Bundesbank sorgt sich um Zinsanstieg & Rezession



Das hat sich komplett geändert. Der schnelle Zinsanstieg sorgte bereits für massive Korrekturen an den Märkten – und Verluste bei Banken, Versicherern und Investmentfonds. Andere Probleme könnten hinzukommen. Zum Beispiel höhere Kreditausfälle der Banken, eine Verschärfung der Energiekrise und eine Rezession.

„In der Summe sind die makroökonomischen Risiken gestiegen, und das Finanzsystem bleibt verwundbar gegenüber diesen Risiken“, sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch bei der Präsentation des diesjährigen Finanzstabilitätsberichts der Notenbank. Für das kommende Jahr erwarten die Volkswirte der Bundesbank eine leichte Rezession.

Die finanzielle Lage der Unternehmen habe sich verschlechtert, Insolvenzen würden voraussichtlich zunehmen und die privaten Haushalte hätten an Kaufkraft eingebüßt. „Diese Faktoren belasten das Finanzsystem“, sagte Buch.

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Ein besonderes Risiko ist dabei, dass sich die Energiekrise möglicherweise verschärfen könnte. Die stark gestiegenen Börsenpreise für Energieprodukte haben bereits dazu geführt, dass Energieversorger zusätzliche Sicherheiten hinterlegen mussten, wenn sie an der Leipziger Strombörse bestimmte Finanzkontrakte gehandelt haben. Zum Teil konnten sie diese Sicherheiten nur mithilfe der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau stellen.

Analyse: Verschärft sich die Energiekrise?

In ihrem Bericht hat die Bundesbank ein Krisenszenario analysiert, in dem Russland seine Energieexporte in die EU vollständig stoppt, die Preise für Energie hoch bleiben und die reale Wirtschaftsleistung schrumpft. In diesem Beispiel würden die Verluste von Banken, Versicherern und Fonds stark zunehmen.

Gaslieferungen aus der Pipeline

In dem Krisenszenario geht die Bundesbank davon aus, dass Russland die Energieexporte in die EU komplett einstellt.



(Foto: Reuters)

Eine Gefahr wäre aus Sicht der Bundesbank dann, dass sich die Banken auch mit der Kreditvergabe zurückhalten könnten. Das könnte eine Abwärtsspirale aus höheren Kreditausfällen und schwachem Wachstum in Gang setzen.

Laut Bundesbank-Vizechefin Claudia Buch kommt es in diesem Fall darauf an, wie die Banken reagieren. Ob sie also ihre Kreditvergabe einschränken oder ihre Kapitalpuffer in diesem Fall nutzen. „Je besser die Kapitalisierung der Banken, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass sich negative realwirtschaftliche Entwicklungen im System verstärken“, argumentierte Buch.

Ein Problem sieht die Bundesbank darin, dass die Banken ihre Vorsorge gegen Kreditausfälle zuletzt stark zurückgefahren haben. Dies hängt damit zusammen, dass sich die Vorsorge an Risikomodellen orientiert, die die Ausfallquoten in den vergangenen Jahren einbeziehen. Die Quoten lagen wegen der niedrigen Inflation, der niedrigen Zinsen und des stabilen Wachstums über Jahre niedrig.

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Jetzt könnte es aber ähnlich wie bei der Inflationsentwicklung auch bei den Ausfallquoten einen sogenannten Strukturbruch geben, wo sich der Zusammenhang grundsätzlich ändert. Laut Bundesbank haben die Banken darauf aber bisher kaum reagiert und ihre Vorsorge auch weiter gering gehalten.

„Kreditausfälle werden ständiger Begleiter von 2023 sein“

Dabei sind aus Sicht der Notenbank die Ausfallrisiken deutlich gestiegen. So würden die höheren Energie- und Rohstoffpreise, Lieferengpässe und straffere Finanzierungsbedingungen viele Unternehmen deutlich belasten. Daher sei mit einer steigenden Zahl an Insolvenzen zu rechnen.

Hinzu kommt: Laut Bundesbank haben die Institute in der Niedrigzinsphase überdurchschnittlich viele Kredite an Unternehmen mit vergleichsweise hohem Risiko vergeben. Dies könnte dazu führen, dass diese Unternehmen bei steigenden Zinsen schneller Probleme bekommen.

Die Skyline der Bankenmetropole Frankfurt

Die Bundesbank kritisiert die mangelnde Risikovorsorge der deutschen Banken.



(Foto: dpa)

Auch bei Krediten an private Haushalte könnten die Ausfallraten wegen der hohen Energiekosten, der Entwicklung am Immobilienmarkt und eventuell auch einer steigenden Arbeitslosigkeit zunehmen. Auf diese Entwicklung hätten die Banken aber bisher kaum reagiert.

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„Was uns wundert, ist, dass so wenig zusätzliche Risikovorsorge gebildet wird,“ sagte der für die Bankenaufsicht zuständige Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling. Aus seiner Sicht sollten die Banken Spielräume für weitere Vorsorge nutzen. „Kreditrisiken und Kreditausfälle werden ständiger Begleiter von 2023 sein. Und das ist der Grund, warum wir entsprechende Warnungen abgeben.“

Wuermeling mahnte die Banken angesichts der Risiken zu Zurückhaltung bei Dividenden. „Angesichts einer hohen Unsicherheit sollten sie umsichtig Risikovorsorge betreiben und nur vorsichtig Gewinne ausschütten.“

Die EZB warnt vor Risiken für die Finanzstabilität im Euro-Raum

Die zuletzt kräftig gestiegenen Zinsen sind für die Finanzbranche tendenziell positiv. Insgesamt hat sich das Zinsspektrum in den positiven Bereich verschoben. Dadurch steigt die Marge der Banken im Kreditgeschäft.

Kurzfristig jedoch entstehen auch Risiken, weil höhere Zinsen Kreditnehmer zusätzlich belasten. Zudem führen steigende Zinsen zu Kursrückgängen bei Wertpapieren wie Anleihen.

Vor Kurzem hatte bereits die Europäische Zentralbank (EZB) vor gestiegenen Risiken für die Finanzstabilität im Euro-Raum gewarnt. Dabei verwies EZB-Vizechef Luis des Guindos auf die gestiegenen Energiepreise und Inflationsraten und die sich eintrübende Konjunktur.

Die Verwundbarkeiten von Haushalten, Unternehmen und Staaten, die mehr Schulden haben, hätten zugenommen. Zu den Gefahren zählte die EZB auch Spannungen an den Finanzmärkten.

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