Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger ist tot – Kultur


Er prägte die geistige Landschaft der Bundesrepublik über Jahrzehnte, nun ist der Schriftsteller, Essayist und Großintellektuelle im Alter von 93 Jahren gestorben.

Der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger ist gestorben. Das haben die Verlage Suhrkamp und Hanser am Freitag mitgeteilt. Enzensberger gehörte neben Alexander Kluge und Jürgen Habermas zu den einflussreichsten Intellektuellen der frühen Bundesrepublik und prägte jahrzehntelang das geistige Geschehen des Landes.

Er hinterlässt ein umfangreiches, weit verzweigtes Werk. 1957 debütierte er im Alter von 28 Jahren mit dem Gedichtband “Verteidigung der Wölfe”. Das Buch brachte ihm den Ruf eines “zornigen jungen Mannes” ein, doch seine Sprachverwendung war schon damals kühl und modern, das Gegenteil der Sprache Martin Heideggers, den Enzensberger als Student in Freiburg noch gehört hatte. Als 1962 der Essayband “Einzelheiten” erschien, analysierte Enzensberger darin nicht Proust und Joyce, sondern den Neckermann-Katalog, sein Interesse galt zu jener Zeit der Konsum- und Mediengesellschaft. In seiner Dissertation über Clemens Brentano porträtierte er den Romantiker 1955 als Autor, dessen Kraft aus der virtuosen Behandlung der Sprache erwuchs, weniger aus Traum und Seele.

Enzensberger avancierte zu einer Zentralfigur der Gruppe 47, bereits mit 33 Jahren bekam er 1963 den Georg-Büchner-Preis. Er schrieb regelmäßig für FAZ und Spiegel, veröffentlichte Belletristik, Essays und baute einen “Poesieautomaten”, der heute im Literaturarchiv Marbach steht. Bis ins hohe Alter wirkte Enzensberger als Redakteur, Herausgeber und Autor. Er starb am 24. November 2022 und wurde 93 Jahre alt.



Quellenlink https://www.sueddeutsche.de/kultur/hans-magnus-enzensberger-literatur-brd-gestorben-suhrkamp-1.5703228