Chris Power „Ein einsamer Mann“ – Spannend wie ein Thriller


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Erstellt:

Von: Sven Trautwein

Das wirkliche Leben schreibt die spannendsten Geschichten. Chris Powers „Ein einsamer Mann“ kann vielen Thrillern das Wasser reichen. Mein Buchtipp.

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Die Rahmenhandlung beginnt recht unspektakulär: Zwei Briten, ungefähr im gleichen Alter, Anfang 40, treffen sich zufällig in Berlin. Die eine Hauptfigur, Robert, kommt mit seinem zweiten Buchprojekt seit anderthalb Jahren nicht voran und kämpft mit seiner Vaterrolle. Auch Patrick ist schreibend unterwegs. Gerade frisch in Berlin eingetroffen, ist er dankbar für alle Tipps von Robert. Als er ihm erzählt, er habe als Ghostwriter für einen russischen Oligarchen geschrieben, der jetzt tot ist, holen auch Robert dunkle Gedanken ein.

Chris Power „Ein einsamer Mann“: Über das Buch

Cover zu „Ein einsamer Mann“ von Chris Power
Chris Powers Debütroman „Ein einsamer Mann“ © Ullstein

Sind manche Geschichten zu gefährlich, um sie zu erzählen?

Robert, ein britischer Expat, ist Schriftsteller und lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Berlin. Zufällig macht er die Bekanntschaft von Patrick, auch er Brite, doch keineswegs so fest im bürgerlichen Leben verankert wie Robert. Als ehemaliger Ghostwriter des ermordeten russischen Oligarchen Sergei Vanyashin, einem Feind des Kreml, fühlt sich Patrick verfolgt und bedroht. Robert hält Patrick für paranoid, ist gleichwohl fasziniert von dessen Geschichte, und sieht in ihr die Chance, seine Schreibblockade zu überwinden. Dann geschehen seltsame Dinge. Aber Robert klammert sich an den Glauben, weiterhin in der sogenannten Normalität zu leben. Hält seinen Glauben für Vernunft, Roberts Geschichte für die Einbildung eines verwirrten Geistes. Die Schattenwelt, die Patrick beschreibt, mag existieren, aber er ist doch kein Teil davon. Oder doch?

Chris Powers Debüt kommt ganz unaufgeregt daher. Die Handlung entwickelt sich subtil, und als Leser gleitet man durch die Geschehnisse im Berliner Kollwitzkiez oder dem schwedischen Sommerhaus. Die Geschichten, die Patrick erzählt, interessieren Robert und lenken ihn von seinen Schreibproblemen ab. Sie könnten aber auch ein Hirngespinst, eine reine Fantasiegeschichte des anderen Autors sein. Denn den vermeintlichen Selbstmord des Oligarchen münzt Patrick zu einem Mord um. Auch er werde von denselben Pro-Putin-Mächten verfolgt, die ihm genauso nach dem Leben trachten, wie seinem ehemaligen Auftraggeber.

Als Leser habe ich Roberts Gedankengänge verfolgt. Ich fand ihn regelrecht sympathisch. Doch ist er wirklich die Person, die er vorgibt zu sein? Vielleicht kann Robert Kapital aus Patricks Erzählungen schlagen und endlich mit seinem eigenen Buchprojekt weitermachen. Er beginnt Patrick auf Getränke einzuladen, lauscht seinen Geschichten und versucht, ihn regelrecht zu manipulieren.

Chris Power „Ein einsamer Mann“: Mein Fazit

„Ein einsamer Mann“ ist ein klug durchdachter Thriller, der als Roman getarnt daherkommt. Nicht so schnelle Szenenwechsel wie in Vincent Klieschs „Im Auge des Zebras“ oder Max Seecks „Teufelsnetz“, dafür mit einer hohen erzählerischen Dichte, die mich fasziniert hat. Unterhaltsam und hochspannend zugleich.

Chris Power „Ein einsamer Mann“

Aus dem Englischen von Claudia Voit

2022, Ullstein, ISBN-13 978-3-550-05056-5

Preis: Hardcover 22,99 €, E-Book 18,99 €, 320 Seiten – Jetzt bestellen (werblicher Link)

Chris Power

„Ein einsamer Mann“ ist sein Debütroman. Er lebt und arbeitet als Schriftsteller in London.



Quellenlink https://www.fr.de/ratgeber/buchtipps/buchtipp-chris-power-ein-einsamer-mann-roman-thriller-berlin-schriftsteller-alltag-zr-91846068.html?cmp=defrss