Das gilt es zu beachten


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Eine Wärmepumpe ganz allein auf weiter Flur. Für die Installation gibt es Abstandsregeln, die nicht immer einfach umzusetzen sind (Symbolbild). © picture alliance/dpa | Daniel Reinhardt

Bei der Installation von Wärmepumpen gelten je nach Bundesland unterschiedliche Vorschriften. Wer die nicht beachtet, könnte Ärger mit den Nachbarn bekommen.

München – Wärmepumpen sind eine Schlüsseltechnologie in der Energiewende. Bewohner sollten die Außeneinheit des Heizsystems allerdings nicht einfach so in ihrem Garten installieren, sondern Abstandsregeln zum Nachbargrundstück und Lärmschutzregeln beachten, um Ärger mit den Nachbarn zu vermeiden. Vor dem erfolgreichen Einbau der Wärmepumpe hat der deutsche Gesetzgeber allerdings die Frage gestellt: Gebäudeähnlich oder nicht?

Wärmepumpen-Abstandsregeln sind in jedem Bundesland unterschiedlich

Während der Corona-Pandemie zeigte sich eindrucksvoll, was es in der Praxis bedeutet, wenn jedes Bundesland dank des Föderalismus-Prinzips seine eigenen Regeln festlegen kann. Ähnlich geht es auch bei den Wärmepumpen zu, bei denen im Bund unterschiedliche Abstandsregeln gelten. Dass jedes Bundesland eine eigene Regelung hat, sorgt für Kritik. Erik Uwe Amaya vom Mieterverband Haus & Grund Rheinland Westfalen etwa fordert klare Vorgaben und eine bundeseinheitliche Regelung, wie er dem ZDF sagte.

Wir haben ja in Deutschland die Situation, dass wir nicht eine Bauordnung haben, sondern 16 Landesbauordnungen.

Mit drei Metern Abstand zum Nachbarn sollten Anwohner in den meisten Fällen auf der sicheren Seite sein, wie eine Übersicht zeigt:

BundeslandAbstand der Außeneinheit zum Nachbargrundstück*
Baden-WürttembergKein Mindestabstand
BayernRechtslage ungeklärt, Revision beim Bundesgerichtshof
BerlinMindestabstand 3,0 Meter
Brandenburgkein Mindestabstand (wenn nicht höher als 2,0 Meter)
BremenKein Mindestabstand
HamburgMindestabstand 2,50 Meter (sofern gebäudeähnlich)
HessenKein Mindestabstand (wenn nicht höher als 3,0 Meter)
Mecklenburg-VorpommernMindestabstand 3,00 Meter (sofern gebäudeähnlich)
NiedersachsenRechtslage ungeklärt
Nordrhein-WestfalenMindestabstand 0,5 Meter
Rheinland-PfalzKein Mindestabstand
SaarlandKein Mindestabstand (wenn nicht höher als 2,0 Meter)
SachsenRechtslage ungeklärt
Sachsen-AnhaltRechtslage ungeklärt
Schleswig-HolsteinMindestabstand 3,0 Meter (sofern gebäudeähnlich)
ThüringenMindestabstand 3,0 Meter (sofern gebäudeähnlich)

*Angaben des Magazins Spiegel

Sind Wärmepumpen gebäudeähnlich oder nicht?

Auch wenn Wärmepumpen recht kompakt daherkommen, können sie mancherorts in die Kategorie „gebäudeähnlich“ fallen. In Hamburg muss der Abstand von gebäudeähnlichen Strukturen zum Nachbarn 2,50 Meter betragen, in Berlin oder Schleswig-Holstein hingegen drei Meter. Anderswo gibt es indes noch keine Vorschriften. In solchen Fällen legen Gerichte die Regeln im Einzelfall fest. In Bayern stufte das Oberlandesgericht Wärmepumpen als nicht gebäudeähnlich ein, eine Revision beim Bundesgerichtshof läuft. Eine eindeutige Vorschrift liegt für das Bundesland also noch nicht vor.

