obwohl die Geschäfte gut laufen. Der Münchener Konzern machte im dritten Geschäftsquartal 1,5 Milliarden Euro Verlust. Die Gründe dafür sind eine hohe Abschreibung auf den verbliebenen Anteil an der ehemaligen Energiesparte Siemens Energy und Belastungen im Zusammenhang mit Russland, da sich Siemens wegen des Ukraine-Krieges von dort zurückzieht.

Höhere Stahlpreise treiben Thyssenkrupp an

Der Stahl- und Industriekonzern Thyssenkrupp profitiert weiter von den gestiegenen Materialpreisen. Dagegen belasten den Konzern die gestiegenen Zinsen: Hier musste Thyssenkrupp in dem Zusammenhang millionenschwere Wertminderungen vornehmen, was den Nettogewinn drückte. Der Umsatz stieg im dritten Quartal um gut ein Viertel auf knapp elf Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) konnte Thyssenkrupp mit 721 Millionen Euro fast verdreifachen.

Viel Geschäft für Daimler Truck

Der Lkw- und Bushersteller Daimler Truck hat im zweiten Quartal dank Preiserhöhungen, vorteilhaften Wechselkursen und mehr Absatz überraschend viel Geschäft gemacht. Der Umsatz kletterte im Jahresvergleich um 18 Prozent auf 12,1 Milliarden Euro. Das um Sondereffekte bereinigte Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern steigerte Daimler Truck um 15 Prozent auf 1,01 Milliarden Euro. Den auf die Aktionäre entfallenden Nettogewinn steigerten die Schwaben um gut die Hälfte auf 992 Millionen Euro.

Credit Suisse-Großaktionär Harris verdoppelt Beteiligung

Credit-Suisse-Großaktionär Harris Associates hat seine Beteiligung an der schweizerischen Großbank fast verdoppelt. Harris hält per Ende Juli einen Anteil von 10,1 Prozent, geht aus einer Meldung an die US-Börsenaufsicht SEC hervor. Damit haben die Amerikaner ihre Position als größter Aktionär weiter ausgebaut. Harris liegt nun weit vor den anderen Credit-Suisse-Großaktionären Qatar Investment Authority und Blackrock mit jeweils fünf Prozent.

Disney holt Netflix ein

Der Unterhaltungsriese Walt Disney hat im jüngsten Geschäftsquartal rasantes Wachstum mit seinen Streaming-Diensten verzeichnet. Die On-Demand-Services Disney+, Hulu und ESPN+ brachten es Ende Juni zusammen auf insgesamt rund 221 Millionen Abos. Damit hat Disney zum bisherigen Streaming-Marktführer Netflix aufgeschlossen, der zuletzt Kunden verlor und das vergangene Vierteljahr ebenfalls mit rund 221 Millionen Nutzerkonten beendete.

Insgesamt wuchs der Umsatz im Jahresvergleich um 26 Prozent auf 21,5 Milliarden Dollar. Der Gewinn stieg um 53 Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar (1,36 Mrd Euro).



Quellenlink https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/marktberichte/marktbericht-inflation-rezession-geldanlage-dollar-aktien-euro-fed-zinswende-101.html