Das größte Kreuzfahrtschiff der Welt, eine schwimmende Kirmes


Was den Namen angeht, gibt sich die Reederei denkbar einfallslos: „Icon of the Seas“ heißt der neue Koloss des amerikanischen Unternehmens Royal Caribbean – eine „Ikone der Meere“ also, die auf ihre Schwesternschiffe „Wonder of the Seas“, „Freedom of the Seas“ und „Oasis of the Seas“ folgt. Was allerdings bei der Namensfindung an Kreativität gefehlt hat, das macht die Kreuzfahrtgesellschaft in Sachen Ausstattung und Gestaltung wieder wett.

Wer Bilder der „Icon of the Seas“ sieht, könnte glauben, ein ausgeartetes Spielzeugmodell zu erblicken: Auf den Decks reihen sich die Pools und Standwellenbecken für Hobbysurfer aneinander, schlängeln sich neonfarbene Wasserrutschen, blinkt und leuchtet es an allen Ecken. Schön ist irgendwie auch anders – aber beeindruckend wirkt die neue Meeresikone allemal.

Tatsächlich handelt es sich um das größte Kreuzfahrtschiff aller Zeiten, das nun seine Probefahrten erfolgreich hinter sich gebracht hat: Bei voller Belegung bietet die „Icon of the Seas“, die ihre ersten Fahrversuche im Juni in den finnischen Schären absolviert hatte, Platz für rund 10.000 Passagiere und Crew-Mitglieder. Der 365 Meter lange Koloss, der rund 1,1 Milliarden Dollar gekostet haben soll, ist gut sechs Prozent größer als die „Wonder of the Seas“ derselben Reederei, der bisher größte Kreuzer der Welt.

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Gut angelaufen: Die „Icon of the Seas“, hier noch ohne Wasserpark an Deck, in Finnlands Schären.

Gut angelaufen: Die „Icon of the Seas“, hier noch ohne Wasserpark an Deck, in Finnlands Schären.Royal Caribbean

Gigantisch ist auch das Angebot auf Deck: Mehrere Hotel- und Apartmentanlagen verschiedener Ausrichtungen bieten zahlreiche Poollandschaften, Restaurants und Bars – von den aufgebauten Wasserrutschen sollen einige ihrerseits Rekorde brechen. Am Bug des Schiffes wiederum gibt es eine gigantische Glaskuppel, in der sich ein Showtheater, ein Wasserfall sowie ein Schwimmbecken mit Sprungtürmen befinden.

Wirklich nachhaltig lässt sich mit dem Schiff wohl nicht reisen

Wer jetzt denkt, ein solches Reiseangebot sei im Hinblick auf den Klimawandel aus der Zeit gefallen, hat völlig recht. Da hilft wohl auch der Vorstoß des Unternehmens Royal Caribbean nicht, sein neuestes Kreuzfahrtschiff zumindest ein bisschen umweltschonender zu gestalten.

So soll’s werden: An Deck befinden sich Hotel- und Apartmentanlagen mit zahlreichen Pools und Wasserparks.

So soll’s werden: An Deck befinden sich Hotel- und Apartmentanlagen mit zahlreichen Pools und Wasserparks.Royal Caribbean

Bisher war die Reederei vor allem dadurch aufgefallen, sich überhaupt gar keine Ziele für eine klimaneutrale Flotte zu setzen. Zudem hatte der Naturschutzbund ermittelt, dass die Schiffe des Unternehmens noch immer mit Schweröl fahren. Die „Icon of the Seas“ soll nun das erste Modell der Flotte sein, dessen sechs Antriebsmotoren mit Flüssigerdgas betrieben werden.

Dieser fossile Treibstoff verursacht zwar viel weniger Schwefel – und Stickstoffemissionen als Schweröl – steht aber stark in der Kritik, weil bei seiner Produktion besonders große Mengen des Treibhausgases Methan freigesetzt werden. Legt das Schiff im Hafen an, soll es allerdings mit Landstrom betrieben werden können, was etwa in Kalifornien seit Kurzem ohnehin Pflicht ist.

So oder so: Wirklich nachhaltig ist das Reisen mit der „Icon of the Seas“, die nach ihrer Fertigstellung ab Januar nächsten Jahres vor allem Hopping-Touren zwischen verschiedenen karibischen Inseln, Mexiko und Honduras fahren soll, jedenfalls nicht. Und auch das Gefühl, auf einem echten Rekordhalter mitzufahren, wird sich nicht lange halten. Auch am nächsten Megaschiff der Reederei wird bereits gebastelt. Der Name: „Utopia of the Seas“.



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