Das Urteil ist auch für andere Bundesländer ohne Regelung wegweisend, dazu zählen Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Bremen, Hessen und Rheinland-Pfalz haben sich indes bereits vom Mindestabstand für Wärmepumpen verabschiedet, in Nordrhein-Westfalen liegt die Abstandsregel seit Beginn des Jahres bei nur noch einem halben Meter. Das macht die Installation für Verbraucher einfacher und flexibler, könnte jedoch für Ärger mit den Nachbarn sorgen, wenn die Lärmschutzvorschriften nicht beachtet werden.

Die wichtigsten Tipps für die Installation einer Wärmepumpe

Um Probleme mit dem Nachbarn zu vermeiden, sollten Anwohner bei der Installation der Wärmepumpe alle Richtlinien beachten. Die Installateure sollten prinzipiell mit den gängigen Abstandsregeln und Lärmvorschriften vertraut sein, doch die Verantwortung liegt beim Kunden. Um das zu umgehen, können sich die Bauherren von den Installateuren schriftlich bestätigten lassen, dass die Wärmepumpe alle Vorschriften erfüllt. Gibt es dann Beschwerden vom Nachbarn, sind die Installateure in der Verantwortung und müssen nachbessern. Zusätzlich empfehlen Experten, sich vor dem Einbau einer Anlage eine schriftliche Information aller relevanten Vorschriften von der lokalen Baubehörde geben zu lassen und diese auch an den Installateur zu übermitteln. Empfohlen wird auch, möglichst erfahrene Unternehmen zu beauftragen und nach Referenzen zu fragen.

Nachbarschaftsstreits vorprogrammiert? So viel Lärm dürfen Wärmepumpen machen

Die Außeneinheit einer Wärmepumpe darf nicht lauter sein, als die gängigen Lärmschutzvorschriften vorsehen. In reinen Wohngebieten sind 50 Dezibel erlaubt, nachts zwischen 22 Uhr und 6 Uhr hingegen lediglich 35 Dezibel. Soviel Lärm darf also maximal beim Nachbarn ankommen.

Relevant ist dabei der Geräuschpegel vor dem Fenster des nächstgelegenen schützenswerten Raumes. Das kann etwa das Wohn- oder Schlafzimmer sein, nicht aber die Abstellkammer. Fachleute können die Lautstärke der Wärmepumpe mithilfe spezieller Mikrofone genau messen, die tatsächlichen Werte weichen teilweise erheblich von Herstellerangaben ab, warnt eine Expertin gegenüber dem Spiegel.

Erlaubte Lärmbelästigung durch Wärmepumpen

Reine Wohngebiete50 Dezibel, 35 Dezibel nachts
Allgemeine Wohngebiete und Kleinsiedlungsgebiete55 Dezibel, 40 Dezibel nachts
Kerngebiete, Dorfgebiete und Mischgebiete60 Dezibel, 45 Dezibel nachts
Gewerbegebiete60 Dezibel, 50 Dezibel nachts
Industriegebiete70 Dezibel, 70 Dezibel nachts

Wer die Wärmepumpe aufstellt, will natürlich auch nicht selbst vom Lärm belästigt werden. Vor dem eigenen Schlafzimmerfenster ist daher kein besonders guter Standort, das sagt schon der gesunde Menschenverstand. Manche Hersteller bieten eine sogenannte Nachtabsenkung, die den Schall um bis zu fünf Dezibel vermindern kann. Auch Schallschutzhauben für die Außeneinheiten können eine gute Möglichkeit der Lärmreduktion sein. Schon vermeintlich kleine bauliche Unterschiede, etwa Standfüße oder Sockel helfen zudem Vibrationen zu minimieren, was wiederum ebenfalls die Geräuschentstehung vermindert.

Wie dringend die Installation einer Wärmepumpe künftig ist, steht und fällt mit der Verabschiedung des Habecks Heizungsgesetzes, welches laut einem Gutachten verfassungswidrig ist. Die Ampel-Koalition zeigt sich optimistisch, das umstrittene Gesetz noch vor der Sommerpause durchbringen zu können. Gut für die Umwelt ist die Wärmepumpe in jedem Fall. Eine herkömmliche Heizung ist laut Umweltbundesamt im Haushalt der mit Abstand größte Verursacher von CO₂.



Quellenlink https://www.merkur.de/wirtschaft/abstandsregeln-waermepumpen-installation-brandschutz-bundeslaender-grunstuecksgrenze-habeck-heizungsgesetzt-geg-92333592.html