Darum drohen dem Ex-Hells-Angel 13 Jahre Gefängnis


In Spanien verhandelt die Justiz einen spektakulären Rocker-Prozess: Es geht um insgesamt 300 Jahre Haft. Ein Deutscher soll die Strippen gezogen haben.

Das Wichtigste im Überblick


Der Mega-Prozess vor dem Nationalgericht in San Fernando de Henares bei Madrid gegen den früheren Rocker-Boss Frank Hanebuth aus Hannover und zahlreiche mutmaßliche Ex-Mitglieder und Helfer einer kriminellen Vereinigung auf Mallorca hat am Montag begonnen. Summiert geht es um 300 Jahre Haft. Auch für Hanebuth geht es um viel: Ermittler und Staatsanwaltschaft halten ihn für den Kopf einer Bande, die auf der beliebten Urlaubsinsel Drogen- und Menschenhandel betrieben haben soll. t-online beantwortet die wichtigsten Fragen zum Prozess.

Wer ist Frank Hanebuth?

Der “Steintorkönig” von Hannover, oft auch “der Lange” genannt, ist ein hannoverscher Bordellbetreiber. Der 58-jährige Hanebuth entstammt einer bürgerlichen Familie: Vater Berufsschuldirektor, Mutter Chefsekretärin. Noch während seiner Ausbildung zum Zimmermann startete Hanebuth seine Rotlichtkarriere auf Hannovers Partymeile am Steintor. Auch als Schwergewichtsboxer trat Hanebuth in Erscheinung, absolvierte vier Profikämpfe. Mitte der Neunzigerjahre ging er unter die Biker, zunächst bei Bones MC, wo er auch Präsident wurde. Später schloss sich der Club den berüchtigten Hells Angels an.

Seit dem Jahr 2000 wuchs Hanebuth in Hannover zur gesellschaftlichen Größe heran und wurde selbst von Teilen der Polizei respektiert. Grund: Er und seine Hells Angels trugen maßgeblich zur “Befriedung” des zwischen Albanern, Türken und Russen umkämpften Steintorviertels bei. Götz von Fromberg, Rechtsanwalt und Freund von Gerhard Schröder, unterstützte Hanebuth in dieser Zeit maßgeblich und brachte ihm Kontakte in Hannovers “Who’s who”. Von der “Hannover Connection” war damals deutschlandweit die Rede.

Ex-Rockerchef Frank Hanebuth und seiner Ehefrau Anne Sarah Naumann heirateten 2016 in der Wedemark – die Hochzeit wirkte wie ein Volksfest.
Ex-Rockerchef Frank Hanebuth und seine Ehefrau Anne Sarah Naumann heirateten 2016 in der Wedemark – die Hochzeit wirkte wie ein Volksfest. (Quelle: Lars Berg/imago images)

Selbst lokale Journalisten arbeiteten dem Hünen zu: Für dessen “Steintornews”-Magazin schrieben sie ganz offiziell Texte – neben ihrer Anstellung in der hannoverschen Medienlandschaft. Erst auswärtige Zeitungen berichteten später über die Vorgänge auf dem Kiez.

Wie viel Macht hat der Ex-Hells-Angels-Boss?

Ex-Innenminister Schünemann musste 2011 intern aufräumen und entließ den früheren Polizeipräsidenten Christian Grahl, weil der in Hanebuths Etablissements Partys feierte.

Der frühere Rocker-Boss der Hells Angels in Hannover vor seiner Sansibar in Hannovers Rotlichtviertel Steintor.
Der frühere Rocker-Boss der Hells Angels in Hannover vor seiner “Sansibar” im Rotlichtviertel Steintor. (Quelle: HENNING SCHEFFEN PHOTOGRAPHY via www.imago-images.de)

Hanebuth kontrolliert einen Großteil der hannoverschen Tanzclubs, Bordelle, Sexshops und Pornokinos mithilfe zahlreicher Tochtergesellschaften und Türsteherdiensten. Versuche, das Hannover-Chapter durch Übernahme von Bordellen in Lüneburg und Hamburg zu erweitern, wurden von der Hamburger Polizei unterbunden. Dafür war Hanebuth als Verhandlungsführer bei den Friedensverhandlungen mit dem verfeindeten Bikerclub Bandidos erfolgreich.

Er soll auch versucht haben, Chef aller Deutschen Hells Angels zu werden – scheiterte aber. 2012 folgte eine Großrazzia auf dem Privatgrundstück Hanebuths bei Hannover: Hubschrauber und Einsatzkräfte der GSG 9 stürmten das Villengrundstück in Garbsen. Ein abtrünniges Hells-Angels-Mitglied beschuldigte Hanebuth in einem Prozess in Kiel, den Mord an einem türkischen Zuhälter in Auftrag gegeben zu haben. Die Leiche soll in das Fundament einer Kieler Lagerhalle einbetoniert worden sein. Beweise? Fehlanzeige. Wenig später folgte die Ankündigung eines Verbotsverfahrens gegen die Rockerbande – da löste sich das Chapter auf.

Während einer Gerichtsverhandlung im Fall einer Körperverletzung machte Hanebuth Angaben zu seinem Einkommen. Rund 2.300 Euro verdiene er monatlich – wegen Corona, berichtete die “Hannoversche Allgemeine” damals. Er selbst lebe demnach von 1.300 Euro. Was mit seinem Vermögen passiert ist, bleibt unklar. Bis heute ist Hanebuth nicht vorbestraft, kam in diesem Fall ebenfalls mit einer Geldstrafe davon.

Was wirft die spanische Justiz den Hells Angels vor?

In den Jahren 2009 bis 2013 sollen Hanebuth und 47 weitere Beklagte auf Mallorca illegale Geschäfte getrieben haben: Bildung einer kriminellen Vereinigung, Zuhälterei, Drogen- und Menschenhandel und Bedrohung lauten die wichtigsten der insgesamt 16 Anklagepunkte. Hanebuth soll die Hells Angels auf der Ferieninsel angeführt und mit ihnen versucht haben, dort die Geschäfte zu übernehmen. Fast alle Verdächtigen hatten auf Mallorca nach Angaben der Polizei “ein Luxusleben geführt”, wie die “Mallorca Zeitung” berichtet.



Quellenlink https://www.t-online.de/region/hannover/id_100117808/hanebuth-prozess-darum-drohen-dem-ex-hells-angel-13-jahre-gefaengnis.html