A6 in Mittelfranken: Opa vergisst Enkel am Rastplatz – Bayern


Kaum sind Ferien, beginnt sie wieder: die Zeit, in der Kinder an Rastplätzen “vergessen” werden. Aber kann das Zufall sein?

Man kennt das von Haustieren: Da gibt es eine Saison der Anschaffung und eine des Aussetzens. Die Zeit dazwischen ist oft bedenklich kurz. Die Anschaffungssaison dürfte bald beginnen, damit tapsige Welpen und zwitschernde Wellensittiche pünktlich zu Heiligabend unterm Christbaum sitzen. Kurz vor Fasching, wenn die Beschenkten schön langsam bemerken, dass Haustiere morgens früh um sechs Gassigehen wollen oder ihre Notdurft im Sinkflug über das Sofa versprühen, beginnt die Saison des Aussetzens. “Tiere sind keine Weihnachtsgeschenke”, warnt der Tierschutzbund jedes Jahr.

Dasselbe gilt offenbar auch für Kinder. Ein Fall aus Bayern zeigt einmal mehr, dass auch das Verhältnis von Erziehungsberechtigten und Aufsichtspersonen zu ihren Kindern saisonalen Schwankungen unterworfen ist. Ein 61-Jähriger aus dem Landkreis Schwandorf hat seinen elf Jahre alten Enkel nach einem Ausflug in den Freizeitpark an einem Autobahn-Rastplatz in Mittelfranken vergessen. Laut Polizei bemerkte er den Verlust erst, als er schon wieder zu Hause in der Oberpfalz war. Opa wähnte den Bub schlafend auf der Rückbank und bemerkte nicht, dass er beim Stopp am Rastplatz ebenfalls ausgestiegen war. Der Enkel hat nun reichlich Material für den nächsten Aufsatz über “Mein schönstes Ferienerlebnis”.

Immerhin ist er nicht allein. Gibt man “Kind Rastplatz vergessen” bei Google ein, bekommt man mehr als sieben Millionen Treffer. Die meisten Kinder werden in der Ferienzeit “vergessen”. War der Vater, der gleich zwei Töchter auf dem Weg zum Gardasee am Rastplatz zurückließ, wirklich nur urlaubsreif? Oder aber war die Vorstellung, in ein paar Stunden in Malcesine alleine Weinchen zu kippen, einfach zu verlockend?

Noch etwas fällt auf. Die vergesslichsten Elternteile sind männlich. Vor allem Väter vergessen auf den Autobahnen dieser Welt, dass sie Nachwuchs haben – auch wenn der schon im Teenageralter ist. Manchmal handelt es sich zwar um ein familiäres Kollektivversagen, zumal bei Großfamilien, da kann man schon mal das eine oder andere Kind vergessen. Meldungen von Müttern oder Omis, die ohne ihre Brut weiterfahren, gibt es hingegen kaum.

Zugute halten muss man den vergesslichen Vätern aber, dass sie ihre Irrtümer meist irgendwann bemerken oder ein schlechtes Gewissen bekommen – je nach Ausmaß des Kalküls. Der Vater auf dem Weg zum Gardasee hat immerhin am Brenner kehrtgemacht.



Quellenlink https://www.sueddeutsche.de/bayern/rastplatz-kind-vergessen-mittelfranken-1.5686491