„Am schlimmsten sind die Leute auf Alkohol“


Das Dream-World-Kollektiv ist für seine immersiven Theater-Produktionen bekannt. Manchmal erzählen sie aber auch auf Clubveranstaltungen eine kleine Geschichte.

Pablo Villalba beim „Foreplay“ im Kit-Kat-Club.

Pablo Villalba beim „Foreplay“ im Kit-Kat-Club.Diego Castro

Halb Mensch, halb Maschine erkunden sie mit Neugier die Erde, die seit ihrem Abflug eine ganz andere geworden ist. Drei Frauen in dazu passenden Outfits halten ihre Hände über den Körper einer Person auf dem Stuhl in ihrer Mitte. Ihr Gesichtsausdruck ist konzentriert, es scheint wie ein Heilungsritual oder Gebet. Hin und wieder tanzen sie auch zur Technomusik.

Direkt neben dieser schamanischen Sitzung steht ein Zelt, in dem ein DJ Musik auflegt. Im Garten des Clubs About Blank tanzen und beten mehrere verkleidete Menschen. Sie spielen, dass hier im Club, mitten im Januar, nachts Auswanderer aus dem All gelandet sind. Es ist die Hintergrundgeschichte für die Performance des Künstlerkollektivs „Dream World Society“ in dieser Nacht.

Das Kollektiv kommt aus dem „Immersiven Theater“, vor drei Jahren haben sie eine künstlerische Traumwelt an einer alten Tankstelle beim Ostkreuz erschaffen. Die Tickets waren stark limitiert, an dem Ort entstehen heute neue Gebäude vom Kölner Immobilienunternehmen Pandion, die das Projekt zur Zwischennutzung unterstützten.

Rentabel sei es trotzdem nicht gewesen. „Wir haben es für die Kunst gemacht“, sagt Pablo Villalba, einer der Dream-World-Gründer. Seitdem gab es sieben weitere Produktionen. Die letzte, „Limbo“, hatte eher einen ernsten, „therapeutischen“ Ansatz, die anderen Welten waren eher spielerisch aufgebaut. „Ich wollte einen Ort kreieren, wo sich die Menschen gesehen fühlen“, sagt Villalba. „Vor allem in Berlin fühlt man sich oft unsichtbar, wie ein Geist.“

Leo Schramm (Mitte) ist im About Blank halb Mensch und halb Maschine.

Leo Schramm (Mitte) ist im About Blank halb Mensch und halb Maschine.Damien Kaough

Mittlerweile performt das Kollektiv auch in Clubs: Beim Vorspiel im Kit Kat und im Paradise Garage im Salon zur wilden Renate schlüpft Leo Schramm regelmäßig in Rollen mit Storytelling, das sich bei den jeweiligen Veranstaltungen wiederholt. Die 22-Jährige trägt heute einen durchsichtigen Kunststoffmantel und klobige Stiefel. Ihre hellblaue Kontaktlinse lenkt manchmal vom Gespräch ab, das andere Auge ist braun. Kleine Steinchen kleben auf ihrer Nase, ihre Stimme klingt warm.

„Hier haben wir uns etwas ganz Neues überlegt“, sagt Schramm. „Es ist ein anderes Format und ein anderer Ort.“ Wenn die Performer zu einer Veranstaltung dazu kommen, sei der Aufwand logischerweise viel kleiner als bei einer großen eigenen Produktion. Deshalb macht Schramm das gerne zwischendurch. Heute bieten die menschlichen Roboter verschiedene Dinge an, von einer Waschung, bis hin zum Schminken und dem „Triangel“-Tanz zu dritt, um mit den Menschen in Kontakt zu treten. Der nächste auf dem Stuhl sei high, sagt Villalba zu Schramm und grinst. „Dafür ist es perfekt“, sagt sie.

Leo Schramm (Mitte) und Pablo Villalba (rechts) schlüpfen gern in verschiedene Rollen. Hier im Kit-Kat-Club.

Leo Schramm (Mitte) und Pablo Villalba (rechts) schlüpfen gern in verschiedene Rollen. Hier im Kit-Kat-Club.Diego Castro

In den Produktionen sei das dagegen immer wieder ein Problem, für Menschen auf Drogen seien die Räume und Performances „viel zu verrückt“, sagt Schramm. „Vor kurzem war einer völlig raus und hat vor mir das Ketamin-Nasenspray benutzt.“ In diesem Fall habe sie den Türsteher gerufen, das sei aber selten. Ein Pärchen, das ein wenig LSD genommen hatte, konnte dagegen spielerisch in die Welt eintauchen, erzählt sie. „Am schlimmsten sind die Leute auf Alkohol“, sagt Schramm. „Dann respektieren sie die persönlichen Grenzen nicht.“

Leo Schramm und Pablo Villalba haben sich vor drei Jahren bei Dream World kennengelernt und sind seitdem ein Paar. „Wir haben uns buchstäblich in einem Traum getroffen“, sagt Schramm und lacht.



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