CEO Michael O’Leary übt Druck gegen Viktor Orbans Sondersteuer aus



Budapest Wenn Ryanair-Chef Michael O’Leary einen Auftritt absolviert, weiß man nie so genau, ob man diesen erfrischend anders oder nur peinlich finden soll. Das Marketing des Billigfliegers ist Chefsache und ganz auf den 61-Jährigen zugeschnitten. Das zeigte sich, als O’Leary am Dienstag in Budapest aufkreuzte.

Atemlos stürzte er in den Veranstaltungsraum eines Hotels und hielt wie bei solchen Auftritten üblich eine Tafel mit der Anzahl an Flugzielen in die Höhe, diesmal jene ab Budapest. Dazu schnitt er alberne Grimassen – es war ein Auftritt speziell für die Fotografen.

Auf den ersten Blick war die Ankündigung dünn. Ryanair erweitert sein Netz um ein einziges Ziel: Zweimal pro Woche wird die Airline ab Budapest künftig nach Belfast fliegen. Ungarn, die Lust auf eine kurze Auszeit in einer „sonnigen Sommerdestination verspüren“, hätten nun eine noch größere Auswahl als bisher, sagte O’Leary. Der Manager pflegt die Ironie – es dürfte nicht viele Manager geben, die über eine neue Dienstleistung der eigenen Firma Witze machen.

Ungarn erhebt Sonderabgabe von zehn Euro pro Flugticket

O’Leary war allerdings nicht nur in Budapest, um für ein neues Angebot zu werben. Er kam mit einem gewichtigeren Anliegen. Seit dem vergangenen Jahr trägt er mit Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orban eine Fehde aus. Sein Besuch diente offensichtlich auch dem Zweck, Druck auszuüben.

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Dabei macht er der Regierung nun ein unmoralisches Angebot, das an Erpressung grenzt. Wenn diese ihre Sonderabgabe auf Flugtickets abschaffe, sei er bereit, das Ryanair-Angebot am Flughafen Budapest auszubauen, sagte O’Leary am Dienstag.

Viktor Orban

Mit seiner neuen Steuer hat Ungarns Regierungschef den Ryanair-Chef verärgert.



(Foto: dpa)

2022 hatte sich Orban eine neue Steuer einfallen lassen und damit den Chef des Billigfliegers verärgert. Wer von Budapest wegfliegt, bezahlt seit dem 1. Juli eine Abgabe von zehn Euro pro Ticket. Die Maßnahme ist Teil eines Pakets: Ungarn belegt Banken, Versicherer, Airlines, Einzelhändler und Energiefirmen mit einer Sonderabgabe, weil sie angeblich infolge der Inflation „Übergewinne“ erzielen.

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Hauptsächlich handelt es sich dabei um ausländisch beherrschte Gesellschaften, die Ungarn nicht so einfach verlassen können. Im Fall der Airlines heißt die Übergewinnsteuer mittlerweile zwar Umweltabgabe, aber das stimmt O’Leary noch lange nicht milde: Gerne betont der Manager nämlich, wie ökologisch Ryanair als Anbieter von Kurz- und Mittelstreckenflügen sei.

Als Ungarn die Übergewinnsteuer 2022 einführte, provozierte das O’Leary derart, dass er sich zu Kraftausdrücken hinreißen ließ: Es sei „mehr als dämlich“, was Ungarn anstelle. Orban braucht allerdings Geld, auch weil er vor den Wahlen im April 2022 großzügig Wahlgeschenke verteilt hat.

Michael O’Leary nimmt auch Easyjet und Wizz Air ins Visier

Derzeit befasst sich das Verfassungsgericht mit der Steuer. Seine Anwälte hätten ihn deshalb um Zurückhaltung bei der Wortwahl gebeten, sagte O’Leary. Er nannte die Abgabe lediglich „verbraucher- und wettbewerbsfeindlich“.

Sondersteuer

10

Euro extra

pro Ticket zahlen Passagiere seit 1. Juli 2022, wenn sie von Budapest abfliegen.

O’Leary rechnete auch gleich vor, wie lukrativ die Abschaffung für das wirtschaftlich gebeutelte Land wäre: Laut seinen Berechnungen nimmt Ungarn mit der Steuer jährlich 60 Millionen Euro ein. Wenn Ryanair aber die Anzahl der Ziele ab Budapest weiter erhöhe, sei für die Wirtschaft des Landes viel mehr drin.

Am Schluss der Vorstellung konnte O’Leary seinen Hang zu Provokationen dann doch nicht mehr zügeln: Orbans Übergewinnsteuer nannte er „albern“.

Manche Ungarn werden Schadenfreude empfinden, wenn O’Leary sich Orban auf diese Weise vorknöpft. Allerdings sind Kraftmeiereien O’Learys eine Masche und können alle treffen. In Budapest nahm er auch die Billigkonkurrenten Wizz Air und Easyjet ins Visier. Man könne keine nachhaltigen Gewinne erzielen, wenn man mit Ryanair konkurriere, behauptete er.

Die Konsolidierung werde kommen, einfach später als stets von ihm prognostiziert. In zwei bis drei Jahren aber seien Wizz Air und Easyjet reif für eine Bereinigung – sprich: dafür, übernommen zu werden.

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