Berliner Gründerin wehrt sich gegen Vergleiche mit Theranos


Nach dem Betrugsskandal um die Theranos-Gründerin Eiizabeth Holmes müssen sich andere Gründerinnen vor Investoren rechtfertigen. Eine Berlinerin schilderte ihren Ärger jetzt auf Linkedin.

In drei von fünf Investorengesprächen sei sie direkt oder indirekt mit Holmes verglichen worden, sagt Inne-Gründerin Eirini Rapti.

In drei von fünf Investorengesprächen sei sie direkt oder indirekt mit Holmes verglichen worden, sagt Inne-Gründerin Eirini Rapti.
Inne

Eirini Rapti ist eine Frau. Sie ist eine Gründerin im Health-Tech Bereich. Und genau hier enden auch schon alle Gemeinsamkeiten, die die gebürtige Griechin mit der gerade wegen Betrugs verurteilten Theranos-Gründerin Elizabeth Holmes hat. Die ebenfalls eine Frau ist und Health-Tech-Gründerin.

Rapti startet, als Holmes fällt

Rapti gründete 2016 das Startup Inne in Berlin. Ein Femtech- beziehungsweise Biotech-Unternehmen. Sie und ihr Team haben ein Tool für Frauen entwickelt zur Messung ihres Hormonspiegels anhand eines Speicheltestes. Das war kurz nachdem ein Bericht des Wall Street Journals massive Zweifel an dem bis dahin gehypten US-Startup Theranos aufkommen ließ und dessen Versprechen, anhand nur eines Tropfens Blut so ziemlich alle Werte und Krankheiten diagnostizieren zu können.

Der Skandal weitete sich aus. Das eben noch mit neun Milliarden Dollar bewertete Startup aus dem Silicon Valley crashte, die von Investoren und der Presse gefeierte Gründerin Elizabeth Holmes kam als Betrügerin vor Gericht. Derweil war Rapti in Berlin mit Fundraising für ihr Startup beschäftigt – und sah sich immer wieder mit Sätzen wie diesem konfrontiert: „Ich frage nur, weil, Sie wissen schon… wegen des Theranos-Fiaskos!“

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In drei von fünf Investorengesprächen sei sie direkt oder indirekt mit Holmes verglichen worden, schreibt Rapti nun in einem ausführlichen Linkedin Post, kurz nachdem die Theranos-Gründerin in den USA zu elf Jahren Haft verurteilt worden ist. „Naheliegend, denkt ihr jetzt vielleicht, oder? Beleidigend, würde ich sagen. Sehr beleidigend“, schreibt Rapti und erklärt auch, warum.

„Elizabeth Holmes war nie mein Idol“

In ganz und gar wesentlichen Punkten würde sie sich als Unternehmerin von Holmes unterscheiden: „Sie hat ein Geschäft auf Geheimhaltung aufgebaut – ich lebe von Transparenz und Co-Kreation.“ Holmes hätte außerdem erst eine Marke aufgebaut, ehe sie sich um das Produkt gekümmert habe. Und: „Sie passte sich der Ästhetik eines erfolgreichen Silicon-Valley-Gründers an: schwarzer Rollkragenpullover, Privatjets, Forbes-Titel. Ich habe mein Leben in einen Koffer gepackt und mich auf 18 Quadratmetern in Berlin eingepfercht, um in meinen 30ern neu anzufangen.“

Mit diesem Bild drückt Eirini Rapiti, Gründerin von Inne (r.), ihren Unmut über die ständigen, unangebrachten Vergleiche mit Theranos-Gründerin Elizabeth Holmes von Theranos (l.) aus.

Mit diesem Bild drückt Eirini Rapiti, Gründerin von Inne (r.), ihren Unmut über die ständigen, unangebrachten Vergleiche mit Theranos-Gründerin Elizabeth Holmes von Theranos (l.) aus.
Franziska Mayer/ Inne

„Elizabeth Holmes war nie mein Idol“, schreibt Rapti weiter. Viel mehr würde sie sich mit anderen Gründerinnen identifizieren wollen wie Ida Tin, Co-Founder der Menstruations-App Clue, oder der Spanx-Gründerin Sara Blakely.

Bleibt für also die Frage offen: Was bewegt Menschen dazu, den Vergleich zwischen ihr und Holmes zu ziehen? „Weil wir beide Unternehmen gegründet haben? Weil wir beide im Gesundheitswesen und in Biotechnologie arbeiten? Weil wir beide Vaginas haben?“

Auch Gründerinnen in den USA leiden unter den Vergleichen

Tatsächlich ging es auch anderen Health-Tech-Gründerinnen ähnlich. Die New York Times berichtete vor gut einem Jahr von mehreren amerikanischen Medizin- und Biotech-Gründerinnen, die mit dem „Schatten“ des Thearanos-Skandals zu kämpfen hätten, ohne dass sie in irgendeiner Beziehung zu dem Unternehmen oder der Gründerin Holmes stünden. Sie berichten, wie Investoren zurückhaltend reagierten, wie sie sich in Panel-Diskussionen immer wieder Fragen zu Theranos stellen mussten und wie sie in Medienberichten mit Holmes assoziiert wurden. Eine der Gründerinnen, Julia Cheek, die mit Everly Health auch im Bereich Diagnostik und Blutwerten unterwegs ist, erzählte, wie sie sich schließlich die Haare dunkel färbte, damit der Vergleich zwischen ihr und Holmes – beide blond – weniger nahe läge.

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Erleichtert über Verurteilung

Was da passiert, nennt sich Framing. Negatives Framing von Diagnostik-Startups und weiblichen Health-Tech-Gründern. Eirini Rapti wünscht sich, dass dies mit der Verurteilung von Holmes verschwinden kann. „Ich bin erleichtert, dass Elisabeth Holmes verurteilt wurde“, schreibt sie. Nun hoffe sie auf einen ein „Systemwechsel“.

Gegenüber Gründerszene fügt die Gründerin an, dass sie bewusst in diesem Post, wie auch in den ganzen sechseinhalb Jahren zuvor, die sie mit Inne nun schon Unternehmerin ist, auf ganz persönliche Erfahrungen gesetzt hat, um möglichen Partnern Einblicke zu geben, wie sie und ihr Startup ticken. Also: in echt. Anders nämlich als Theranos. Aber auch anders als alle anderen von Frauen geführten Health-Tech-Startups. Weil jedes von denen ebenso wie jede Gründerin ihre ganz eigene Geschichte hat. Unvergleichlich.



Quellenlink https://www.businessinsider.de/gruenderszene/health/berliner-gruenderin-inne-wehrt-sich-gegen-theranos-vergleiche/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=berliner-gruenderin-inne-wehrt-sich-gegen-theranos-vergleiche